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Aufarbeitung von Missbrauch - Kardinal Woelki lehnt Rücktritt ab

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Fünf Tage nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens im Kölner Erzbistum plant Kardinal Woelki weitere Schritte zur Aufarbeitung. Den eigenen Rücktritt schloss er aus.

Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, spricht ein Grußwort bei der Amtseinführung des neuen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Kardinal Rainer Maria Woelki: "Bleibe im Amt."
Quelle: dpa

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki will am Dienstag weitere Maßnahmen gegen die Vertuschung von sexuellem Missbrauch vorstellen - seinen Rücktritt schloss er im Vorfeld aber aus. In der "Zeit" sagte er:

Indem ich im Amt bleibe, übernehme ich Verantwortung für das, was ich in Köln begonnen habe: die schonungslose Aufklärung.
Kardinal Rainer Maria Woelki

Woelki: "Rücktritt wäre der einfachere Weg"

Der Erzbischof kündigte die Einberufung einer unabhängigen Aufarbeitungskommission an. Auf die Frage, ob er sein Amt zur Verfügung stellen wolle, entgegnete der Erzbischof: "Nein! Was wäre mit einem Rücktritt gewonnen? Das wäre der einfachere Weg." Er sehe sich als Erzbischof "hier weiter in der Pflicht - deshalb bleibe ich im Amt", sagte Woelki.

Das von Kardinal Woelki beauftragte Gutachten zum Umgang mit Missbrauch im Erzbistum Köln entlastet ihn - andere treffen schwere Vorwürfe.

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Zur Frage nach weiteren Konsequenzen sagte er: "Eine der Konsequenzen wird sein, dass die Führung von Personalakten fälschungssicher werden muss." Daran arbeite das Bistum schon seit einiger Zeit. "Sowohl Personalakten als auch Interventionsakten werden in ein elektronisches Kontrollsystem eingespeist werden - damit künftig kein Material, das Bistumsmitarbeiter belastet, mehr manipuliert oder vernichtet werden kann."

Unabhängige Aufarbeitungskommission geplant

In der Vergangenheit war es in Köln wie auch in anderen deutschen Bistümern zur Vernichtung von Akten über mutmaßliche Missbrauchstäter gekommen. Woelki kündigte außerdem an: "Wir wollen eine unabhängige Aufarbeitungskommission einrichten. Sie wird mehrheitlich aus Personen bestehen, die vom Land Nordrhein-Westfalen und dem Betroffenenbeirat vorgeschlagen werden."

Damit wolle das Erzbistum Köln deutlich machen: "Wir wollen nicht mauscheln und nicht tricksen. So wird Kontrolle von außen möglich." Komplett aus der Hand geben will Woelki die Kontrolle über die Aufklärung jedoch nicht. Auf Nachfrage der "Zeit" erklärte er:

"Ganz an den Staat abgeben können wir die Missbrauchsaufarbeitung aber nicht. Sie muss von uns umgesetzt werden.
Kardinal Woelki

Fünf Tage nach der Vorstellung eines Gutachtens zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln will Woelki am Dienstag weitere Konsequenzen aus der Untersuchung vorstellen. Ob dazu auch weitere personelle Schritte zählen, ist nicht absehbar. Bereits unmittelbar nach der Präsentation des Gutachtens verloren fünf führende Geistliche ihre Ämter - darunter drei Bischöfe.

Aus dem Gutachten hatte sich ergeben, dass aufgrund der noch verfügbaren Akten im Erzbistum Köln zwischen 1975 und 2018 314 Personen - meist Jungen unter 14 Jahren - Opfer von sexualisierter Gewalt geworden waren. Der Gutachter Björn Gercke stellte fest, "dass sich Jahrzehnte offenbar niemand getraut hat, solche Fälle zur Anzeige zu bringen".

Kölner Missbrauchsgutachten - Betroffene: "Kein Ersatz für Aufarbeitung" 

"Freispruch für Woelki", "Showveranstaltung" - Betroffene kritisieren das Gutachten zum Umgang mit Missbrauch im Erzbistum Köln. Andere sehen es als wichtigen Mosaikstein.

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