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Katholische Kirche - "Hässliche Fratze" des Missbrauchs überwinden

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Katholische Laien debattieren über die eigene Verantwortung beim Missbrauchsskandal. Mit Blick auf notwendige Reformen wollen sie den Dialog mit dem Vatikan suchen.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat sich zur digitalen Frühjahrsvollversammlung getroffen. Ein zentrales Thema: die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch durch Priester und in Laienorganisationen.

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2014 wurde Lisa Scharnagl in einer katholischen Schule missbraucht. Geglaubt habe ihr niemand. Der Täter sei heute in einem anderen Bundesland als Lehrer tätig, erklärte sie bei der digitalen Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken am Samstagmorgen.

Johanna Beck berichtet davon, wie Gruppenleiterinnen sie und ihre Schwester zur Beichte bei einem Priester gezwungen hätten, obwohl sie den Verantwortlichen zuvor von den Taten des Geistlichen berichtet hatten:

Auch Laien haben stumm zugeschaut und sich abgewendet.
Johanna Beck

Sexualisierte Gewalt ist noch immer Teil der Gegenwart

Johannes Norpoth, wie Johanna Beck Mitglied im Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz, betonte, dass man bei sexualisierter Gewalt über die Gegenwart spreche, nicht nur über die Vergangenheit.

Das ZdK hatte vor wenigen Monaten eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Verantwortung von Laien beim Missbrauch auseinandersetzen soll. ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatte dazu erklärt, "dass die Verbrechen sexualisierter Gewalt nicht nur eine Frage von Klerikern sind". In den Blick genommen werden müssten auch der "Ko-Klerikalismus" in den Gemeinden oder Missbrauch in Verbänden.

Wie arbeitet die katholische Kirche die Missbrauchsvorwürfe auf? Kritiker sagen: zu wenig transparent, viel zu langsam. Darüber spricht die Frühjahrversammlung der katholischen Laien.

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Missbrauchskrise betrifft gesamte katholische Kirche

"Es ist spät, aber vielleicht nicht zu spät", stellte die Vizepräsidentin des ZdK, Claudia Lücking-Michel, bei der Debatte am Samstag mit Blick auf die Einrichtung der Arbeitsgruppe mehr als zehn Jahre nach Aufdeckung des Missbrauchsskandals selbstkritisch fest.

Johannes Norpoth betonte bei der Debatte, dass die Missbrauchskrise aus Sicht der Betroffenen nicht nur eine Krise des Klerus, sondern der gesamten katholischen Kirche sei. Deshalb müssten die Themen bearbeitet werden, die im Mittelpunkt des Synodalen Wegs stehen:

  • Machtverteilung und Partizipation
  • die priesterliche Lebensform
  • die kirchliche Sexualmoral sowie die Rolle der Frau in der Kirche

Nur so könne es gelingen, dass die "hässliche Fratze der Kirche des Missbrauchs" der Vergangenheit angehöre und nicht ein Bild der Zukunft sei.

Zweites Hauptthema der Versammlung: Reformbedarf der Kirche

Die Zukunft des Reformprozesses "Synodaler Weg" war neben dem Missbrauch das zweite große Thema bei den Beratungen der katholischen Laien. Dabei gab es viele kritische Stimmen. Bemängelt wurde fehlende Transparenz bei den Beratungen und der Erarbeitung von Dokumenten. Aus vielen Bistümern war zu hören, dass der Prozess an der Basis kaum Beachtung finde.

Mehrfach wurde gefordert, die Laien müssten angesichts des Widerstands aus dem Vatikan über einen Ausstieg aus dem Reformprozess mit den Bischöfen nachdenken. ZdK-Präsident Sternberg warnte davor, "rote Linien" zu definieren. "Wie soll ein offenes Gespräch geführt werden, wenn vorher alles festgelegt ist", gab er zu bedenken. Es sei allerdings klar, dass sich die Laien nicht verbiegen.

Synodaler Weg will sich in Rom Gehör verschaffen

Karin Kortmann, ZdK-Vizepräsidentin und Mitglied des Präsidiums des Synodalen Wegs, kündigte an, dass eine Delegation nach Rom reisen werde. Vatikanvertreter hatten in der Vergangenheit ihre Bereitschaft für ein Treffen bekundet, doch eine konkrete Einladung liege bisher nicht vor.

Die Verantwortlichen des Reformprozesses wollten nicht mehr warten, bis Rom handelt, so Kortmann. Man werde nun selbst aktiv und möchte in Rom für den Prozess werben.

Rolle der Bischöfe im Reformprozess

Die ZdK-Vollversammlung machte deutlich, dass die katholischen Laien weiter selbstbewusst für Reformen eintreten. Vom Gegenwind aus Rom und durch eine kleine Gruppe deutscher Bischöfe lassen sie sich nicht entmutigen.

Veränderungen können allerdings nur die Bischöfe umsetzen, denn in der klassischen Struktur der katholischen Kirche haben am Ende sie das Sagen. Die Mehrheit der deutschen Bischöfe scheint bereit dazu. Ob Rom sie gewähren lässt, wird sich zeigen, wenn die Reformbeschlüsse 2022 konkret vorliegen.

Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Kirche und Leben katholisch.

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