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Nobelpreisträger Hasselmann : Menschengemachten Klimawandel früh erkannt

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Der Physik-Nobelpreis geht dieses Jahr unter anderem an den deutschen Klimaforscher Klaus Hasselmann. Schon früh erkannte er anhand von Modellen die menschengemachte Erderwärmung.

Als der Klimaforscher Klaus Hasselmann vor gut 25 Jahren aus seinem Labor in die Öffentlichkeit trat, hatte das einen ganz weltlichen Effekt: "Plötzlich wusste der Friseur, wer ich war", erinnerte sich Hasselmann zu Jahresbeginn in der "Welt am Sonntag".

Die Erkenntnisse zum Klimawandel, die Hasselmann Mitte der 90er Jahre öffentlich gemacht hatte und die ihm vorübergehend Bekanntheit bis zu seinem Friseur bescherten, brachten ihm nun den Nobelpreis der Physik.

Hasselmann wies menschengemachte Erderwärmung nach

Der 89 Jahre alte Hamburger gilt als eher öffentlichkeitsscheu. Dabei steht er für einen Paradigmenwechsel in der öffentlichen Wahrnehmung des Klimas, wie es nur wenige gab. Hasselmann entwickelte einen Nachweis für die vom Menschen gemachte Erderwärmung - eine Erkenntnis, die Mitte der 90er Jahre nur als starkes Gefühl vorhanden war und seit Hasselmanns Veröffentlichung immer weiter untermauert wurde.

Die Nachricht vom Nobelpreis habe ihn völlig überrascht, sagte Hasselmann dem ZDF. Er hoffe, dass man sich dadurch klarmache, dass man es hier mit einem langfristigen Problem zu tun hat:

Ich hoffe, dass die Klimaforschung auf diese Weise noch etwas mehr ins Bewusstsein der Menschen und der Politik kommt.
Klaus Hasselmann

Vom Schiffbau zur Klimaforschung

Hasselmann kam am 25. Oktober 1931 in Hamburg zur Welt, wuchs aber in England auf. Mit 18 Jahren kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Dort und in Göttingen studierte er Physik und Mathematik, 1957 promovierte Hasselmann. Zunächst arbeitete er im Bereich Schiffbau, hier lehrte er Anfang der 60er Jahre in San Diego, USA. Nach dem Schiffbau widmete er sich der Ozeanografie, dies außer in Hamburg ebenfalls in den USA.

1975 wurde Hasselmann Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg und prägte hier die moderne Klimaforschung, wie sein Forscher-Kollege Hans von Storch in der "Welt am Sonntag" hervorhob:

Klaus Hasselmann hat unterschiedliche Fächer wie Ozeanografie, Meteorologie und Geologie zur modernen Klimaforschung zusammengeführt, als Erster in Deutschland, auch das ist sein Verdienst.
Hans von Storch

Ende der 70er Jahre noch missverstanden

Der Überblick über die verschiedenen Fachgebiete half Hasselmann. So gelangen ihm Nachweise und Zuordnungen von Klimaeffekten durch statistische Messmethoden aus der Mathematik. Dabei sei der Zugang zur damals noch kleinen Gemeinschaft der Klimaforscher in den 70er Jahren für ihn nicht einfach gewesen, er habe gar nicht die Geräte in den Messstationen gekannt. "Andererseits hat mir der Blick von außen geholfen - ich habe Zugänge gefunden, um einige Probleme des Klimas zu beantworten."

Schon 1979 veröffentlichte Hasselmann seine Methode vom menschlichen Fingerabdruck. Das machte er aber mit wissenschaftlich abgehobenen Gedankengängen, die schwer nachvollziehbar waren. Erst einige Jahre später, 1993, schrieb Hasselmann seine Arbeit um - plötzlich verstanden sie auch andere Forscher und konnten so mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent nachweisen, dass die Erderwärmung nicht mehr durch natürliche Schwankungen zu erklären ist.

Klimawandel in den 80er Jahren vorausgesagt

Stichworte wie Treibhauseffekt oder Ozonloch sind mit Forschungserkenntnissen von Hasselmann verbunden. Sein Wissen führte ihn auch schon früh zu Zukunftsprognosen, die sich längst bewahrheiteten. So sagte er 1988 den "Stuttgarter Nachrichten": "In 30 bis 100 Jahren, je nachdem, wie viel fossiles Brennmaterial wir verbrauchen, wird auf uns eine ganz erhebliche Klimaänderung zukommen." Klimazonen würden sich verschieben, Niederschläge anders verteilen - eine Vorhersage, die mittlerweile viele Menschen am eigenen Leib erfahren.

Hasselmann mahnte damals noch erfolglos: "Wir müssen vor allem versuchen, mit Öl und Kohle sparsam umzugehen, denn das Kohlendioxid ist wesentlich an der Treibhauswirkung schuld." Wenn der mit einer Mathematikerin verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern jetzt mit dem Nobelpreis wieder so oft wie Mitte der 90er Jahre auf seine Erkenntnisse angesprochen wird, dürfte mancher ihm sagen: Hätten wir nur früher auf Sie gehört.

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