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Mehr Nachlassverwalter gesucht - Wenn keiner das Erbe will

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Immer mehr Erben werden ausgeschlagen, immer mehr Arbeit also für Nachlassverwalter. Woran das liegt und was das für Auswirkungen hat.

Archiv: Ein Testament wird geschrieben (Illustrationsfoto vom 19.08.2005).
Ein Testament liegt vor, doch die Erben wollten es nicht annehmen: Jetzt kommt der Staat ins Spiel.
Quelle: dpa

Für Helga Schmidt war es ein Schock, als sie vom Tod ihres Mieters hörte. Der Mann hatte mehr als 20 Jahre in einer kleinen Mietwohnung ihres Hauses gewohnt. "Wir kannten uns lange. Über eine solche Zeit baut man einen persönlichen Kontakt auf", so die Vermieterin.

Sie informierte unverzüglich die Tochter des Verstorbenen. Schließlich muss jemand, wie es so schön heißt, die Dinge regeln.

Tochter schlägt das Erbe aus

Einige Tage später sagte die Tochter, sie habe die Wohnung des Vaters (zu der sie einen Schlüssel hat) besichtigt und werde das Erbe ausschlagen - zu viel Aufwand, nichts zu holen.

Der Beginn eines aus Vermietersicht zermürbenden Prozesses: Rund sechs Monate zog es sich, bis das Nachlassgericht schließlich alle Erben, die infrage kamen, ausfindig gemacht hatte und alle das Erbe ausgeschlagen hatten.

Schließlich bestellte das Nachlassgericht, wie in solchen Fällen üblich, einen Nachlasspfleger. Der wiederum sichtete die Wohnung des Verstorbenen, entdeckte bis auf ein kleines Sparbuch keinerlei Wertgegenstände und gab die Wohnung frei.

Bitter für die Vermieterin: "Ich durfte letztlich auf eigene Kosten die Wohnung auflösen, hatte sechs Monate keine Mieteinnahmen und musste die laufenden Kosten tragen." Plus die Renovierung.

Häufigster Grund ein Erbe auszuschlagen: Überschuldung

Natürlich kann man sich im ersten Moment fragen, ob das Ausschlagen des Erbes durch die Tochter herzlos sein könnte. Schließlich (könnte man behaupten) hätte sie sich zu Ehren ihres Vaters darum kümmern können. Was jedoch maximal eine moralische Frage ist. Denn rechtlich war sie auf der sicheren Seite. Und wer weiß, was zwischen Tochter und Vater vorgefallen ist, dass ihr gute Gründe gibt, sich nicht mit dem Nachlass beschäftigen zu wollen.

schild "geschlossene gesellschaft"

Trauermahl oder Leichenschmaus -
"Da fallen Trauer und Humor zusammen"
 

Manchmal ist die Stimmung gedrückt, gelegentlich geht es hoch her. Der Trauerkaffee oder Leichenschmaus nach der Beerdigung hilft vielen bei der Bewältigung des Verlustes.

"Abwicklungspflegschaften" nennen Nachlasspfleger einen solchen Vorgang. Überschuldung ist das Schlüsselwort. Und da muss man nicht gleich an Hunderttausende Euro denken. "Wenn nur 1.000 Euro auf einem Konto sind und es auch sonst keine Werte gibt, dann ist ein Nachlass ja bereits überschuldet, wenn die Auflösung der Wohnung und die verbliebenen Rechnungen des Verstorbenen diese 1.000 Euro übersteigen", sagt Falk Schulz, Vorstand beim Bund Deutscher Nachlasspfleger (BDN).

Ohne Erbe keine Wohnungsräumung

Bei einem Großteil von Nachlasspflegschaften geht es mittlerweile um Überschuldung. "In den letzten 20 Jahren sind die Fallzahlen nach meinem Eindruck gestiegen", sagt Falk Schulz. Zwar gibt es keine konkreten Statistiken dazu, aber auch Vermieter haben ein steigendes Informationsbedürfnis in Sachen Nachlasspflegschaft:

"In der Tendenz nimmt das schon zu", sagt Christian Kretz, Leiter der Rechtsabteilung bei Haus & Grund in Dortmund.

Wir erhalten zahlreiche Nachfragen zu dem Thema von betroffenen Mitgliedern während unserer Rechtsberatung.
Christian Kretz, Rechtsanwalt

Denn: Selbst bei monatelangen Leerständen begeben sich Vermieter rechtlich auf dünnes Eis, wenn sie einfach so in die Wohnung eines verstorbenen Mieters gehen oder diese sogar auflösen.

Gerichte an Kapazitätsgrenzen

Ein Nadelöhr sind die Nachlassgerichte in Deutschland. "Normalerweise ist das Gericht gehalten, kurzfristig zu entscheiden und nicht erst darauf zu warten, bis alles ausermittelt ist", sagt Falk Schulz vom BDN. Angesichts hoher Arbeitsbelastung seien die Gerichte aber ebenso froh über jede Akte, die gerade nicht auf dem Tisch liege. "Hausverwaltungen haben sich mittlerweile darauf eingestellt, dass sie entsprechend Druck machen."

Theo Fitsos ist DJ in Düsseldorf und spielt auf Friedhöfen, statt in Clubs aufzulegen.

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1 min
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Wer das Erbe ausschlägt, geht am Ende auch dann leer aus, wenn später doch überraschend ein Vermögen auftauchen sollte, erklärt Jan Bittler, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge.

Man kann als Erbe durchaus zunächst annehmen und den Nachlass erst einmal sichten.
Jan Bittler, Experte für Erbrecht

Stelle sich in diesem Zuge dann eine Überschuldung heraus, gebe es noch die Möglichkeit, eine Insolvenz für den Nachlass zu beantragen. Bei einem Insolvenzgericht – dies dann allerdings "unverzüglich".

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