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Interview

Astronaut Maurer im ZDF-Gespräch - "Ich bin selbst Versuchskarnickel"

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Zwischen Experimenten und Staubsaugen: Der deutsche Astronaut Matthias Maurer berichtet von seinem Alltag im All und erzählt, warum er sich um den Planeten Erde sorgt.

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer forscht nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für seine Followerschaft auf den Sozialen Medien. Zwischen Kommerz und Kosmos im höchsten Labor des Universums.

Beitragslänge:
20 min
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ZDF: Über welchen Erdteil fliegen Sie gerade und wie geht es Ihnen da oben?

Matthias Maurer: Wir sind gerade ungefähr über Asien. Ich bin jetzt seit fünf Wochen auf der Raumstation und habe mich akklimatisiert. Und ich freue mich über jeden einzelnen Tag, den ich hier habe, wo ich viel Wissenschaft machen kann, arbeiten kann.

Aber natürlich genieße ich auch die paar Momente der Stille und der Freizeit, in denen ich in die Cupola schwebe und auf unseren wunderschönen Planeten schaue.
Matthias Maurer, Astronaut

ZDF: Sie leben in der höchsten WG des Universums. Gibt es da so was wie WG-Regeln? Wer macht Frühstück und so weiter?

Maurer: Ja, wir haben ein organisiertes WG-Leben. Die Regeln haben aber nicht wir aufgestellt, sondern die Bodenkontrolle. Fürs Frühstück ist jeder selbst zuständig. Wir haben eine Kiste, da kann man sich bedienen.

Es gibt eine Kiste fürs Frühstück, eine fürs Mittagessen, also Fleisch, Fisch oder Beilagen. Dann gibt es eine Gemüsekiste und jeder hat für sich persönlich eine Getränkekiste. Ich habe zum Beispiel Ingwertee dabei, damit ich abends was Warmes trinken kann, ohne Koffein oder Teein zu mir zu nehmen.

Wer räumt eigentlich die Raumstation auf? Wie ein Staubauger im All aussieht, sehen Sie im Video.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Montags bis freitags stehen wir um 6:30 Uhr auf. 7:30 Uhr morgens haben wir Konferenzen mit Houston, mit München und mit Moskau. Und dann sind wir den ganzen Tag am Arbeiten. Es gibt nur eine kleine Pause für das Mittagessen.

Abends essen wir gemeinsam und dann geht es fast schon wieder ins Bett. Freizeit haben wir am Wochenende. Samstags wird geputzt. Während ich jetzt hier mit Ihnen spreche - Sie hören das im Hintergrund -, ist mein Kollege schon kräftig am Staubsaugen. Das muss ich später für mein Modul auch noch machen.

ZDF: Welche Experimente haben Sie schon gemacht und gibt es da schon Erkenntnisse?

Maurer: Ich bin selbst Versuchskarnickel. Ich kann zum Beispiel meinen Blutdruck messen. Ich kann mein EKG messen, ich habe auch eine Zentrifuge und kann mein Blut analysieren. Ich nehme mir Blut ab, das wird hier zentrifugiert. Dann werden die Proben eingefroren und runtergeschickt zur Erde. Das erlaubt den Wissenschaftlern, genau zu studieren, was mit dem menschlichen Körper während des Fluges abläuft.

Und hier hinten haben wir ein Biologielabor, da züchten wir kleine Pflänzchen oder Lebewesen. Dort können wir auch eine kleine Zentrifuge einbauen und damit verschiedene Belastungen kreieren.

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Wir können vergleichen: Wie wächst eine Pflanze unter Schwerelosigkeit und wie wächst sie unter Erdbedingungen? Oder wenn sich die Zentrifuge ein bisschen langsamer dreht, dann kann ich untersuchen: Wie würde diese Pflanze auf dem Mond, also bei Mondschwerkraft oder bei Mars-Schwerkraft wachsen?

Das sind wichtige Informationen, weil wir auch irgendwann mal zum Mond oder zum Mars fliegen und dort Essen erzeugen wollen.

Dann müssen wir wissen: Wie schaffen die Pflanzen das eigentlich?  

ZDF: In Ihrer Cupola sehen Sie auch, wie sich die Erde verändert. Wie sehen Sie den Klimawandel?

Maurer: Ich sehe Rauchwolken und Feuer über dem Regenwald:

Ich sehe also aktiv das Abholzen.

Und ich sehe auch Seen, die auf Karten eingezeichnet sind, wie zum Beispiel den Aral-See in Asien. Der ist heute gar nicht mehr so zu erkennen, wie er auf den alten Karten eingezeichnet ist, weil er einfach ausgetrocknet ist.

Das ist eine Folge des Klimawandels. Wir sehen auch, dass die Gletscher zurückgehen - dass Berge, die früher komplett weiß und bedeckt mit Gletschern und Schnee und Eis waren, viel brauner geworden sind.

 Rauch steigt aus einer Fabrik auf, während ein mit Autos beladener LKW eine Brücke überquert.
Grafiken

ZDFheute-KlimaRadar - Daten zum Klimawandel im Überblick 

Wie hat sich das Klima bereits verändert? Wie könnte es künftig bei Ihnen vor Ort aussehen? Die wichtigsten Zahlen im KlimaRadar von ZDFheute.

von Michael Hörz, Moritz Zajonz

ZDF: Macht Ihnen das Angst, sagen Sie: Man muss eine Botschaft an die Erde senden?

Maurer: Als ich zum ersten Mal in die Cupola geschwebt bin und den ersten Sonnenuntergang gesehen habe, da wurde mir sofort richtig Angst und Bange um unseren lieben Planeten. Die Sonne scheint durch die Atmosphäre hindurch, das ist wie ein leuchtender Saum, um die Erde zu erkennen. Und ist wirklich ein Hauch.

Ein Hauch von Nichts. Aber innerhalb dieses Hauchs, dieses Flaums, können wir leben!

Dort spielt sich alles ab, was das menschliche Leben ausmacht. Also die gesamte Menschheitsgeschichte findet innerhalb dieser dünnen Atmosphäre statt.

Als ich das gesehen habe, war mir im Bruchteil einer Sekunde klar: Wie wir mit unserem Planeten umgehen, das ist gar nicht gut. Wir müssten diesen zerbrechlichen Planeten eigentlich viel mehr würdigen, schützen und bewahren.

Unser Planet ist einzigartig. Und diese Einzigartigkeit müssten wir besser schützen.

Das ist eine ganz, ganz wichtige Botschaft, die kann ich gar nicht oft genug senden!

Theo Koll setzt die Klimapolitik in den Kontext.

Beitragslänge:
15 min
Datum:

ZDF: Wie werden Sie Weihnachten feiern?

Maurer: Wir haben einen kleinen Weihnachtsbaum aufgebaut, der steht an der Decke oder hängt an der Decke, je nach Perspektive. Wir bekommen leckeres Essen mit der nächsten Versorgungskapsel, die nächste Woche ankommt. Wir werden in dieser Versorgungskapsel aber sehr, sehr viele biologische Experimente dabeihaben und werden diese Experimente dann erst mal abarbeiten müssen.

Das heißt, an Heiligabend und den Weihnachtstagen werden wir hier mit Volldampf Wissenschaft machen.

Erst in den Tagen danach können wir uns auf Weihnachten konzentrieren. Dann werden wir die Familie anrufen, eine kleine Videoverbindung mit dem Boden herstellen.

3D Modell des größten Labors im All

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Natürlich werde ich auch runterschauen auf die Erde. Vielleicht werde ich sogar 16-mal Weihnachten oder das neue Jahr feiern. Wir haben ja alle 90 Minuten Sonnenaufgang und -untergang. Das heißt, ich werde auch durch die verschiedenen Zeitzonen durchfliegen und das neue Jahr 16-mal begehen können.

Das Interview führte Susanne Freitag-Carteron.

             

Suzanna Randall ist die neue "Co" von Harald Lesch. Sie wird zeigen, dass Naturwissenschaften nicht vor allem die Domäne von Männern sein müssen.

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12 min
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