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Fischsterben an der Oder : Polens Umweltschützer kritisieren Regierung

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Die Ursache des Fischsterbens an der Oder ist weiter unklar. Polnische Umweltschützer werfen ihrer Regierung vor, zu lange untätig geblieben zu sein. Die Wut der Anwohner ist groß.

Die Ursachen für die Umweltkatastrophe in der Oder sind weiterhin unklar. Bundesumweltministerin Lemke fordert von Polen eine bessere Zusammenarbeit

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Das Ökosystem der Oder droht zu Kollabieren, Tonnen um Tonnen toter Fische ziehen Helfer seit Tagen aus dem deutsch-polnischen Grenzfluss. Die Umweltkatastrophe könnte sich ausweiten auf Teile der Ostsee und die an die Oder angrenzende Natur.

Anwohner beklagen fehlende Informationen

In Polen üben Umweltschutzorganisationen in einer gemeinsamen Stellungnahme heftige Kritik an der Regierung. "Deine Reaktion? Gar keine!", schreibt Magda Bobryk, Gründerin des Oderverbandes "515 Kilometer", adressiert an Polens Behörden.

Der Mangel an offiziellen, präzisen Informationen lähmt unser Handeln. Wir machen uns Sorgen um unsere Gesundheit.
Magda Bobryk, Oderverband "515 Kilometer"

"Ich wohne 30 Meter von der Oder entfernt, ich atme jeden Tag die Luft aus dem Fluss ein", beschreibt Bobryk ihre Sorgen. Sie kritisiert, dass zuständige Behörden den Fluss vom Schreibtisch aus als sicher bewertet hätten, während Anwohner Gerüche und tote Fische beobachtet hätten. "In dieser Angelegenheit gibt es keinen Staat und der Fluss verwandelt sich in eine Leiche", schreibt Bobryk.

Für die Menschen vor Ort ist das massive Fischsterben in der Oder eine große Belastung. ZDF-Korrespondentin Susanne Seidl berichtet in Ueckermünde.

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Wiederaufbau soll natürlichen Fluss zum Ziel haben

"Das Ausmaß der Umweltschäden ist noch unbekannt. Sie sollten von einem auch politisch unabhängigen Expertenteam bewertet werden, nicht von Politikern und Beamten", betont Piotr Nieznanski vom polnischen WWF. Er fordert die polnische Regierung auf:

Erstellen Sie einen Revitalisierungsplan für die Oder - auf Kosten derer, die die Oder vergiftet haben.
Piotr Nieznanski, WWF Polen

Die Umweltorganisationen kritisieren, dass in der Vergangenheit große Summen vor allem für den Ausbau der Oder als Schifffahrtsroute ausgegeben wurden. Sie hoffen, dass die nun notwendigen Maßnahmen den natürlichen Zustand der Oder zum Ziel haben.

"Natürliche Flüsse spielen nicht nur eine bedeutende Rolle beim Schutz vor Überschwemmungen und Dürren, sondern erhöhen auch die Wasserreinigungskapazität und die Überlebenschancen von Wasserorganismen im Falle einer chemischen Kontamination", schreibt Krysztof Smolnicki, Präsident der Stiftung für ökologische Entwicklung.

Polnische Regierung sucht weiter nach Ursache

Das Fischsterben ist nach Angaben der polnischen Regierung nicht auf Schwermetalle zurückzuführen, schrieb Umweltministerin Anna Moskwa unter Verweis auf das staatliche Veterinärinstitut am Samstagabend auf Twitter. Zuvor hatte die Regierung in Warschau bereits erhöhte Quecksilberwerte als Ursache ausgeschlossen. Die Analysen wiesen aber auf erhöhte Salzwerte im Wasser hin und stimmten somit mit den Erkenntnissen der deutschen Behörden überein, sagte Moskwa der Nachrichtenagentur PAP.

Der hohe Salzgehalt der Oder hat möglicherweise andere giftige Stoffe im Wasser oder im Bodensediment aktiviert. Die toxikologische Untersuchung der Fische wird dazu beitragen, eventuelle Schadstoffe festzustellen, die zum Tod der Tiere beigetragen haben.
Polens Umweltministerin Anna Moskwa

Polens Regierung vermutet, dass der Fluss mit Chemie-Abfällen vergiftet wurde. Die polnische Polizei hat eine Belohnung von umgerechnet 210.000 Euro für die Aufklärung ausgesetzt.

Schlechte Wasserqualität ist kein neues Problem in Polen. Im Februar verklagte die EU-Kommission Polen vor dem Gerichtshof der Europäischen Union wegen Nichteinhaltung einer Abwasser-Richtlinie. Mehr als 1.000 Gemeinden in Polen würden keine Vorkehrungen zum Sammeln und Reinigen von kommunalen Abwässern unterhalten, so die EU-Kommission.

Nach Tagen erfolgloser Ursachensuche für das Fischsterben an der Oder schalten sich nun die Regierungen Polens und Deutschlands ein. Hinweisgeber sollen hohe Belohnungen bekommen.

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Deutschland kritisiert Probleme bei der Zusammenarbeit

Nach Angaben von Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) gab es bei der Aufklärung des Fischsterbens anfänglich Probleme bei der Zusammenarbeit mit Polen. Sie habe nun eine bessere Koordinierung vereinbart, sagte die Grünen-Politikerin am Samstagabend bei einem Besuch in Frankfurt (Oder).

"Die Frage der deutsch-polnischen Zusammenarbeit hat an dieser Stelle ganz offensichtlich nicht funktioniert", sagte Lemke. "Sonst hätten wir früher Informationen erhalten, zumindest das Land Brandenburg oder auch die Anrainerkommunen."

Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben bereits Ende Juli Hinweise, dass in dem Fluss massenweise verendete Fische treiben. Am Freitagabend entließ Regierungschef Mateusz Morawiecki deshalb die Leiter der Wasserbehörde und der Umweltbehörde. Er selbst habe erst am Mittwoch von dem massiven Fischsterben erfahren. "Ich wurde auf jeden Fall zu spät informiert."

FAQ

Fischsterben in der Oder - Lemke: "Wir haben eine Giftfracht im Fluss" 

Tausende tote Fische treiben in der Oder, es werden Auswirkungen bis an die Ostsee erwartet. Die Ursache ist noch unklar - nur eine konnte ausgeschlossen werden. Ein Überblick.

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