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Missmut, Zuversicht und das Coronavirus

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Flüchtlinge an Mexikos Grenze - Missmut, Zuversicht und das Coronavirus

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Flüchtlinge an der mexikanischen Grenze zu den USA haben es ohnehin schon schwer. Rüber kommen sie wegen des Virus nun gar nicht mehr. Antje Pieper hat die Menschen dort getroffen.

In Mexiko war Antje Pieper mit ihrem Team kurz vor der Ausgangssperre unterwegs. Dort ist jetzt ist die Währung abgestürzt. Das Land befindet sich ohnehin in einer Rezession, 44 Prozent der Mexikaner leben unterhalb der Armutsgrenze.

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Party am Strand, junge Amerikaner feiern in Mexiko. Noch Anfang März war die Stimmung in Cabo San Lucas ausgelassen, die Bekleidung so knapp wie der Körperkontakt eng.

Über Corona machte sich kaum jemand Gedanken, das gleichnamige Bier dagegen floss in Strömen. Nur die fliegenden Händler am Strand verkauften schon Stirnbänder mit der Aufschrift "Kein Corona-Virus".

Händler am Strand von Mexiko: Nein zum Coronavirus
Händler am Strand von Mexiko: "Kein Corona-Virus"
Quelle: ZDF

Das Coronavirus wurde nach dem Springbreak in die USA geschleppt

Springbreak heißt der alljährliche Spaß am Strand, amerikanische College-Studenten genießen Ihre Semesterferien. Dieses Jahr machen einige von Ihnen Schlagzeilen: Zurück in den USA entpuppte sich das dichte Gedränge als Paradies für die Virenübertragung.

Springbreak in Mexiko 2020
Springbreak in Cabo San Lucas in Mexiko: Optimal, um das Coronavirus zu übertragen.
Quelle: ZDF

Zum Feiern mal eben nach Mexiko - damit ist erstmal Schluss. Am 21. März haben die USA die Grenze weitestgehend geschlossen. Kurz zuvor waren wir unterwegs in das Land, das Donald Trump nicht nur in Corona-Zeiten möglichst abriegeln möchte – in das Land auf der anderen Seite der Mauer.

Von einem Leben in den USA können die meisten nur träumen

"Glückliche Reise" steht am Grenzübergang Matamoros. Das Schild können die Flüchtlinge aus Mittel- und Lateinamerika sehen, von einem Leben in den USA aber meist nur träumen.

Rund 3.000 Kinder, Frauen und Männer leben in einem improvisierten Camp im Norden Mexikos in Sichtweite der Grenze. Ich treffe Esmeralda Martínez aus Guatemala.

Sie ist mit Ihrer vierzehnjährigen Tochter hierher geflohen. "Weil sie meinen Mann umgebracht haben. Das ist der Grund. Wir wurden obdachlos. Die Töchter. In Guatemala ist es sehr gefährlich für sie. Es gibt viel Gewalt und viele Entführungen. Es ist sehr schwierig", erzählt sie.

Im Video: Antje Pieper spricht mit Mexikos Top-Komiker über die Politik in Mexiko

Chumel Torres ist Mexikos populärster Komiker, er moderiert eine Art mexikanische "heute-Show". Antje Pieper hat ihn Anfang März für das auslandsjournal getroffen.

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An Mexikos Grenze kämpfen die Menschen mit der Ungewissheit

Doch ihr Leben ist auch in Matamoros nicht einfach. "Wir werden stark diskriminiert. Das hat auch mit anderen zu tun, die nicht wertschätzen, was man ihnen gibt. Deshalb werden wir in schlechtes Licht gestellt. Sie scheren uns alle über einen Kamm." Das schwerste sei, dass sie keine Antwort bekommt, wie es weitergehen soll.

Auch Dr. Dairon Elisondo ist auf der Flucht, er möchte in die USA. Darion kommt aus Kuba. Er hat sein Land verlassen, weil er nicht mehr als Arzt arbeiten durfte. Das macht er jetzt in Matamoros, in der Krankenstation, die eine amerikanische Hilfsorganisation unterhält.

Gerade tragen sie eine schwangere Frau rein. Die Patientin hat Glück: Alles soweit in Ordnung. Dr. Elisondo muss ihr nur ein paar Medikamente gegen die Übelkeit verschreiben.

Es dauert zwei Jahre, bis sein Asylantrag bearbeitet werden wird

Dr. Elisondo ist froh, in seinem erlernten Beruf zu arbeiten. Matamoros soll aber auch für ihn nur eine Zwischenstation sein, bis die USA seinen Asylantrag bearbeiten. Zwei Jahre könnte das dauern.

Trotz der Schwierigkeiten ist er überzeugt, dass man als Flüchtling in den USA eine Perspektive hat. sagt Dr. Rojas:

"Wenn du den Wunsch und die Einstellung hast zu arbeiten und Du auch die Begeisterung hast diesen Wunsch wahr werden zu lassen. kommst du immer weiter, egal wo."

Den Flüchtlingen bleibt nur der Blick rüber ins gelobte Land

Gerade ist es schwer mit der Zuversicht in Matamoros – wegen der Corona-Krise dürfen jetzt auch keine Asylanträge für die USA gestellt werden. Und so bleibt für alle hier zunächst nicht mehr als der Blick ins vermeintlich gelobte Land -  auf der anderen Seite des Flusses.

Anjte Pieper moderiert regelmäßig das ZDF auslandsjournal und das auslandsjournal extra. Anfang März ist sie für eine Doku in Mexiko gewesen.

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