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75 Jahre Nürnberger Prozesse - Justizgeschichte mit 12 Todesurteilen

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Heute vor 75 Jahren startete der erste Nürnberger Prozess gegen 21 Nazi-Größen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum ersten internationalen Strafverfahren der Geschichte.

Heute vor 75 Jahren beginnen die "Nürnberger Prozesse" zur Verfolgung von NS-Kriegsverbrechen mit dem Verfahren gegen 24 Hauptkriegsverbrecher.

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Die Nürnberger Prozesse gelten als ein Meilenstein internationaler Strafgerichtsbarkeit. Im ersten internationalen Strafverfahren der Geschichte mussten sich 21 Hauptkriegsverbrecher, allesamt ranghohe Vertreter des NS-Regimes, wegen der Vorbereitung eines Angriffskriegs sowie Kriegs- und Menschheitsverbrechen verantworten. Der Prozess dauerte rund zehn Monate.

Wie ging es los?

Nur sechs Monate nach dem Ende der Kampfhandlungen hatten Ankläger der Siegermächte hunderttausende Zeugenaussagen sowie zigtausende Beweismittel zusammengetragen. 21 Männer, die von den Alliierten bei Kriegsende gefangen worden waren, saßen auf der Anklagebank im ersten Prozess. Ranghöchster Beschuldigter war Hermann Göring, zeitweise eine der einflussreichsten Nazigrößen. Dazu kamen Mitglieder der Reichsregierung, der Nazipartei, Militärs sowie führende Köpfe des deutschen Zwangsarbeiter-, Terror- und Besatzungsapparats.

"Das Dritte Reich vor Gericht: Das Urteil": Richterbank der Nürnberger Prozesse 1945.
Am 1. Oktober 1946 schloss der Hauptprozess mit zwölf Todesurteilen gegen hohe NS-Funktionäre und Militärpersonen, von denen zehn am 16. Oktober 1946 vollstreckt wurden.
Quelle: dpa

Warum Nürnberg?

Nürnberg war nicht in dem Maße kriegszerstört wie andere deutsche Städte, es standen dort geeignete Justizgebäude zur Verfügung. Aber die Wahl hatte auch eine symbolische Komponente: Die alte Kaiserstadt spielte in der NS-Propaganda als Austragungsort der Reichsparteitage eine zentrale Rolle. Auch die berüchtigten antisemitischen sogenannten Rassegesetze wurden dort 1935 verkündet.

Wie lief der erste Prozess ab?

Der Prozess begann am 20. November 1945, als Richter fungierten vier Juristen aus den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Auch die Anklage war mit je einem Vertreter der Siegermächte besetzt. Verantworten mussten sich die Angeklagten wegen vier Vorwürfen: Verschwörung zum Angriffskrieg, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sie wurden von deutschen Anwälten verteidigt, alle plädierten auf nicht schuldig.

Der Prozess endete am 1. Oktober 1946 mit zwölf Todesurteilen, eines verhängt in Abwesenheit. Dazu kamen drei lebenslange Haftstrafen, vier lange Gefängnisstrafen und drei Freisprüche. Zehn Todesurteile wurden rund eine Woche später am 16. Oktober vollstreckt. Göring beging einige Stunden vorher in seiner Gefängniszelle Suizid mit einer Giftkapsel.

Die Todesfabrik Auschwitz sollte ihre "Effizienz" 1944 noch steigern. Täglich starben Tausende Juden.

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Welche Wirkung hatten die Prozesse?

Von Anfang hatten die Alliierten den Prozess mit Blick auf eine breite öffentliche Wirkung konzipiert. Filmberichte wurden zur Aufklärung der Bevölkerung in den Kinos in den damals üblichen Wochenschauen gezeigt. Schnell stand insbesondere der erste Prozess dabei unter dem Eindruck grauenvoller Zeugenberichte aus deutschen Todeslagern und Filmaufnahmen, die alliierte Soldaten bei deren Befreiung gemacht hatten.

Wie werden die Prozesse heute bewertet?

Historiker ziehen ein gemischtes Fazit: Das historische Tribunal legte die Grundlage für den Internationalen Strafgerichtshof, der seit 2002 von Den Haag aus arbeitet und das weltweit einzige Gericht ist, das Vergehen wie Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ahndet. In Deutschland verstärkten die Nürnberger Prozesse damals jedoch die Tendenz, Schuld für NS-Verbrechen auf einige wenige Spitzenfunktionäre zu schieben und ansonsten einen schnellen Schlussstrich zu fordern.

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