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Ex-Nationalspieler vor Gericht - Metzelder "wird sich Verantwortung stellen"

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Ex-Fußball-Nationalspieler Metzelder steht ab diesen Donnerstag vor Gericht. Er soll Kinderpornografie besessen und verschickt haben. Sein Anwalt hält einen Freispruch für möglich.

Metzelders Anwalt Prof. Ulrich Sommer im Interview

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Der frühere Fußball-Nationalspieler und Vize-Weltmeister Christoph Metzelder muss sich ab diesen Donnerstag vor dem Düsseldorfer Amtsgericht verantworten. Er ist angeklagt, weil er kinderpornografisches Bildmaterial besessen und an drei Frauen weitergeleitet haben soll.

"Er wird sich seiner Verantwortung stellen", sagt Metzelders Strafverteidiger Ulrich Sommer auf die Frage, wie sich sein Mandant im Prozess verhalten wird. Ob damit ein Geständnis angekündigt wird oder nicht, lässt der Anwalt im ZDF-Interview offen.

Er erklärt, Metzelder habe Fehler gemacht. Damit meint er jedoch nicht unbedingt den Vorwurf der Anklage. Der Fehler bestünde vor allen Dingen darin, dass Metzelder überhaupt mit anderen Frauen Kontakt gesucht und in Chats intime Details ausgetauscht habe.

Archiv: Christoph Metzelder am 01.08.2018  in Dresden
Christoph Metzelder
Quelle: dpa

Anwalt: Metzelder in Falle gelockt

Metzelder sei nicht pädophil, sondern habe in Chats mit Frauen Grenzen ausgetestet, wobei es dann zu Entgleisungen gekommen sei. Wegen der Frage, warum er überhaupt Kontakt mit fremden Frauen in solchen Chats suchte, sei er in therapeutischer Behandlung. Dabei gehe es aber schon lange nicht mehr um pädophile Dinge.

Was die Versendung von kinderpornografischem Material angeht, sei Metzelder von einer Frau in die Falle gelockt worden, meint Rechtsanwalt Sommer. Frau J. habe ihn nicht nur provoziert und animiert, sondern die Versendung von solchen Bildern sogar eingefordert.

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Anschließend habe sie nicht nur die Polizei informiert, sondern in der "Zeit" ihre Sichtweise einseitig und vorverurteilend geschildert. "Ich hätte sie gerne im Gerichtssaal gefragt, warum sie das gemacht hat, mit welcher Motivation?", sagt Anwalt Sommer.

Doch hierzu wird er keine Gelegenheit haben. Gegen Frau J. wird ebenfalls wegen des Besitzes von Kinderpornografie strafrechtlich ermittelt. Ihr steht daher ein Auskunftsverweigerungsrecht zu. Sie wird nicht zum Prozess erscheinen.

Anwalt von Frau J.: Brauchte Beweise für Anzeige Metzelders

Das ZDF konnte auch mit dem Rechtsanwalt von Frau J., dem Strafverteidiger Leon Kruse, sprechen. Er sagt, Metzelder habe damit angefangen, über Sexfantasien mit Teenangern zu chatten. Seine Mandantin habe dann erfahren wollen, ob Metzelder damit letztlich auf viel Jüngere als 17 oder 18-Jährige anspielt, pädophil ist und Straftaten begeht. Daher habe sie ihm vorgetäuscht, seine sexuellen Fantasien mit Minderjährigen zu teilen und gefragt, ob er auch eindeutig kinderpornografische Bilder besitzt.

Motivation sei gewesen, dass sie Beweismittel brauchte, um Metzelder bei der Polizei anzeigen zu können. Frau J. sei eine mutige Frau, die nicht wegschauen wollte. Hätte sie einfach den Kontakt abgebrochen, hätte Metzelder derartige Straftaten fortgesetzt, womöglich wäre noch Schlimmeres passiert, sagt ihr Anwalt Kruse. Von daher sei es ein fatales Signal für Aufklärung, dass seine Mandantin überhaupt strafrechtlich verfolgt werde.

Besitz von kinderpornografischem Material strafbar

Letztlich kommt es für die Frage der Strafbarkeit an sich nicht darauf an, ob Metzelder aufgefordert wurde, kinderpornografisches Bildmaterial zu versenden. Denn § 184b StGB stellt allein das Versenden oder Besitzen unter Strafe, unabhängig davon, ob man zu diesen Handlungen provoziert wurde.

Zudem soll Metzelder nach der Anklage zwei weiteren Frauen solches Bildmaterial zugesendet haben. Hierauf angesprochen, wird Rechtsanwalt Sommer zurückhaltend: Dies beträfe andere Motivationen, über die man sich gegebenenfalls im Gerichtssaal äußern werde. Wenn man überhaupt so weit käme.

Strafverteidiger sieht Hinweise für Intrige

Nach Ansicht von Sommer sei Metzelder möglicherweise schon deswegen freizusprechen, weil sein Handy einem Verwertungsverbot unterliegen könnte. Es bestünden Anhaltspunkte für "Strippenzieher", eine mögliche Intrige gegen seinen Mandanten gemeinsam durch Frau J, der "Bild"-Zeitung und der Polizei.

So sei die beste Freundin von Frau J. mit einem ehemaligen "Bild"-Vize-Chefredakteur liiert gewesen; es sei auch gewiss kein Zufall, dass die "Bild"-Zeitung Fotoaufnahmen anfertigte, als die Polizei Metzelder erstmals mit den Vorwürfen konfrontierte.

Sommer behauptet auch, die Polizei sei von Frau J. schon kontaktiert worden, bevor laut Anklage Metzelder kinderpornografische Bilder verschickt haben soll.

Vorwurf: Etwa 300 kinderpornografische Bilder auf dem Handy

Sollte sich im Prozess herausstellen, dass mit Hilfe der Polizei eine Straftat provoziert worden sei, dürfe Metzelder nicht verurteilt werden, so Sommer. Leon Kruse, der Anwalt von Frau J., bestreitet allerdings eine solche vorherige Kontaktaufnahme seiner Mandantin mit der Polizei.

Christoph Metzelder soll nicht nur Bilder versendet, sondern etwa 300 kinderpornografische Bilder auf seinem Handy besessen haben, so der Vorwurf der Anklage.

Auch hierfür will Sommer vor Gericht eine Erklärung ins Feld führen: Diese Bilder seien nicht etwa in einem regulären Ordner etwa unter "Fotos" gefunden worden. Es können allenfalls versteckte Dateien sein, die beim Besuch einer Website automatisch im Hintergrund gespeichert werden, ohne dass dies bedeute, dass man sich die Bilder auch tatsächlich angeschaut habe.

Sommer: Stigmatisierung durch Öffentlichkeit des Verfahrens

Der Vorwurf, Metzelder habe 300 Bilder mit kinderpornografischem Inhalt besessen, sei daher einfach falsch. Gegen eine pädophile Neigung spreche zudem, dass die Ermittler bei ihm zu Hause keinerlei verdächtiges Material gefunden haben.

Sommer kritisiert, dass sein Mandant überhaupt vor den "Pranger einer Hauptverhandlung" gestellt werde und die Angelegenheit nicht wie in vergleichbaren Fällen auch durch einen Strafbefehl geregelt worden sei.

Christoph Metzelder.

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Die Justiz habe den Grundsatz, dass man in möglichst distanzierter Form ein faires Verfahren an den Tag legen sollte, "nach hinten geschoben". Es gehe auch nicht um Kindesmissbrauch, sondern - "ohne dies minimieren zu wollen" - um die Versendung "von Fotos, und nichts anderes". Durch die Pressemitteilungen der Justiz und die Öffentlichkeit des Verfahrens sei sein Mandant einer schweren Stigmatisierung ausgesetzt.

Gesellschaftliche Ächtung wiege schwerer als Strafe

Sobald die Schublade "Kinderpornographie" geöffnet werde, gäbe es gesellschaftlich keine Rationalität mehr, keine Unschuldsvermutung. Viele würden sich dann ohne jedes Detailwissen daran ergötzen, jemanden einfach persönlich niederzumachen. Kommentare im Internet wie "Eier ab" oder "Der Mann hat seine Rechte verwirkt" seien sehr erschreckend.

Wenn Christoph Metzelder überhaupt verurteilt wird, erwarte ihn eine moderate Strafe, sagt Sommer. Doch schwerer wiege die gesellschaftliche Ächtung. Um ihn sei es einsam geworden, es ginge ihm miserabel.

Metzelder sei zu wünschen, dass "jedenfalls seine guten Freunde, die er meinte, gehabt zu haben, ihm zuhören und dann eine Entscheidung treffen, ob sie weiter mit ihm Kontakt haben wollen oder nicht".

Drei Verhandlungstage für Prozess angesetzt

Deutschland nach dem Prozess zu verlassen, käme für Metzelder aber nicht in Frage. Er stelle sich seiner Verantwortung in der deutschen Gesellschaft. Er sei eigentlich sehr, sehr heimatverbunden. Der Strafprozess gegen Christoph Metzelder beginnt am Donnerstag. Angesetzt sind drei Verhandlungstage.

Felix Zimmermann ist Redakteur in der ZDF-Redaktion Recht & Justiz. Dem Autor auf Twitter folgen: @fewizi

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