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Bischöfe regeln Entschädigung für Opfer von Missbrauch neu

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Einigung auf Bischofskonferenz - Bischöfe regeln Entschädigung für Opfer von Missbrauch neu

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Die Katholische Kirche will Opfern sexuellen Missbrauchs künftig ein höheres Schmerzensgeld zahlen. Sie bleibt aber hinter den Erwartungen der Betroffenen zurück.

Opfer von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche können künftig mit einem höheren Schmerzensgeld rechnen. Betroffene bezeichnen die Summen jedoch als unzureichend.

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Es ist das Ergebnis eines zähen Ringens, was der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, am Donnerstag zusammen mit dem Beauftragten für Missbrauchsfragen, Bischof Stefan Ackermann, präsentierte. Die katholische Kirche wird Opfern sexuellen Missbrauchs künftig deutlich höhere Summen als Anerkennung des erfahrenen Leids zahlen als bisher.

Man wolle sich "in der Höhe an Schmerzensgelder der staatlichen Gerichte in vergleichbaren Fällen anlehnen". Diese lägen bei Summen zwischen 5.000 und 50.000 Euro. Dabei wollen die Bischöfe "sich am oberen Bereich der zuerkannten Summen" orientieren. Diese bleiben dennoch hinter den Forderungen der Opfer weit zurück.

Bischöfe waren schon früher eher zurückhaltend

Im vergangenen September hatte eine Kommission den Bischöfen Vorschläge für eine umfassende Entschädigung gemacht. Mitgearbeitet hatten unter anderen der Betroffenenvertreter Matthias Katsch und die ehemalige nordrhein-westfälische Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter.

Sie schlugen zwei Modelle vor:

  • entweder eine pauschale Entschädigung von rund 300.000 Euro für jeden Betroffenen
  • oder eine individuelle Entschädigung zwischen 40.000 und 400.000 Euro.

Die Bischöfe zeigten sich damals schon zurückhaltend, was die Beträge anbetrifft.

Schmerzensgeld staatlicher Gerichte als Vorbild empfohlen

Mit einem ganzen Bündel von Argumenten, begründete Bischof Ackermann die Entscheidung der Bischöfe. Bisher gebe es keine vergleichbaren Regelungen bei einer anderen Institution in Deutschland. Daher hätten Experten der Bischofskonferenz geraten, sich an den Schmerzensgelder staatlicher Gerichte zu orientieren.

Die Summen seien dabei dynamisch. Sollten die Gerichte künftig in vergleichbaren Fällen höhere Summen veranschlagen, werden sich die Bischöfe entsprechend danach richten.

Härtefälle sollen gesondert behandelt werden

Mit dem Schmerzensgeld wollten die Bischöfe das immaterielle Leid der Betroffenen anerkennen. Entschädigung würde auch materielles Leid einbeziehen. Dazu konnten sich die Bischöfe nicht durchringen.

Allerdings betonte Ackermann, dass Härtefälle wie schon in der Vergangenheit gesondert behandelt würden. So gibt es im Erzbistum Freiburg eine Regelung, die unter bestimmten Umständen monatliche Zahlungen vorsieht. Bis heute stellten 17 Betroffene einen Antrag. Das Geld wird zunächst für ein Jahr gezahlt. Verlängerung möglich.

Zudem wird die katholische Kirche in ganz Deutschland auch künftig die Kosten für Psychotherapie oder Paartherapie übernehmen.

Darauf haben sich die Bischöfe geeinigt

  • Die Regelung gilt zunächst für den Bereich der Bistümer, allerdings wollen die Bischöfe möglichst auch alle Orden gewinnen, sich an dem Verfahren zu beteiligen.
  • Die Finanzierung erfolgt durch die Bistümer. Sie geben Gelder in einen Topf, aus dem das unabhängige Gremium die Zahlungen anweist.
  • Dabei sollen die einzelnen Bistümer entsprechend der Missbrauchsfälle aus ihrem Bereich Mittel einzahlen.
  • Ob sie diese aus den Kirchensteuern oder anderem Vermögen nehmen, bleibt dem einzelnen Bistum überlassen.
  • Es soll eine solidarische Komponente geben, um finanzschwache Bistümer oder Orden zu unterstützen.
  • Auch die Täter sollen herangezogen werden, soweit das möglich ist.

Für die Bischöfe ist das Neuland

Die katholischen Bischöfe betreten mit der Regelung Neuland. Bisher gibt es in Deutschland kein vergleichbares Verfahren. Daher zögerten sie auch, bei den Beträgen über die vorhandene Orientierung der Schmerzensgelder staatlicher Gerichte hinauszugehen.

Sie wollten keinen Präzedenzfall schaffen, der andere Organisationen wie die evangelische Kirche oder Sportverbände in Zugzwang bringen könnte. Die Summen sind mit denen in Österreich, den Niederlanden oder Belgien vergleichbar, liegen aber weit hinter denen in den USA oder Australiens. Dort müssen sie allerdings einzeln in Gerichtsverfahren erstritten werden.

Betroffene werden trotzdem weiter warten müssen

Bis die ersten Zahlungen fließen, wird es noch eine Weile dauern. Die Bischöfe konnten sich einmal mehr nur auf Grundsätze einigen, viele Verfahrensfragen und Details sind noch offen. Sie sollen bis Herbst geklärt werden. Die Geduld der Betroffenen wird also noch weiter strapaziert.

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