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Wundermittel oder Geldverschwendung?

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Der Boom der Gesundheitspillen - Wundermittel oder Geldverschwendung?

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In der Hoffnung, ihrem Körper Gutes zu tun, schlucken Millionen Deutsche Nahrungsergänzungsmittel. Die Pillen sind überflüssig und nutzlos, sagt die Verbraucherzentrale NRW.

Pillen auf einem Löffel
Nahrungsergänzungsmittel scheinen bei vielen Deutschen beliebt zu sein.
Quelle: picture alliance/chromorange

Pillen, Pulver und Dragees, Kapseln und Säfte - jedes Jahr geben die Deutschen mehr als eine Milliarde Euro für Nahrungsergänzungsmittel aus. Die darin enthaltenen Vitamine und Spurenelemente gehören zu den "essenziellen Stoffen", zu den Substanzen, die der Körper dringend benötigt, aber nicht selbst herstellen kann. Der Mensch nimmt sie normalerweise mit der Nahrung zu sich.

Nutzlose Vitaminpräparate

Kritiker warnen allerdings vor dem bedenkenlosen Umgang mit den Gesundheitspillen. Sie helfen nur dem Hersteller, heißt es. Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW glaubt, dass die meisten Präparate überflüssig sind:

Nahrungsergänzungsmittel werden vielfach wegen eines schlechten Gewissens genommen. Ich esse schlecht, also muss ich irgendetwas tun.

Viele Verbraucher schlucken dann, was die Produktpalette hergibt: Vitamine und Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren, Ballaststoffe und Pflanzenextrakte. Das Gießkannenprinzip aber, sagt Verbraucherschützerin Clausen, bringe überhaupt nichts.

Wenn tatsächlich ein Mangel im Körper vorliegt, kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln aber durchaus Sinn machen. Sportarzt Dr. Matthias Marquardt hat sich auf orthomolekulare Medizin spezialisiert und untersucht Stoffwechsel und Vitaminversorgung seiner Patienten. "Immer mehr Menschen sind Vegetarier oder Veganer, viele ernähren sich einseitig, weil sie Stress haben und in der Kantine essen. Da kommt es schnell zu Mangelerscheinungen", sagt Marquardt. Diese Lücken kann man gezielt schließen.

Schwierige Kontrollen

Der Markt der Nahrungsergänzungsmittel wächst. Jeder dritte Deutsche greift bereits zu den Gesundheitspillen - und bestellt auch Präparate aus dem Internet. Das kann gefährlich sein: Nahrungsergänzungsmittel zählen rechtlich zu den Lebensmitteln, strenge Zulassungsverfahren wie bei Arzneimitteln gibt es nicht. Der Hersteller muss nur die Inhaltsstoffe auf der Packung ausweisen. Ob wirklich das drin ist, was draufsteht, ist in erster Linie eine Glaubenssache. Zwar gibt es staatliche Kontrollen, aber das sind nur Stichproben. Bei Herstellern aus dem Ausland sind Kontrollen noch schwieriger.

Wie gesund oder schädlich sind die Nahrungsergänzungsmittel für Sportler?

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"Eine flächendeckende Untersuchung der auf dem Markt befindlichen Nahrungsergänzungsmittel ist gar nicht möglich, denn dazu ist das Produktsegment viel zu vielfältig", sagt Lebensmittelchemiker Christian Struck. Struck arbeitet beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe und kontrolliert die Gesundheitspräparate. In Nordrhein-Westfalen werden fünf Proben pro 1.000 Einwohner untersucht - ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Mängelliste der Kontrolleure

Die Beanstandungsquoten sind recht hoch. "38 Prozent aller 2019 untersuchten Präparate entsprachen nicht den Bestimmungen", sagt Kontrolleur Struck. Mal versprach das Präparat eine Heilung, ein anderes Mal stimmte die Konzentration der Stoffe nicht. Das kann für den Verbraucher gefährlich sein. Struck warnt vor drei Produktgruppen:

Das sind Abnehm-Produkte, Potenzmittel und Mittel speziell für Sportler. Ein Verbraucher kann aufgrund der Kennzeichnung gar nicht erkennen, dass da giftige Stoffe drin sind.

Ob ein Gesundheitspräparat also Sinn macht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ein sensibler Umgang mit den Gesundheitspillen ist allemal anzuraten.

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