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Mülltrennung: Fehler im System

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Unsaubere Abfalltrennung - Mülltrennung: Fehler im System

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Die deutsche Abfallentsorgung ist anfällig für Missbrauch und Chaos. Die gröbsten Fehler liegen im System. Was sollte sich ändern?

Mülltrennung in der Bildungsstätte Einschlingen in Bielefeld
Was gehört in welche Tonne?
Quelle: dpa

Liefe es optimal, würden in Deutschland jährlich etwa 3,7 Millionen Tonnen weniger Bioabfälle in Rauch aufgehen. Die Verbrennungskapazitäten könnten allein dadurch um 14 Prozent reduziert werden, hat das Öko-Institut im Auftrag des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) berechnet. Statt umweltschädlich verheizt zu werden, könnte aus dem Abfall wertvoller Biodünger oder Biogas entstehen. Es läuft aber alles andere als optimal bei der Mülltrennung.

Chaos in deutschen Mülltonnen

Beim Sammeln von Biomüll etwa zähle Deutschland im internationalen Vergleich "eher zu den Entwicklungsländern als zu den Top-Runnern", kritisiert Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Den aktuellsten Beleg hierfür liefert das Umweltbundesamt (UBA): Der Analyse zufolge gehört nur ein Drittel des Mülls, der in Restmülltonnen landet, wirklich hinein.

Deutschlands Restmüll
Quelle: ZDFheute

Dagegen sind darin 39 Prozent Bioabfälle und 27 Prozent Wertstoffe wie Altpapier, Kunststoffe oder auch Elektrogeräte zu finden. Umweltverbände kritisieren das Chaos. Dabei muss laut Kreislaufwirtschaftsgesetz bereits seit 2015 Bioabfall in den Kommunen getrennt gesammelt werden.

Umweltverbände: Mehr Biotonnen braucht das Land

Tatsächlich aber verweigern sich viele Kreise noch immer, und wir haben einen Flickenteppich, es fehlt an Kontrolle und Vollzug seitens der verantwortlichen Bundesländer.
Michael Jedelhauser, Referent beim Nabu

Das kritisiert Michael Jedelhauser, Referent für Kreislaufwirtschaft beim Nabu. Nach DUH-Recherchen wird der Bioabfall in 19 Landkreisen und kreisfreien Städten noch immer nicht getrennt gesammelt. In vielen weiteren Kommunen müssen die Bürger ihren Bioabfall zu Wertstoffhöfen oder Sammelbehältern im öffentlichen Raum bringen.

In die Tonne - aber richtig!

Laut Nabu und DUH fallen dort pro Bürger jährlich nur vier bis fünf Kilogramm Bioabfälle an. "Das ist absurd wenig", sagt Jedelhauser und verweist auf Analysen in Gegenden, in denen die haushaltsnahe Biotonne Pflicht ist: Dort kommen Pro-Kopf-Sammelmengen von 80 bis 100 Kilogramm zusammen. Die Umweltverbände fordern deshalb bundesweit eine Biotonnenpflicht für alle Haushalte. Die Entsorger müssten diese generell abholen - und zudem Verbraucher besser aufklären, um Müll-Fehlwürfe zu vermeiden.

Nabu für Recycling statt globaler Exporte

Die aktuelle UBA-Analyse legt zudem nahe, dass die Entsorgungsbetriebe deutschlandweit auch Kunststoffe direkt bei den Haushalten abholen sollten. Denn überall, wo die Bürger Leichtverpackungen zu Wertstoffinseln oder Recyclinghöfen bringen müssen, ist der Anteil dieser Materialien im Restmüll sehr hoch.

Insgesamt landen in Deutschland etwa 700.000 Tonnen Plastik in der Restmülltonne und werden verbrannt statt recycelt. 

Zu viele Gewerbeabfälle verbrannt oder illegal exportiert

Der Nabu lenkt den Blick auch auf Gewerbe und Industrie. Dort stecke das Recycling noch "in den Kinderschuhen". Es sei schwer zu vermitteln, "warum in Privathaushalten Abfälle sauber getrennt werden müssen, während gleichzeitig Gewerbe und Baustellen Abfallstoffe gemischt sammeln können" und diese teils über dubiose Zwischenhändler in Entwicklungsländer exportiert werden, wo sie immensen ökologischen Schaden anrichten.

Der Export gemischter Abfälle in Länder außerhalb der EU müsse deshalb verboten und regionale Recyclingstrukturen in Deutschland gestärkt werden, fordern die Umweltverbände.

ZDFzoom-Doku: Was läuft schief beim Recycling?

Beitragslänge:
28 min
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