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Französische Schriftstellerin : Literatur-Nobelpreis geht an Annie Ernaux

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Sie selbst bezeichnete sich einmal als "Ethnologin ihrer selbst": Die Französin Annie Ernaux erhält den diesjährigen Nobelpreis für Literatur.

Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und sozialen Gruppen sind die Themen der 82-jährigen Französin. Ihr Werk sei kompromisslos, ihre Sprache sauber und klar, so das Komitee.

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Die französische Schriftstellerin Annie Ernaux wird in diesem Jahr mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Das gab die für die renommierte Auszeichnung zuständige Schwedische Akademie an diesem Donnerstag in Stockholm bekannt.

Jury lobt "klinische Schärfe" Ernauxs

Die 82-Jährige bekomme den Preis "für den Mut und die klinische Schärfe, mit der sie die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Beschränkungen der persönlichen Erinnerung aufdeckt", sagte der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm, bei der Preisbekanntgabe.

Ernaux gilt als eine der bedeutendsten französischen Schriftstellerinnen der Gegenwart, ihr Werk ist stark autobiografisch inspiriert. Ihre Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, auf Deutsch erschienen unter anderem "Die Jahre", "Erinnerungen eines Mädchens" und "Das Ereignis". In ihrem Werk seziert Ernaux die Erfahrungen von Mädchen und Frauen in der französischen Gesellschaft seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Seit über vier Jahrzehnten schreibt Annie Ernaux Bücher - über sich und ihre Herkunft. Dabei blickt sie nicht nur radikal auf ihr eigenes Leben, sondern reflektiert schnörkellos die Zeit und Gesellschaft, in die sie hineingeboren wurde.

In diesem Jahr stellte sie zudem bei den Filmfestspielen von Cannes ihre autobiografische Dokumentation "The Super 8 Years" vor.

In Deutschland wird sie von Kritikern als Meisterin des Autofiktionalen gefeiert oder sogar als weiblicher Proust. Sie selbst bezeichnete sich einmal als "Ethnologin ihrer selbst".

Literaturkritikerin Sandra Kegel zum Nobelpreis für Annie Ernaux.

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Ihre Bücher schaffen es regelmäßig auf deutsche Bestsellerlisten. Eines ihrer jüngsten auch in Deutschland erschienenen Werke trägt den Titel "Das Ereignis". Das fast autobiografische Buch handelt von den fast schon grausamen Versuchen der Autorin abzutreiben, in einer Zeit, in der die Abtreibung noch als unmoralisch und kriminell betrachtet wurde. Verfilmt wurde die Geschichte von Audrey Diwan, die dafür im vergangenen Jahr den Goldenen Löwen des Filmfestivals von Venedig erhielt.

Die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken über "Das Ereignis" von Annie Ernaux: "Ein paradoxes, subtiles Werk über Abtreibung"

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Ernaux wurde 1940 in Lillebonne in der Normandie geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Ihr Vater verdiente den Lebensunterhalt als einfacher Arbeiter. Nach dem Studium der Neueren Literatur wurde sie Gymnasiallehrern. 1974 erschien ihr erster Roman "Les armoires vides" ("Die leeren Schränke").

Zu ihren erfolgreichsten Büchern gehört "Les années" ("Die Jahre") aus dem Jahr 2008. Das Werk ist eine Rückschau auf 60 Jahre ihres Lebens, ein Blick auf eine Frau, die sich verändert - zusammen mit der Welt. Ihr Erzählstil ist neutral, distanziert. Sie selbst bezeichnet ihn als objektiven Stil, der die erzählten Tatsachen weder auf- noch abwertet.

Nun erhält Ernaux den Nobelpreis für Literatur, der als die prestigeträchtigste literarische Auszeichnung der Welt gilt. Bislang wurden 16 Frauen damit ausgezeichnet. 

2021 wurde Gurnah ausgezeichnet

Im vergangenen Jahr erhielt der tansanisch-britische Schriftsteller Abdulrazak Gurnah die mit zehn Millionen schwedischer Kronen und damit aktuell rund 920.000 Euro dotierte Literaturauszeichnung.

Diese Namen waren auch im Gespräch

Auf der sogenannten Longlist für den Preis standen in diesem Jahr 233 Kandidaten - welche Namen darunter sind, wird alljährlich streng geheim gehalten. Zu den Favoriten zählten in diesem Jahr der französische Schriftsteller Michel Houellebecq, die Kanadierin Margaret Atwood, Haruki Murakami aus Japan und der indisch-britische Autor Salman Rushdie, der Anfang August bei einem Attentat schwer verletzt wurde.

Die Preisgala findet traditionell am 10. Dezember in Schwedens Hauptstadt Stockholm statt, dem Todestag Nobels. Aufgrund der Corona-Pandemie erhielten die Ausgezeichneten im vergangenen Jahr ihre Preise im Heimatland überreicht, in Stockholm fand eine reduzierte Zeremonie statt. 2020 war sie ganz abgesagt worden.

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