Sie sind hier:

Erzbistum München und Freising : Missbrauchsgutachten ruft Justiz auf den Plan

Datum:

Das Münchener Gutachten zu sexuellem Missbrauch erschüttert die katholische Kirche. Die Staatsanwaltschaft prüft die Vorwürfe.

Schattenriss eines Priesters mit einem Kreuz
Das Missbrauchsgutachten erschüttert die katholische Kirche in ihren Grundfesten.
Quelle: dpa

Nach der Veröffentlichung des Münchener Gutachtens zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche prüft die Justiz, ob Verantwortungsträger sich womöglich strafbar gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft München I untersucht derzeit 42 Fälle von Fehlverhalten, bestätigte die Sprecherin der Behörde, Anne Leiding.

Die Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW), die den aufsehenerregenden Bericht im Auftrag des Bistums verfasst hat, habe der Staatsanwaltschaft im August 2021 "41 Fälle zur Verfügung gestellt", sagte Leiding - und einen weiteren Fall im November 2021. "Sie betreffen ausschließlich noch lebende kirchliche Verantwortungsträger und wurden stark anonymisiert übermittelt."

Die Missbrauchsvorfälle in der katholischen Kirche haben auch den emeritierten Papst Benedikt XVI. erreicht. ZDF-Korrespondent Stefan Leifert über die Folgen des Gutachtens.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Gutachten wirft auch Ratzinger Fehlverhalten vor

Sollten sich auf dieser Basis "Verdachtsmomente hinsichtlich eines möglicherweise strafrechtlich relevanten Verhaltens der kirchlichen Verantwortungsträger ergeben", würden die entsprechenden Unterlagen bei der Kanzlei angefordert und gegebenenfalls an die zuständigen Staatsanwaltschaften weitergegeben, sagte Leiding. "Welche strafrechtlichen Normen verletzt wurden, ist noch Gegenstand der Prüfung."

Auch das Erzbistum Köln sieht sich mit Missbrauchs-Vorwürfen konfrontiert:

Ein Gutachten zum Umgang des Erzbistums Köln mit sexuellem Missbrauch liegt vor einer Pressekonferenz auf einem Rednerpult.

Katholische Kirche - Das Desaster von Köln 

Schonungslos legt ein Gutachten Fehlverhalten der Kardinäle Höffner und Meisner offen. Erstmals werden amtierenden Bischöfen Pflichtverletzungen attestiert. Woelki macht ernst.

von Jürgen Erbacher

Das vom Erzbistum München und Freising selbst in Auftrag gegebene WSW-Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt wurden und wirft den ehemaligen Erzbischöfen Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger, dem heute emeritierten Papst Benedikt XVI., konkret und persönlich Fehlverhalten in mehreren Fällen vor.

Was wusste der frühere Kardinal Ratzinger?

Missbrauch - Was wusste Benedikt XVI.?  

Ein Gutachten zum sexuellen Missbrauch wirft den Kardinälen Ratzinger, Wetter und Marx Fehlverhalten vor. Betroffene warten weiter, dass persönliche Konsequenzen gezogen werden.

Videolänge
von Jürgen Erbacher

Auch dem aktuellen Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, wird formales Fehlverhalten in zwei Fällen vorgeworfen. Von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern sprechen die Gutachter, gehen aber von einem deutlich größeren Dunkelfeld aus. Besonders brisant ist die Rolle Ratzingers. Denn die Gutachter gehen davon aus, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Wahrheit gesagt hat.

Wilfried Fesselmann ist Betroffener von Missbrauch in der katholischen Kirche. Wenn Täter weiter bezahlt werden können, sollten auch Opfer entsprechend entschädigt werden, sagt er.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Kirchenrechtler: Benedikt hat gelogen

Der renommierte Kirchenrechtler Thomas Schüller wird deutlicher: "Er hat eindeutig gelogen", sagte er der ARD. Benedikt hatte immer wieder betont, an einer Sitzung im Jahr 1980 nicht teilgenommen zu haben, in der beschlossen wurde, dass ein Priester, der im Bistum Essen Jungen missbraucht hatte, nach Bayern versetzt werden soll. Ratzinger war von 1977 bis 1982 Erzbischof von München und Freising.

Der Reputationsschaden für Benedikt ist groß, gerade weil er sich bisher stets als Kämpfer gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche gezeigt hatte.
Daniel Bogner, Theologe

Die Kanzlei WSW legte ein Protokoll vor, wonach Ratzinger - anders als von ihm behauptet - durchaus an der Sitzung teilgenommen hatte. Der katholische Theologe Daniel Bogner kommt zu dem Schluss:

Auch Marx in der Kritik

Die Betroffene Agnes Wich sieht auch Marx' Rolle kritisch. Sie moniert, dass er bei der Vorstellung des Gutachtens nicht anwesend war und später nur eine kurze Stellungnahme abgab. Eine ausführlichere soll in einer Woche folgen.

Von einer "Bilanz des Schreckens" spricht ein Anwalt im Gutachten zum Missbrauch im Erzbistum München. Es werden auch schwere Vorwürfe gegen den emeritierten Papst Benedikt erhoben.

Beitragslänge:
12 min
Datum:

Theologe Bogner hält nach den Enthüllungen des Gutachtens einen Rücktritt von Marx für angemessen. Es sei vorstellbar, dass der Erzbischof von München und Freising dem Papst als Reaktion auf das Gutachten erneut - wie schon im vergangenen Jahr seinen Rücktritt anbiete, sagte der Professor für Moraltheologie und Ethik an der schweizerischen Universität Freiburg. "Und ich hoffe, er wird eine erneute Ablehnung durch Papst Franziskus diesmal nicht akzeptieren."

Darum geht es im Münchner Missbrauchs-Skandal:

Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.