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Bischöfe: Bis zu 50.000 Euro für Opfer

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Missbrauch in der Kirche - Bischöfe: Bis zu 50.000 Euro für Opfer

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Die Bischofskonferenz führt ein einheitliches System zur Anerkennung von Missbrauchsopfern ein. Sie sollen bis zu 50.000 Euro erhalten - weniger als von Opferverbänden gefordert.

Die deutschen Bischöfe haben auf ihrer Herbstkonferenz in Fulda Ausgleichszahlungen für Missbrauchsopfer beschlossen. Bis zu 50 000 Euro sollen die Opfer erhalten.

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Die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche sollen künftig auf Antrag Ausgleichszahlungen von bis zu 50.000 Euro erhalten. Das hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda gesagt.

Einmalzahlungen werden individuell festgelegt

Dabei werde es sich um Einmalzahlungen handeln, die für jeden Betroffenen durch ein unabhängiges Entscheidungsgremium individuell festgelegt würden, sagte Bätzing. Zusätzlich könnten Betroffene Kosten für Therapie- oder Paarberatung erstattet bekommen. All diese Leistungen würden künftig durch ein zentrales und unabhängig besetztes Gremium festgelegt.

Diesem Gremium sollen sieben Frauen und Männer angehören. Es werde mit Fachleuten aus Medizin, Recht, Psychologie und Pädagogik besetzt, sage Bätzing. Die Mitglieder dürften nicht bei der Kirche angestellt und damit von ihr abhängig sein. Das Gremium werde nicht nur die Leistungshöhe festlegen, sondern auch die Auszahlung der Summen anweisen.

Gremium aus sieben Frauen und Männern soll künftig entscheiden

Auf diesem Wege solle das Verfahren beschleunigt werden, was viele Betroffene angemahnt hätten. Die Mitglieder des Gremiums würden durch einen Ausschuss ausgewählt, dem mehrheitlich nichtkirchliche Vertreter angehören sollen.

Es war das erklärte Ziel der Bischöfe, sich bei dem Treffen in Fulda auf konkrete Anerkennungszahlungen für die Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Priester zu einigen. "Es geht uns um ein einheitliches System", hatte Bätzing betont. Dabei wolle man sich orientieren an gerichtlichen Urteilen zu Schmerzensgeldern.

Vatikan-Experte Erbacher: Wichtiger und längst fälliger Schritt

"Die Entscheidung der Bischofskonferenz", so ZDF-Vatikanexperte Jürgen Erbacher, ist "ein wichtiger und längst fälliger Schritt in die richtige Richtung. Jetzt gibt es ein klares Verfahren zur Anerkennung des Leids der Opfer sexuellen Missbrauchs, das von einer unabhängigen Kommission ausgeführt wird".  

Mit der Summe von bis zu 50.000 Euro bleibe die Bischofskonferenz hinter den Erwartungen der Opfer weit zurück, die sechsstellige Summen forderten. "Allerdings", so Erbacher weiter, "gab es für die Bischöfe kaum Orientierungspunkte im Rechtsrahmen Deutschlands. Die katholische Kirche ist damit die erste Institution in Deutschland, die ein solches standardisiertes Verfahren aufsetzt." 

Opferinitiative: Viele Betroffene berufsunfähig

Der Sprecher der Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, kritisiert:

Nach zehn Jahren beschließen die Bischöfe, sich an staatlichem Recht zu orientieren. Damit geben sie zu, dass die sogenannte 'Anerkennungszahlung' von bis zu 5.000 Euro in den letzten Jahren Unrecht war.

Die Entscheidung der Bischöfe führe "in die Irre", denn es gehe nicht um den Ausgleich für aktuelle Taten, wie sie mit Schmerzensgeldtabellen staatlicher Gerichte erfolge, sondern es müsse um einen Ausgleich gehen für "jahrzehntelange systematische Vertuschung und Verdunkelung von Verbrechen an Kindern und Jugendlichen durch die Institution Kirche und die Folgen, die dies in den Biografien der Opfer hinterlassen hat"

Man habe "Angst" vor dem, was sich Verwaltungs-, Finanz- und Rechtsfachleute der katholischen Kirche ausgedacht hätten, ohne die Betroffenen einzubeziehen, hatte der Sprecher der Opferinitiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, gesagt. Für angemessen hielte die Opferinitiative nach Katschs Worten Zahlungen in sechsstelliger Höhe, zumal viele Betroffene berufsunfähig seien.

Noch kritischer als die Summen sieht Katsch die Verfahren, denen sich die Opfer unterziehen müssten, um das Geld erhalten zu können. Hier sei eine "tiefe Retraumatisierung" in unprofessionellen Settings zu befürchten.

Missbrauchsbeauftragter des Bundes hin- und hergerissen

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat das Verfahren zwar begrüßt. Zugleich betonte er jedoch, dass die Deckelung auf 50.000 Euro zu kurz gegriffen sei. In Fällen schweren sexuellen Missbrauchs werde das nicht ausreichen. Er hoffe, dass die Bischöfe die Deckelung nicht aus "Sparsamkeitsgründen" getroffen hätten. Da sei Sparsamkeit falsch am Platz, so Rörig.

Eine vor zwei Jahren von der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellte Studie hatte ergeben, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben sollen. Dies gilt aber nur als die Spitze des Eisbergs.

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