Invasion der Nosferatu-Spinne

    Vom Mittelmeer an den Rhein:Die Invasion der Nosferatu-Spinne

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    von Ralph Goldmann
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    Aufgrund des Klimawandels entdecken immer mehr Menschen eine in Mitteleuropa neue Spinnenart in den eigenen vier Wänden. Sie ist giftig, kann beißen. Gefährlich ist sie aber nicht.

    Es sind düstere Schlagzeilen, die seit einigen Wochen viele Menschen beunruhigen: "Sie beißt und ist giftig", schreibt die Kreiszeitung Syke, "Ihr Biss schmerzt" der Bayerische Rundfunk. Und die Aachener Nachrichten geben "Tipps vom Experten": "So reagieren Sie richtig".

    Angst unbegründet

    Die Rede ist von einer Spinne, deren Name alleine schon für Angst und Schrecken sorgt: die Nosferatu-Spinne. Sie heißt übrigens so, weil man mit viel Fantasie auf ihrem Körper das Gesicht des Vampirs Nosferatu aus dem Stummfilm von 1922 erkennen kann. Man könnte auch sagen: mit sehr viel Fantasie.
    Willem Dafoe in "Shadow of the vampire!" als Nosferatu.
    Willem Dafoe als "Nosferatu" im Remake 2001 - die Ähnlichkeit zur Spinne muss man eher suchen.
    Quelle: dpa

    Doch wie gefährlich ist diese achtbeinige "Zoropsis spinimana", wie sie im Fachjargon heißt? Immerhin kann sie bis zu sechs Zentimeter Beinspannweite haben und ihr Gift kann Insekten töten. Ein Spinnenexperte im Düsseldorfer Aquazoo Lübbecke hat einigen Medien bereits Entwarnung gegeben. Eine direkte Gefahr gehe von dem Tier eigentlich nicht aus, sagt er.
    Die stellvertretende Leiterin des Aquazoos reagiert auf weitere Nachfragen inzwischen etwas genervt. Für Interviews zu dem Thema stehe niemand mehr zur Verfügung.

    Spinnenart breitet sich nach Norden aus

    Birgit Königs vom Naturschutzbund (Nabu) NRW ist da deutlich gesprächsbereiter. Schon vor 17 Jahren sei die Spinne erstmals in Deutschland nachgewiesen worden, nämlich in Freiburg, erzählt sie. Später dann auch anderswo.
    Die Karte zeigt, wo die Nosferatu-Spinne in Deutschland gesichtet wurde: vor allem im Südwesten, aber auch in Berlin.
    Bis vor 20 Jahren lebte die "Zoropsis spinimana" nur im Mittelmeerraum. Inzwischen ist sie nach Norden vorgerückt, wahrscheinlich zunächst als blinder Passagier im stetig wachsenden Güterverkehr und als Profiteur des Klimawandels.
    Der Nabu hat schon im vergangenen Jahr auf seiner Homepage ein Melde-Tool zur Verfügung gestellt. Dort kann man sehen, wo sich die Nosferatus gerade aufhalten, derzeit vor allem in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

    Nosferatu mag es warm und trocken

    "Sie kommt ja ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und braucht es warm", erzählt Königs. Da sei dieser Sommer perfekt.

    Sie hat sich gut vermehrt, die Jungtiere aus dem Herbst sind alle schön groß geworden. Und das sind die Tiere, die man jetzt sieht. Und ja, das sind viele.

    Birgit Königs, Nabu NRW

    Von überall kommen die Meldungen und es nimmt kein Ende: Familie Alfter aus Troisdorf bei Bonn hatte schon eine im Schuhschrank. Bei Friederike Varnhorn aus Schapdetten im Münsterland saß sie auf der Bettkante im Gästezimmer. Sie habe ich ganz schön erschrocken, erzählte sie dem WDR, denn: "Die war ja auch ziemlich groß."

    Spinne kann Glasfenster hochkrabbeln

    Wenn man einer Nosferatu begegnet, dann wird das in 99 Prozent der Fälle ausgerechnet in den eigenen vier Wänden sein. Denn sie gilt als sehr häuslich, baut keine Netze und lässt sich fast überall nieder: hinter Vorhängen und Bildern oder unter Sofas. Oder eben in Schuhschränken. Und sie kann dank ihrer behaarten Beine sogar an Glasfenstern hochlaufen.
    Das Schlimme aber ist: Ihr Biss kann menschliche Haut durchdringen.

    Die kann schon ordentlich zubeißen, vor allen Dingen, wenn man sie anfasst und sie sich bedroht fühlt.

    Birgit Königs, Nabu

    Der Biss schmerze dann wie ein Mücken- oder Wespenstich, aber: "Es besteht keine Gefahr." Wenn man sie in Ruhe lässt.

    Expertin: Andere Tiere werden folgen - wegen des Klimawandels

    Sollte man einer Nosferatu begegnen, kann man sie am besten mit einem Glas einfangen und nach draußen befördern. Möglichst weit weg, denn sonst könnte sie wiederkommen. Viel machen könne man gegen die Ausbreitung aber nicht, sagt die Nabu-Expertin.
    Und überhaupt würden noch ganz andere Tiere folgen: "Da muss man sich eben darauf einstellen, dass im Zuge des Klimawandels noch die eine oder andere Tierart vielleicht hier ankommen wird, die man nicht unbedingt haben möchte."
    Die Rede ist von Mücken, Zecken und anderen Spinnen, wie zum Beispiel dem Ammen-Dornfinger. Der sieht nicht nur schlimmer aus als die Nosferatu-Spinne, sein Biss ist auch deutlich unangenehmer. Und auch er kommt vom Mittelmeer und mag es schön warm. In Deutschland wurden bereits einzelne Exemplare gesichtet.
    Wieso haben viele Menschen Angst vor Spinnen? Hier eine einfache Erklärung von der ZDF Kindersendung logo:

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