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"Weiße müssen endlich für Schwarze einstehen"

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Polizeigewalt in Minneapolis - "Weiße müssen endlich für Schwarze einstehen"

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Der Tod von George Floyd durch einen Polizeieinsatz hat die USA erschüttert und zu Ausschreitungen geführt. Rassismus und Gewalt sind unser Alltag, sagen Schwarze im ganzen Land.

Nach dem Tod von George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz weiten sich die Proteste in den USA aus. In zahlreichen US-Städten gingen wütende Demonstranten auf die Straße.

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"Ich kann nicht atmen, ich kann nicht atmen", fleht George Floyd, während der weiße Polizist sein Knie mehrere Minuten lang an Floyds Hals drückt. In dem Video einer Passantin ist klar zu erkennen, wie er ihn auf den Boden presst, seine Hilferufe überhört. Solange bis Floyd das Bewusstsein verliert. Kurz danach verstirbt der 46-Jährige in einem Krankenhaus in Minneapolis.

Polizeigewalt wie in Minneapolis systemisches Problem

"Polizeigewalt gegen Schwarze gibt es seit Jahrzehnten, aber nun haben wir endlich den Beweis dafür auf Video", sagt Ronald Hall, Professor an der Michigan-State-Universität. Er ist Verhaltensforscher, beschäftigt sich seit Jahren mit Konflikten zwischen Schwarzen und Weißen.

Hall ist Schwarzer Amerikaner und hat, wie alle "People of Color", sein Leben lang Rassismus erfahren. So wurde er mehrfach von der Polizei angehalten, nur weil er ein gutes Auto fährt. Als er einmal mehr als 400 Dollar auf er Bank einzahlte, rief man die Polizei und verdächtigte ihn, das Geld durch Drogenverkauf verdient zu haben.

Proteste gegen Polizeigewalt in New York
Auch in New York protestieren Menschen gegen Polizeigewalt.
Quelle: ap

"Das ist nicht nur Minneapolis, das ist ein systemisches Problem, viel mehr noch: Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze sind ein kulturelles Problem in den USA", sagt Hall. Ein großes Problem sei zudem, dass die Polizei in den USA keinen Respekt gegenüber schwarzen Männern habe. Oftmals würde sicherlich auch der Polizei nicht genügend Respekt entgegengebracht werden, allerdings "legitimiert nichts den Tod einer Person", so Hall. Häufig ende die Gewalt nicht mit dem Fixieren einer verdächtigen Person.

Nach George Floyds Tod fragen viele: "Bin ich der Nächste?"

Schwarze Menschen seien frustriert, sagt Hall, da es in vielen Fällen von Polizeigewalt gegenüber "People of Color" im Nachhinein nicht zu einer Verurteilung kam. Unter dem Hashtag #icantbreathe (Ich kann nicht atmen) nehmen Menschen auf der ganzen Welt Anteil an dem tragischen Tod von George Floyd und fordern das Ende von Rassismus und willkürlicher Polizeigewalt. "Am I next?" (Bin ich der Nächste?), fragen schwarze Demonstranten auf ihren Protest-Schildern.

In einem Interview mit dem US-amerikanischen TV-Sender CNN sagt George Floyds Bruder Philonise, er sei es leid, schwarze Männer sterben zu sehen. Die Polizei solle anfangen, ihren Job richtig zu machen, das hätte sie bislang nicht getan. Die Polizisten könnten nun nach Hause zu ihren Familien zurückkehren, aber "ich bekomme meinen Bruder nie mehr zurück. Ich will Gerechtigkeit, ich will einfach nur Gerechtigkeit", sagt er mit tränenerstickter Stimme.

Demonstranten vor Polizisten in Minneapolis.

Bei Protesten zu Tod von Floyd -
CNN-Team in Minneapolis festgenommen
 

Bei Protesten wurde ein Fernsehteam des Senders CNN festgenommen.

Unterstützung der Weißen gegen Rassismus und Diskriminierung nötig

Das Problem werde nicht verschwinden, solange sich nicht auch Weiße weigern, es zu akzeptieren, sagt Professor Hall. "Weiße müssen endlich für Schwarze einstehen". Diskussionen über und Aufmerksamkeit für die Probleme mit Rassismus und Gewalt seien nicht genug, fordern auch Aktivistinnen wie Zyahna Bryant.

"Nennt Rassismus beim Namen“, schreibt sie in einem Online-Artikel. Alle müssten sich gegen Diskriminierung auflehnen, damit sie endlich aufhöre, so Bryant. "Es ist vielleicht unbequem, eure Eltern, euren Chef, Lehrer oder Freunde damit zu konfrontieren, aber es gibt keine Entschuldigung dafür, es nicht zu tun".

Alica Jung ist Reporterin im ZDF-Studio Washington. Der Autorin auf Twitter folgen: @Alica_Jung

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