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Ist Extra-Urlaub für Nichtraucher rechtens?

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"Ausgleich für Zigarettenpausen" - Ist Extra-Urlaub für Nichtraucher rechtens?

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Ein Gastwirt aus Rheinland-Pfalz gibt seinen nichtrauchenden Mitarbeitern fünf Tage mehr Urlaub im Jahr. Darf er das? Ein Rechtsexperte hält die Regelung für juristisch angreifbar.

Krankenkassen sollen die Rauchentwöhnung bezahlen. Archivbild
Fünf Tage Extra-Urlaub für Nichtraucher - ist das rechtens? Archivbild
Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

"Ich war noch nie so entspannt", sagt Helmut Glas, Geschäftsführer des Landgasthofs "Jägerstübchen" in Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz). Seine Idee, Nichtrauchern fünf Tage mehr Urlaub zu geben, hätte endlich für "Burgfrieden" im Betrieb gesorgt - während es früher "kriegsähnliche Zustände" gegeben habe, weil sich Nichtraucher über häufige Zigarettenpausen der Raucher beschwerten, erklärt er im Gespräch mit ZDFheute.

Sieben seiner insgesamt zwölf Mitarbeiter seien Nichtraucher. Die würden sich nun freuen, dass sie eine ganze Woche mehr Urlaub hätten. Und die Raucher seien zufrieden, weil niemand mehr über Raucherpausen meckert. "Ich hab' beide Seiten glücklich gemacht", so Glas.

Durch Raucherpausen gehen pro Jahr 5 - 15 Arbeitstage verloren

Küchenchef Steffen Grüning hat deshalb sogar extra das Rauchen aufgegeben - nach 15 Jahren. "Der Mehrurlaub war die entscheidende Motivation", sagt er. Zuvor überstand eine Schachtel Zigaretten bei ihm selten mehr als zwei Tage. "Die Initiative ist auf jeden Fall gut fürs Betriebsklima", meint der 32-Jährige. Nun wollen auch noch zwei weitere Mitarbeiter endgültig mit dem Rauchen aufhören, freut sich Glas.

So mancher liebt die 5-minütige Zigarettenpause am Arbeitsplatz. Ein Unternehmen in den USA will nicht nur das verbieten, sondern rauchende Bewerber gar nicht erst aufnehmen.

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Die fünf Tage haben sich aus einer einfachen Rechnung ergeben: "Ich hab meine Raucher gefragt, wie viel Zeit sie am Tag verrauchen", erklärt Glas. Die meisten antworteten, dass sie zwischen 20 und 30 Minuten Raucherpause machen.

Das hab ich aufs Jahr hochgerechnet und kam auf 8 - 15 Arbeitstage, die sich in Rauch auflösen. Also hab ich als Angebot fünf Tage Ausgleichsurlaub für Nichtraucher in den Ring geworfen.
Helmut Glas, Geschäftsführer des Landgasthofs "Jägerstübchen"

Einer 2009 vom Deutschen Krebsforschungszentrum veröffentlichten Studie der Universität Hamburg zufolge kosteten die Rauchpausen deutsche Unternehmen im Jahr mehr als 28 Milliarden Euro.

Auch Unternehmen in anderen Ländern bieten Extra-Urlaub für Nichtraucher

Das Jägerstübchen ist - zumindest international - kein Einzelfall. Das japanische Unternehmen Piala Inc. bot schon 2017 Nichtrauchern ebenfalls sechs Tage extra Urlaub an. Der Geschäftsführer Takao Asuka will ausgerechnet haben, dass die Rauchpausen insgesamt ungefähr sechs Tage zusätzlichen Urlaub ausmachen würden. Vier Tage Extra-Urlaub für Nichtraucher bietet die britische Arbeitsvermittlungsfirma "KCJ Training and Employment Solutions" an.

In Deutschland zumindest sind solche Regelungen juristisch angreifbar, sagt der Hamburger Professor Michael Fuhlrott, Fachanwalt für Arbeitsrecht: "Rauchen ist Privatsache. Im Arbeitsrecht gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz", erklärt er. Daher dürfe der Arbeitgeber Raucher und Nichtraucher nicht unterschiedlich behandeln, jedenfalls nicht ohne sachlichen Grund.

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Experte: Regelung ist juristisch angreifbar

"Ein sachlicher Grund könnte aber darin liegen, dass Raucher häufiger als Nicht-Raucher Pausen von der Arbeit einlegen." Den Zeitausfall könne man zwar durch Extra-Urlaub kompensieren - aber das biete viel Gelegenheit für Streitfälle: "Beispielsweise, ob 5 Tage Zusatzurlaub im Jahr eine angemessene Kompensation darstellen." Fuhlrott gibt zu bedenken:

Auch wird es womöglich Wenigraucher und Kettenraucher geben, die ihrerseits verschieden häufig bezahlte Pausen einlegen. Und vielleicht gibt es auch Nichtraucher, die besonders häufig Kaffeepausen einlegen.
Michael Fuhlrott, Fachanwalt für Arbeitsrecht

Daher sei auch diese Unterscheidung und der sachliche Grund angreifbar. In großen Unternehmen ließe sich eine solche Regelung kaum etablieren.

Helmut Glas kann das egal sein. Seine Mitarbeiter sind sich einig, niemand würde vor Gericht gegen seine Idee klagen. "Wenn auch nur ein Mitarbeiter dagegen gewesen wäre, hätte ich das nicht eingeführt", sagt er.

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