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Globales Massenprodukt Huhn - Hähnchen essen - auf wessen Kosten?

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Es ist paradox: Die EU importiert trotz großer Produktion Hühnerbrüste aus dem Ausland. Minderwertigere Hühnerreste exportieren sie und treiben südafrikanische Mäster in den Ruin.

Zehn Cent ist das Leben eines Masthuhns wert: erschreckend wenig. Viele Mäster müssen immer mehr Küken in die Ställe setzen.

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Die Lage der deutschen Hühnermäster ist verzwickt. Viele schreiben rote Zahlen. Gerade einmal zehn Cent verdienen Mäster wie Dietmar Deitermann aus dem Münsterland momentan pro Masthuhn. Er sagt:

Ein Anstieg der Verbraucherpreise um nur zehn Prozent wäre für uns existentiell sehr wichtig.
Dietmar Deitermann, Hühnermäster

Viele Konsumenten wünschen sich mehr Tierwohl, kaufen jedoch in der Regel billig. Der Bio-Anteil bei Geflügel liegt unter zwei Prozent. Zudem hat die hiesige Konzentration von Mastanlagen auf wenige Regionen erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Die Lage ist festgefahren: Verbraucher, Mäster, Anwohner - alle sind unzufrieden.

Millionen Hühner in einem Stall, eng aneinander gedrängt.
Massentierhaltung in Deutschland: Immer weniger Betriebe halten immer mehr Hühner.
Quelle: ZDF

Geflügel-Boom weltweit

Weltweit wurde noch nie so viel Geflügel verzehrt wie heute. Die Geflügelfleischproduktion allein in Deutschland hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Immer weniger Betriebe mästen immer mehr Tiere. In modernen Anlagen ist der Mastprozess maximal optimiert: Hier braucht es nur rund 1,5 Kilogramm Futter, um ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen.

Ein im Vergleich zu anderen Fleischarten günstiges Verhältnis. Bis zu 39.500 Hühner in einem Stall werden in nur sechs Wochen schlachtreif. Das hält die Verbraucherpreise niedrig.

Inga Günther und Andrea Jansen-Bodden wollen dem Kükentöten ein Ende bereiten. Ihre Lösung: eine wirtschaftlich-sinnvolle Hühnerrasse züchten.

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2 min
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Jede vierte Hühnerbrust importiert

Doch der Preisverfall macht wählerisch. Deutsche und andere europäische Konsumenten bevorzugen die Hühnerbrüste und verschmähen den Rest. Europa importiert jedes vierte Brustfilet aus dem nicht-europäischen Ausland oft als gefrorenes Fertigprodukt, zum Beispiel aus der Ukraine, Brasilien oder Thailand.

Deshalb exportiert Europa Schenkel, Karkasse und andere Teile. Mit Konsequenzen, die bis nach Afrika reichen. Etwa 43 Prozent aller europäischen Geflügelexporte landen zu Spottpreisen in Subsahara-Afrika.

Preisverfall trifft afrikanische Produzenten

Für die europäischen Vermarkter bringt das noch immer Milliarden. Vielen afrikanischen Produzenten aber nimmt dies die Möglichkeit zu wachsen oder gar weiter zu bestehen. Etwa in Südafrika.

Seit Jahren importiert das Land mindestens ein Viertel seines Hühnerfleischbedarfes. Mit dem Resultat, dass 2019 knapp die Hälfte aller kleineren Hühnermäster aufgeben musste. Izaak Breitenbach von der South African Poultry Association (SAPA) sagt:

Wenn Europa dieses hohe Importniveau tolerieren würde, wäre die europäische Hühnerindustrie pleite.
Izaak Breitenbach, South African Poultry Association

Handelsstreit zwischen Südafrika und EU

Um eine noch größere Pleitewelle zu verhindern, versucht Südarfrika seine Märkte besser zu schützen. Doch dies hat einen Handelsstreit mit der EU provoziert. Trotz einer dramatischen Wirtschaftskrise in Südafrika verlangt die EU die Rücknahme einiger Schutzgebühren.

Der Streit vergiftet seit Monaten die Handelsbeziehungen. Zudem sind durch die Pandemie viele Restaurants und Kantinen geschlossen. Europäische Absatzmärkte im Inland sind weggebrochen. Exporte nach Großbritannien fallen durch den Brexit niedriger aus.

Überproduktion von Hühnerfleisch läuft weiter

Doch die Überproduktion läuft weiter und in den Kühlhäusern stapeln sich die minderwertigen Hühnerteile. Irgendwann, so prophezeit Mäster Deitermann, "wird dieses Fleisch aus den Kühlhäusern wieder herauskommen und entweder den deutschen Markt oder den internationalen Markt beschäftigen".

Europa erhöht indes den Druck auf Südafrika weiter. Dabei verlangt das Land für sich nur, was die EU längst hat - einen wirksamen Schutz vor zu vielen Billigimporten.

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