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Erstes Urteil - Missbrauchsfall Münster: Haft für 53-Jährigen

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Erstes Urteil im Missbrauchskomplex von Münster: Das Landgericht hat einen 53-Jährigen aus Schleswig-Holstein zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Archiv: Prozessakten liegen in einem Gerichtssaal des Landgerichts Münster
Die Staatsanwaltschaft Münster hat bislang Anklagen gegen neun Personen erhoben.
Quelle: dpa

Im Missbrauchskomplex von Münster hat das Landgericht ein erstes Urteil gesprochen und schickt einen 53-Jährigen für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Der Mann aus Norderstedt in Schleswig-Holstein wurde wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt.

Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Mit dem Urteil blieb das Gericht geringfügig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Anklage hatte auf drei Jahre und sechs Monate plädiert. Der Verteidiger hatte sich für eine angemessene Strafe ausgesprochen, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen.

Zum Schutz der Opfer fand das Verfahren weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Angeklagte hat das Urteil nach Gerichtsangaben angenommen. Die Staatsanwaltschaft kann noch Revision einlegen.

Rund eine Million Kinder in Deutschland, schätzen Experten, sind Opfer von sexualisierter Gewalt. Laut Statistik in jeder Schulklasse bis zu zwei Kinder. Sie leiden still. Und ihr Umfeld unternimmt zu selten etwas, dabei sind die Signale oft deutlich.

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53-Jähriger hatte Geständnis abgelegt

Der Angeklagte hatte die Taten gegenüber den Ermittlern gestanden und Hinweise zu weiteren Beschuldigten gegeben. Das habe das Gericht bei seinem Strafmaß berücksichtigt, sagte die Gerichtssprecherin.

In der Urteilsbegründung hatte der Vorsitzende Richter von einem "milden Urteil für ein schweres Verbrechen", gesprochen. Das Gericht habe das umfassende Geständnis des Mannes gewürdigt. Er habe so dem Opfer eine Aussage erspart.

Neun Jahre alter Junge sexuell missbraucht

Laut Anklage soll der heute 53-Jährige im Sommer 2019 einen damals neun Jahre alten Jungen schwer sexuell missbraucht haben.

Bei dem Opfer handelt es sich den Ermittlungen zufolge um den Ziehsohn des Hauptbeschuldigten in dem Gesamtkomplex.

Eigenes Verfahren gegen Hauptbeschuldigten

Der in einem eigenen Verfahren angeklagte 27 Jahre alte Mann aus Münster soll den Sohn seiner langjährigen Lebensgefährtin mehrfach anderen Männern für sexualisierte Gewaltverbrechen zur Verfügung gestellt und das Kind auch selbst immer wieder vergewaltigt haben.

Gegen den Hauptbeschuldigten und weitere mutmaßliche Komplizen läuft seit dem 12. November ein gesondertes Verfahren vor dem Landgericht.

Im Fall schweren Kindesmissbrauchs in Münster beginnt heute der Prozess gegen den Hauptangeklagten und mutmaßliche Mittäter. Der 27-Jährige soll seinen Ziehsohn immer wieder vergewaltigt und über das Internet anderen Männern angeboten haben.

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Anklagen gegen mehrere Personen

Die Ermittler hatten bei dem Mann Datenträger mit Missbrauchdarstellungen im Umfang von insgesamt rund 400 Terrabyte gefunden. Bei Durchsuchungen waren Verdächtige in Niedersachsen, Hessen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen festgenommen worden.

Allein die Staatsanwaltschaft Münster hat bislang mehrere Anklagen gegen insgesamt neun Personen erhoben. In diesen Verfahren wurden acht minderjährige Opfer gezählt.

Immer wieder stammten sie aus dem nahen Familienumfeld. Die Ermittlungen bundesweit laufen damit insgesamt gegen mindestens 20 weitere Beschuldigte.

Die Aufdeckung der Missbrauchsfälle von Münster hatte in der Großen Koalition eine Debatte über das Strafmaß ausgelöst.

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