ZDFheute

Staatsanwalt erhebt Anklage gegen Metzelder

Sie sind hier:

Kinderpornografie verbreitet? - Staatsanwalt erhebt Anklage gegen Metzelder

Datum:

Seit einem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Ex-Nationalspieler Metzelder - wegen der Verbreitung von kinderpornografischem Material. Nun hat sie Anklage erhoben.

Archiv: Christoph Metzelder am 27.04.2019 in Dortmund
Mehr als nur ein Anfangsverdacht: Staatsanwalt erhebt Anklage gegen Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder (Archivbild).
Quelle: ap

Genau vor einem Jahr, am 4. September 2019, wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen Christoph Metzelder ermittelt. Der ehemalige Fußballnationalspieler soll kinderpornografisches Material verbreitet haben. Seitdem herrschte Schweigen auf Seiten der Staatsanwaltschaft und auf Seiten von Christoph Metzelder.

Seine Reaktion bestand damals darin, gegen die öffentliche Erörterung des Themas - etwa in Medienberichten oder auch im Landtag von Nordrhein-Westfalen - anwaltlich vorzugehen. Durchaus mit Erfolg: So sah etwa das Landgericht Köln in einer Entscheidung gegen die Bild-Zeitung für den Tatverdacht zu wenig Belege und verbot die Berichterstattung.

Anklageerhebung zeigt: Mehr als bloßer Anfangsverdacht

Doch mit der Anklageerhebung an diesem Freitag ist nun klar: Es gibt mehr als einen bloßen Anfangsverdacht gegen Metzelder. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hält es für wahrscheinlich, dass der ehemalige Fußball-Profi einschlägiges Material nicht nur besessen, sondern auch verbreitet hat. An drei Frauen soll er insgesamt 29 Bild- beziehungsweise Videodateien über den Messenger-Dienst WhatsApp geschickt haben. Außerdem soll er 297 kinder- und jugendpornografische Bilder auf seinem Mobiltelefon gespeichert haben.

Während jugendpornografische Bilder Personen zwischen 14 bis 17 Jahren zeigen, geht es bei kinderpornografischen Bildern um Personen unter 14 Jahren. Das Spektrum der illegalen Bilder ist dabei breit. Unter Strafe gestellt sind sowohl Bilder, die sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern und Jugendlichen zeigen, als auch Bilder, die diese ganz oder teilweise unbekleidet in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung zeigen.

Art der Bilder öffentlich nicht bekannt

Welche Art Bilder Metzelder besessen und versandt haben soll, ist bislang öffentlich nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft geht indes davon aus, dass jedenfalls auch Bilder von unter 14-Jährigen mit dabei waren.

Nach der geltenden Rechtslage werden die Metzelder vorgeworfenen Handlungen nach Paragraf 184b und 184c StGB als "Vergehen" und nicht als "Verbrechen" im strafrechtlichen Sinne eingestuft. Die Strafandrohung lautet: Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass der offenbar nicht vorbestrafte Christoph Metzelder selbst im Falle einer Verurteilung eine Bewährungsstrafe erhält, ist hoch.

Urteil in jedem Fall gesellschaftlich die Höchststrafe

Doch obwohl ihm wahrscheinlich keine Gefängnisstrafe droht, ist eine solche Verurteilung in gesellschaftlicher Hinsicht die Höchststrafe. Gesellschaftlich wieder Fuß zu fassen, erweist sich oft als unmöglich, jedenfalls für Prominente. Daher kann die Unschuldsvermutung gerade in diesen Fällen nicht oft genug betont werden und darf auch kein Lippenbekenntnis sein. Auch stellen sich aktuell viele Plausibilitätsfragen.

Üblicherweise verbreiten Täter derartige Bilder nicht über unsichere Kanäle wie WhatsApp, sondern etwa im Darknet. Wieso sollte also Metzelder diesen Weg gewählt haben? Und warum überhaupt soll er verschiedenen Frauen in Deutschland solche Bilder geschickt haben? Hätte er dann nicht annehmen müssen, dass die Frauen schockiert sind und ihn verraten? Oder stellte sich Metzelder andere Szenarien vor? Oder wurde Metzelder möglicherweise reingelegt? Eine Stellungnahme von Metzelder zur Anklageerhebung gibt es bislang nicht. Auch eine ZDF-Anfrage ließ der Anwalt von Metzelder bislang unbeantwortet.

Anklage-Erhebung bedeutet nicht unbedingt Gerichtsverfahren

Dass nun die Staatsanwaltschaft Düsseldorf Anklage erhoben hat, bedeutet nicht, dass es auch zu einem Gerichtsverfahren kommt. Das Amtsgericht Düsseldorf muss entscheiden: Nur wenn es die Auffassung der Staatsanwaltschaft teilt und eine Verurteilung für wahrscheinlich hält, wird das Hauptverfahren eröffnet. Erst dann würde aus dem Angeschuldigten der Angeklagte Christoph Metzelder.

Felix W. Zimmermann ist Redakteur in der ZDF-Redaktion Recht & Justiz. Dem Autor auf Twitter folgen: @fewizi

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.