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Motorradraser tötet Radfahrer - Trauermarsch statt Kaffee und Kuchen

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Hennickendorf und Ahrensdorf verbindet eine kurvenreiche Landstraße. Regelmäßig wird sie von Bikern als Rennstrecke missbraucht. Die Folgen können tödlich sein.

Zwei Motorradfahrer im Straßenverkehr
Manch ein Motorradfahrer riskiert durch Rasen sein Leben - und das anderer.
Quelle: dpa

Jovita Galster-Döring hatte alles für den Sonntag vorbereitet. Die Plakate waren gemalt, Kuchen sollten gebacken werden, Kaffee gekocht. Sie wollten sich am Dorfgemeinschaftshaus treffen und mit den Bikern das Gespräch suchen.

Natürlich ist Jovita Galster-Döring nicht alleine. Hinter ihr stehen die Ortsvereine von Hennickendorf und Ahrensdorf in Brandenburg, vielleicht sogar alle Gemeinden in Deutschland, die durch rowdyhafte Raserei um Ruhe und Sicherheit gebracht werden.

200 Motorräder am Tag

Jovita Galster-Döring ist Ortsvorsteherin in Hennickendorf, ein kleiner Ort im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland. Dort gibt es eine Dorfkirche, ein paar Straßen, ein Dorfgemeinschaftshaus. Man könnte Hennickendorf als verschlafen bezeichnen, nicht jedoch an den Wochenenden, erzählt die Ortsvorsteherin:

An Spitzentagen fahren bei uns bis zu 200 Maschinen am Gemeindehaus vorbei.
Jovita Galster-Döring

Je besser das Wetter, desto mehr Maschinen zählen die Anwohner; so geht das seit Jahren.

"Lärm zerstört Lebensqualität und macht krank", davon ist nicht nur die Ortsvorsteherin überzeugt; das beweisen auch Studien immer wieder. Doch der Motorrad-Lärm ist nicht das einzige Problem der Gemeinde.

Mit über 100 km/h um die Kurven

Die Ortsteile Hennickendorf und Ahrensdorf sind durch eine kurvige Landstraße verbunden, fast sieben Kilometer ist sie lang. Zweispurig führt sie mal durch den Wald, mal an Kornfeldern vorbei. Wer mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit fährt, kann die Strecke genießen.

Selbstgefilmte Videos auf Youtube zeigen jedoch das genaue Gegenteil: Seit Jahren rasen dort Motorräder mit weit über 100 km/h durch die Kurven, überholen, wo nicht überholt werden darf. Die Landstraße ist zur Rennstrecke für Speedjunkies geworden. Was die Videos nicht zeigen, sind die Unfälle, die dadurch passieren.

Motorräder können viel Krach machen - müssen sie aber nicht. Viele Biker fühlen sich unfair behandelt, wenn es um Lärmbelästigung geht.

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Tödliche Unfälle

"Regelmäßig knallt's hier", schildert Galster-Döring. Im letzten Jahr hat die Polizei in der Gemeinde 15 Verkehrsunfälle gezählt, an denen ein oder mehrere Motorräder beteiligt waren.

Der letzte Unfall in der Gegend endet tragisch: Ein 27-jähriger Motorradfahrer zieht trotz Überholverbot in einer Kurve an einer Motorradgruppe vorbei, verliert die Kontrolle über seine Maschine, kommt von der Straße ab und prallt gegen einen 81-jährigen Radfahrer. Der Mann, der auf dem separaten Radweg entlang der Straße unterwegs ist, verstirbt später an seinen Verletzungen.

"Viele nutzen den Radweg entlang der Straße nicht mehr", weiß die Ortsvorsteherin aus Hennickendorf, aus Angst, in einen Unfall verwickelt zu werden. Wie können sich Menschen vor lebensgefährlichen Rasern schützen?

Letzter Ausweg Fahrverbot?

Die Gemeinden Ahrensdorf und Hennickendorf versuchen es mit Kommunikation. Sie haben Schilder aufgehängt, auf denen sie um Rücksichtnahme bitten: "Lärm stresst jeden", steht auf einem Plakat. Der Erfolg der Aktion ist mäßig.

Als letztes Mittel denken sie auch über Fahrverbote nach. "Wir wissen, dass die meisten sich an die Regeln halten, wir haben auch nicht grundsätzlich was gegen Motorräder", sagt die Ortvorsteherin. Die Menschen sind verzweifelt.

Lärmplakat Lärm stresst jeden mit schreiendem Baby
Die Hinweise im Ort nützen gegen die Raser nicht viel.
Quelle: Marcus Groß

Fahrverbote für Motorräder sind ein heißes Eisen. Über vier Millionen zugelassene Motorräder gibt es in Deutschland, rund 20.000 Biker und Bikerinnen vertritt der Bundesverband der Motorradfahrer. Die Raserei kritisiert der Verbandsvorsitzende Michael Lenzen. Es sei jedoch die Aufgabe der Polizei, das zu unterbinden.

Von Fahrverboten halte ich nicht viel, die lösen das Problem nicht, dann wird halt woanders gerast.
Michael Lenzen, Bundesverband der Motorradfahrer

Statt zu Kaffee und Kuchen mit den Bikern treffen sich die Gemeinden Hennickendorf und Ahrensdorf nun zu einem Trauermarsch. An der Unfallstelle wollen sie an den getöteten Radfahrer erinnern. Statt auf Fahrverbote wollen sie zunächst auf Rüttelstreifen vor den Kurven setzen. Ihre Hoffnung ist, dass die Strecke so für Raser uninteressant wird.

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