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Gleich nach Gutachten - Woelki entbindet zwei Amtsträger von Aufgaben

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Das Gutachten zum Umgang mit Missbrauch im Erzbistum Köln hat 75 Pflichtverletzungen gezählt. Kardinal Woelki hat nun zwei hochrangige Amtsträger von ihren Aufgaben entbunden.

Kardinal Woelki: "Taten wiegen schwerer als Worte."

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Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat erste Konsequenzen aus dem Gutachten zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum gezogen. Unmittelbar nach der Vorstellung des Berichts entband er seinen Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und den Leiter des Kölner Kirchengerichts, Günter Assenmacher, wegen Pflichtverletzungen vorläufig von ihren Ämtern. Schwaderlapp räumte Versäumnisse ein und erklärte, er habe Papst Franziskus um sein Urteil gebeten.

Zuvor hatte der Strafrechtler Björn Gercke berichtet, dass 75 Fälle von Pflichtverletzungen im Umgang mit sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln festgestellt worden seien. Das treffe auf Schwaderlapp in acht Fällen zu, Assenmacher habe in zwei Fällen eine unzutreffende Rechtsauskunft abgegeben. Woelki selbst wurde in dem Gutachten, das sich auf den Zeitraum 1975 bis 2018 bezog, entlastet.

Die Gutachter belasten mehrere Kirchenmänner schwer, Kardinal Woelki aber nicht.

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Schwere Vorwürfe gegen Heße und Meisner

In ihrer Untersuchung erhoben die Gutachter schwere Vorwürfe gegen den Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der früher in Köln tätig und lange Personalverantwortlicher war. Bei Heße hätten sich aus den Akten insgesamt elf Pflichtverletzungen ergeben - in sieben Fällen davon seien Missbrauchsfälle nicht ordnungsgemäß bearbeitet worden.

Die mit Abstand schwersten Vorwürfe machten die Gutachter dem 2017 verstorbenen Kölner Kardinal Joachim Meisner. Diesem seien 24 Pflichtverletzungen und damit fast ein Drittel aller Fälle vorzuwerfen. Auch der verstorbene Kardinal Joseph Höffner habe im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch seine Pflicht verletzt.

Gutachter: Desaströse Aktenlage

Gercke und die Co-Autorin der Studie, Kerstin Stirner, bescheinigten den Verantwortlichen eine große Rechtsunkenntnis und eine desaströse Aktenlage. Wenn Vorschriften geheim seien, sei Rechtsunkenntnis die logische Folge. Der Schutz der Institution Kirche habe im Vordergrund gestanden. Bei Verfehlungen von Laien habe es dagegen kein Fehlverhalten gegeben; es habe rasche Kündigungen gegeben.

Das Gutachten hatte Kardinal Woelki erst im Oktober vergangenen Jahres in Auftrag gegeben. Es handelt sich um die zweite Ausarbeitung für das Erzbistum - ein erstes Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) wurde zunächst nicht wie vorgesehen veröffentlicht, weil Woelki es für mangelhaft hält. Kritiker warfen ihm deshalb mangelnden Aufklärungswillen vor.

202 Beschuldigte und 314 Opfer im Bistum Köln

Es gab laut Gutachten Übergriffe und Grenzverletzungen von insgesamt 202 Beschuldigten, davon waren knapp zwei Drittel Kleriker. Die Zahl der Opfer beläuft sich auf 314, darunter 178 männliche und 119 weibliche. Bei 17 Opfern gab es keine Angabe zum Geschlecht.

Gutachter Gercke betonte, dass es sich um ein juristisches Gutachten handele - es könne nur Teil einer Aufarbeitung des Missbrauchs sein.

Woelki und sein Generalvikar Markus Hofmann nahmen als Gäste an der Präsentation teil. Laut Erzbistum kannten sie den Inhalt des Gutachtens bislang nicht. Das komplette Gutachten soll gegen 13 Uhr auf der Internetseite des Erzbistums Köln veröffentlicht werden, nachdem zunächst der Betroffenenbeirat Einsicht erhalten hat. Ab dem 25. März sollen Betroffene, Journalisten und weitere Interessierte Möglichkeit zur Lektüre des WSW-Gutachtens bekommen.

Sexueller Missbrauch - Katholische Vertuschung 

Seit Jahren verspricht Kardinal Woelki Aufklärung über sexualisierte Gewalt. Wer sind die Täter? Wer hat vertuscht? Doch viele Betroffene haben den Glauben an Aufklärung verloren.

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von Dorthe Ferber und Michael Haselrieder
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