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Eizell-Entnahme in Kenia - Die Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns

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Das Nördliche Breitmaulnashorn ist fast ausgestorben. Aber noch gibt es Hoffnung: Deutsche Forscher könnten mit einer aufwendigen Prozedur dazu beitragen, die Unterart zu retten.

Nördliches Breitmaulnashorn
Nördliche Breitmaulnashörner: Fatu und ihre Mutter Najin sind die letzten ihrer Unterart. 
Quelle: dpa

Ein langgezogenes Stöhnen ist mehrere Minuten lang aus der Ecke des Geheges zu hören. Fatu, ein 1,8 Tonnen schweres Nördliches Breitmaulnashorn, bekommt eine Vollnarkose. Das Weibchen sinkt auf den Boden, umringt von deutschen und kenianischen Tierärzten, die die Sauerstoffwerte und den Puls des Tieres prüfen.

Es darf nichts schief gehen, denn Fatu und ihre Mutter Najin sind die letzten ihrer Unterart. Die beiden Tiere leben seit 2009 im Ol Pejeta-Schutzgebiet am Fuße des Mount Kenya und werden von bewaffneten Rangern bewacht.

Künstliche Befruchtung in einem Labor in Italien

Seit einiger Zeit ist Fatu Hoffnungsträgerin. Unter Federführung von Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung versucht ein internationales Konsortium, das Aussterben des Nördlichen Breitmaulnashorns zu verhindern.

Wenn wir das Nördliche Breitmaulnashorn retten, retten wir direkt und indirekt hunderte von anderen Arten, die mit diesem Tier in engster Verbindung stehen.
Thomas Hildebrandt, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Das Nördliche Breitmaulnashorn erfülle als Schlüsseltier etliche Funktionen im Ökosystem - etwa als Samenverteiler für viele Pflanzen, sagt Hildebrandt. In mehrmonatigen Abständen entnimmt sein Team Fatu Eizellen, die in einem Labor in Italien mit dem Sperma verstorbener Männchen befruchtet werden. So wurden bisher zwölf Embryos des Nördlichen Breitmaulnashorns erzeugt, alle Eizellen stammen von Fatu.

Forscher Thomas Hildebrandt untersucht ein Nördliches Breitmaulnashorn.
Forscher Thomas Hildebrandt untersucht ein Nördliches Breitmaulnashorn.
Quelle: dpa

Aufwändige Eizell-Entnahme

Die Embryonen sollen einer Leihmutter der verwandten Unterart des Südlichen Breitmaulnashorns eingepflanzt werden. Fatu selbst hat Zysten am Uterus. Die Eizell-Entnahme ist Präzisionsarbeit. Mit 500 Kilogramm Gepäck reist das Team gewöhnlich aus Berlin an - mit einer eigens für den Eingriff entwickelten gigantischen Ultraschallsonde.

Anästhesist Frank Göritz ist für die Narkose zuständig. Sobald das Tier betäubt ist, kniet sich Zootiermediziner Robert Hermes hinter das Tier und entleert Fatus Darm mit warmem Wasser. Dann führt er die Sonde ein, mit der Hildebrandt die Eierstöcke punktiert. Seine Kollegin Susanne Holtze bedient eine Handpumpe, mit der sie eine rote Flüssigkeit, in der die wertvollen Eizellen schwimmen, in eine Flasche pumpt. Diese wird sofort in einen nahegelegen Wellblech-Container gebracht und gekühlt.

Gejagt oder an Zoos verkauft

Überwacht wird die gesamte Prozedur vom Kenya Wildlife Service, der seit 2009 für das Wohl der im Land lebenden Wildtiere verantwortlich ist. Heimisch war das Nördliche Breitmaulnashorn in Kenia nie. Fatus Vorfahren lebten in sumpfigeren Teilen Afrikas, wie Uganda, Sudan, Tschad, der Zentralafrikanischen Republik oder der Demokratischen Republik Kongo.

Dort wurden sie zeitweise gejagt, gerieten zwischen Bürgerkriegsfronten oder wurden in ausländische Zoos verkauft - wie den Dvur Kralove-Zoo in Tschechien, wo Najin und Fatu geboren wurden. Falls es gelingen sollte, eine Herde zu züchten, würden manche Experten sie gerne wieder in ihrer ursprünglichen Heimat aussetzen.

Embryotransfer bei Südlichen Breitmaulnashörnern

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Der geplante Embryotransfer soll zunächst mit Embryos des Südlichen Breitmaulnashorns getestet werden, bevor die wertvollen Embryos des Nördlichen Breitmaulnashorns eingepflanzt werden.

Derzeit berät der Kenyan Wildlife Service, ob man die Prozedur an in Kenia lebenden Nashörnern erlauben sollte. Die Wissenschaftler erhoffen sich bessere Erfolge bei den kenianischen Tieren, deren Fruchtbarkeit oft besser ist als die ihrer Artgenossen in europäischen Zoos. 

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28 min
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