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Befragung in katholischer Kirche - Missbrauchsvorwürfe gegen 654 Ordensleute

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In den zurückliegenden Jahrzehnten hat es Missbrauchsvorwürfe gegen mindestens 654 katholische Ordensleute gegeben. Das ergab eine Befragung unter den Gemeinschaften.

Archiv: Im Gegenlicht und vor wolkenverhangenem Himmel ist die Kirchturmspitze des Doms mit Kreuz in Osnabrück am 18.05.2008 zu sehen.
Missbrauchsvorwürfe bei katholischen Orden
Quelle: dpa

Viele katholische Orden in Deutschland sehen sich mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs konfrontiert. Bei den Ordensgemeinschaften meldeten sich mindestens 1.412 Personen, die angaben, als Kind oder Jugendlicher sexuell missbraucht worden zu sein. Das ergab eine Mitgliederbefragung der Dachorganisation Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK). 654 Ordensmitglieder wurden demnach als Täter beschuldigt. Die meisten von ihnen - 522 oder knapp 80 Prozent - seien bereits tot, teilte die DOK am Mittwoch mit. 37 Beschuldigte seien aus ihrem Orden ausgetreten.

Die Vorfälle reichen den Angaben zufolge teilweise bis in die 50er und 60er Jahre zurück, als noch viele Schulen und Internate von Patern oder Nonnen geführt wurden. Die DOK betonte, dass die Angaben nicht auf eine wissenschaftliche Studie zurückgingen. Es handele sich lediglich um eine interne Umfrage. Der Rücklauf sei hoch gewesen: Etwa drei Viertel der Ordensgemeinschaften, 291 von 392, hätten den Fragebogen zurückgesandt. In diesen 291 Orden lebten 88 Prozent der heutigen Ordensmitglieder. Die kleinsten Orden umfassen nur noch eine Handvoll von Personen, mitunter sogar nur noch ein einziges Mitglied.

Missbrauchsvorwürfe bei jedem dritten der teilnehmenden Orden

Von den 291 Gemeinschaften, die die Fragen beantwortet haben, gaben 100 an, dass sie mit Vorwürfen zu verschiedenen Missbrauchsformen konfrontiert worden seien. Das seien gut 34 Prozent. Personenbezogene Daten zu Opfern oder Beschuldigten wurden in der Erhebung nicht abgefragt. Den Orden sei Anonymität zugesichert worden, erläuterte die DOK.

Von den Menschen, die in Deutschland Mitglied in einem Orden sind, sind den Angaben zufolge 75 Prozent Frauen und 25 Prozent Männer. Unter den Beschuldigten sind die Männer stark überrepräsentiert.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Johannes-Wilhelm Rörig signalisierte der DOK Unterstützung für einen "strukturierten Aufarbeitungsprozess". Er hoffe zugleich, "dass die DOK dabei zusätzlich starke Unterstützung aus dem Kreis der Orden und Diözesen erhält.

"Eckiger Tisch": Aktenbestände sichern

Kritik kam von der Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch": Viel zu lange hätten sich die meisten Ordensgemeinschaften der Verantwortung verweigert. "Und auch jetzt meinen sie, dass sie alle Zeit der Welt haben, um erst einmal in Gespräche einzutreten, ob und wie sie ihre Geschichte von Gewalt und sexuellem Missbrauch aufklären wollen", erklärte Sprecher Matthias Katsch.

Er forderte, alle Aktenbestände der Ordensgemeinschaften zu sichern und sie den Staatsanwaltschaften zur Verfügung zu stellen, sofern es einen Verdacht auf sexuellen Kindesmissbrauch gebe. Keinesfalls dürfe mit Hinweis auf verarmte Gemeinschaften den Opfern eine angemessene Entschädigung verweigert werden.

Eine Studie der Deutschen Bischofskonferenz hatte 2018 den massenhaften Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Kleriker dokumentiert. Die Aufarbeitung geht seitdem weiter. Einige Diözesen haben unabhängige Kommissionen ernannt, die konkrete Vorwürfe untersuchen und dabei auch Beschuldigte benennen sollen.

Archiv: Messdiener in einer Kirche, aufgenommen am 06.12.2006

Nachrichten -
Missbrauch in katholischer Kirche
 

Hintergründe und Analysen.

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