Sängerin Nicole: Tour-Auftakt "Ich bin zurück"

    Interview

    Tour-Auftakt "Ich bin zurück":Nicole feiert Comeback nach Krebserkrankung

    |

    Vor zwei Jahren erhielt die Sängerin Nicole die Diagnose Brustkrebs. Ihre Comeback-Tour startet in Pirmasens, wo das ZDF-Team Saarbrücken sie zum Interview getroffen hat.

    Albumveröffentlichung - "Ich bin zurück" von Nicole
    Albumveröffentlichung - "Ich bin zurück" von Nicole
    Quelle: Telamo /dpa

    Weiße Gitarre, schwarzes Kleid, schüchterner Blick: So gewann Nicole 1982 mit gerade einmal 17 Jahren die Eurovision, damals noch Grand Prix genannt. Seitdem ist die Schlagersängerin fester Bestandteil der deutschen Musikszene. Ihre Hits wie "Flieg' nicht so hoch mein kleiner Freund", "Mit dir vielleicht" und natürlich "Ein bisschen Frieden" sind zu Klassikern geworden.

    Schockdiagnose: Brustkrebs

    2020 erhielt die Saarländerin die Diagnose Brustkrebs. Sie verbarg die Krankheit vor der Öffentlichkeit, feiert erst dieses Jahr ihre Rückkehr auf die Bühne.
    ZDF: Nicole, wie fühlt es sich an, wieder auf der Bühne zu stehen?
    Nicole: Herrlich! Also wenn man zwei Jahre eingesperrt war, nicht nur wegen Corona, auch wegen der Krankheit, dann kommt man sich vor wie im Gefängnis. Und als ich dann irgendwann nach fast zwei Jahren grünes Licht bekam von den Ärzten, als ich wusste, dass ich den Gipfel erreicht habe, da war klar:

    Ich will wieder auf die Bühne, denn mit dieser Krankheit abdanken, das wollte ich nicht.

    Nicole, Grand-Prix-Gewinnerin 1982

    Es war eine lange Durststrecke, aber es ist schön, die vielen Gesichter wieder zu sehen, die man doch über viele, viele Jahre bei den Konzerten sieht. Es war sofort eine Vertrautheit da, und die Fans haben auf mich gewartet. Sie haben das so herbeigesehnt, und das ist einfach ein toller Glücksmoment.
    ZDF: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Diagnose Brustkrebs erhalten haben?
    Nicole: Man denkt: "Ich doch nicht." Das ist das Erste. Man kann es eigentlich gar nicht glauben, aber im nächsten Moment wird man sich bewusst. Und dann zieht dir jemand den Boden unter den Füßen weg und du fällst, fällst, fällst. Und du hoffst, dass irgendjemand dir die Hand reicht, dich aus dem Loch herauszieht.
    Dein Leben läuft in Zeitlupe vor dir ab - alle schönen Momente, die du schon erlebt hast. Und du fragst dich, ob du solche Momente noch erleben darfst. Man weiß es nicht. Man muss abwarten, wie sich das entwickelt. Und dann kann man eigentlich nur hoffen, dass der liebe Gott eine zweite Chance gibt.

    Vorsorge und Selbstabtasten
    :Brustkrebs erkennen - was wichtig ist

    70.000 Frauen in Deutschland erkranken pro Jahr an Brustkrebs, viele können geheilt werden. Wichtig ist, Tumore früh zu erkennen. Wie sich Brustkrebs anfühlt, worauf zu achten ist.
    von Christina-Maria Pfersdorf
    Typical: Abtasten der Brust
    mit Video
    ZDF: Was hat sich durch die Krankheit bei Ihnen verändert?
    Nicole: Mir hat mal ein Arzt gesagt: "Sehen Sie es als Chance. Sehen Sie diese Krankheit als Chance. Sie werden danach wie Phönix aus der Asche wie neu geboren sein. Sie werden viele Dinge im Leben ganz anders sehen als vorher. Sie werden für sich entscheiden, was für Sie wichtig ist, was Ihnen guttut. Und Sie werden jeden Tag bewusster erleben." Und er hatte Recht.

    Ich genieße jeden Tag und schaue positiv nach vorne.

    Nicole, Sängerin

    Ich bin sowieso immer ein positiv denkender Mensch gewesen. Aber ich tue jetzt auch mal Dinge für mich, die ich vorher vielleicht nicht gemacht hätte. Ich denke jetzt mehr an mich und erlebe die Dinge bewusst. Ich genieße jeden Augenblick und nehme mir auch öfter mal eine Auszeit, lade Freunde ein und reise mehr. Ich nehme mir Zeit für Dinge, die ich früher immer aufgeschoben habe. Das wird jetzt einfach gemacht. Weil ich es will und weil ich es kann.

    Schulterklopfer brauche ich nicht, sondern ich entscheide, was wichtig ist für mich, und das bin in erster Linie ich.

    Nicole, Sängerin

    ZDF: Auf dem neuem Album "Ich bin zurück" singen Sie "Ein bisschen Frieden" auf Russisch. Was steckt dahinter?
    Nicole: Die aktuelle politische Lage fühlt sich wie ein Déjà-vu an. "Ein bisschen Frieden" war 1982, zur Zeit der Aufrüstung, zur Zeit des Kalten Krieges. Da wünschten sich die Menschen auch nichts sehnlicher als Frieden auf der Welt. Krieg hat es immer gegeben, wird es auch wahrscheinlich immer geben, mal mehr, mal weniger. Aber irgendwo auf der Welt ist immer irgendwo Krieg. Ich habe gesehen, wie sich die Sache da entwickelt, in der Ukraine und in Russland. Das sind Menschen, die wollen ja gar nicht sterben. Die wollen auch nicht kämpfen. Die werden gezwungen. Mütter müssen ihre Söhne ziehen lassen und werden vertrieben, und viele werden auch umgebracht.
    Quelle: pa/dpa-Bildfunk

    Und da dachte ich: "Mein Gott, wie kannst du diesen Menschen das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind?" Und da kam mir der Gedanke: Warum nicht auf Russisch? Ich habe "Ein bisschen Frieden" mittlerweile in sieben Sprachen gesungen, und es war mir wichtiger denn je, jetzt noch mal ein Zeichen zu setzen, jetzt auf Russisch.  Das verstehen die Russen, aber auch die Ukrainer.
    ZDF: Nervt es Sie manchmal, dass Sie immer mit "Ein bisschen Frieden" verbunden werden?
    Nicole: Ganz im Gegenteil.

    Dieses Lied gehört untrennbar zu mir.

    Nicole, Grand-Prix-Gewinnerin

    Das ist wie "Er gehört zu mir" von Marianne Rosenberg oder "Über den Wolken" von Reinhard Mey. Wenn man das Lied beim Konzert nicht spielt, sind die Leute enttäuscht. Es ist doch etwas anderes, ob du was im Radio hörst oder ob du hautnah dabei bist. Und du siehst die Gestik. Du siehst, du hörst jeden Kiekser, jeden Atem und du bist dabei. Und das kann man nicht beschreiben. Dieter Thomas Heck [ehem. „Hitparade"-Moderator] hat immer gesagt, "Nicole, dieses Lied wird eine ewig klingende Visitenkarte von dir bleiben". Besser kann man es gar nicht treffen. Das Lied ist ein Jahrhundertlied. Das passiert einem im Leben einmal.
    Da bin ich dankbar dafür. Wenn der Name Nicole fällt, denkt man "Ein bisschen Frieden". Wenn man "Ein bisschen Frieden" hört, sieht man Nicole. Das ist einfach so. Und wie viele Kollegen gibt es denn, die nicht anhand eines einzigen Liedes identifiziert werden können? Da muss man doch stolz sein. Und wenn so ein Lied mit dieser Botschaft seine Aktualität nicht verliert, dann werde ich auch nicht müde, dieses Lied zu singen.

    ZDF: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
    Nicole: Ich mache gar keine Pläne. Ich lebe jeden Tag neu. Die letzten zwei Jahre haben mir gezeigt: Das, was du planst, wird nicht unbedingt Wirklichkeit. Sondern es gibt manchmal Dinge, die passieren im Leben. Und die werfen dich aus der Bahn. Und die bringen deine Pläne völlig durcheinander. Und ich bin so weit, dass ich sage, ich lebe jeden Tag neu und bin dankbar für alles, was das Leben noch für mich bereithält. Und das will ich in vollen Zügen genießen. Und ich lasse mich nicht mehr unter Druck setzen, sondern habe eine gewisse Leichtigkeit in mir.
    Das Interview führte Claudia Oberst.

    Mehr zum Thema