Corona-Einfluss auf Oktoberfest? Die Bilanz der Wiesn

    Münchner Oktoberfest geht zuende:Wiesn-Bilanz: Friedlich, fröhlich, verregnet

    Svenja Bergerhoff - Autorenfoto
    von Svenja Bergerhoff, München
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    Trotz Pandemie und schlechtem Wetter kamen 5,7 Millionen Menschen zum Münchner Oktoberfest. Der Veranstalter, die Landeshauptstadt München, ist zufrieden.

    Nach zwei Jahren Corona-Pause kamen wieder 5,7 Millionen Menschen zum Feiern auf die Münchner Theresienwiese. Zwar waren es 600.000 Gäste weniger als 2019, die Stadt München ist trotzdem zufrieden.

    Gäste im siebenstelligen Bereich haben ihre Wiesn gefeiert und gezeigt, wie stark sie ihnen am Herzen liegt.

    Clemens Baumgärtner, Wiesn-Chef und Referent der Landeshauptstadt München

    Bierkonsum auf der Wiesn rückläufig

    Wurden auf dem letzten Münchner Oktoberfest noch 7,3 Millionen Maß Bier ausgeschenkt, sind es in diesem Jahr nur noch 5,6 Millionen. Ein Hauptgrund: das schlechte Wetter. Denn die Biergärten der Festzelte konnten nur sehr eingeschränkt bewirtschaftet werden.
    Oktoberfest-Bilanz

    Auch den Schaustellern machte das Wetter zu schaffen. Für einige ist die so lang ersehnte Wiesn in diesem Jahr ein Verlustgeschäft. Trotzdem hat sich das größte Volksfest der Welt auch für sie gelohnt, meint Schausteller Sebastian Willenborg:

    Wir sind froh, dass wir dieses Jahr wieder spielen konnten, dass das Oktoberfest wieder stattgefunden hat.

    Sebastian Willenborg, Schausteller

    Aber geschäftlich sei man noch nicht wieder dort, wo man hin wolle.

    Viele Junge Leute auf dem Oktoberfest

    Das Publikum auf der ersten Wiesn nach der Corona-Pause ist nach Einschätzung der Veranstalter deutlich jünger als noch 2019. Dazu kommt, dass auf der diesjährigen Wiesn gleich drei Jahrgänge Jugendliche zum ersten Mal allein auf das Oktoberfest kommen konnten.

    Corona hat die Wiesn nicht beeinflusst

    Den Satz: Irgendwann muss man lernen mit dem Virus zu leben, hörte man dieser Tage oft auf der Theresienwiese. Zumindest von den Wirten, Schaustellern und Beschickern kommen in puncto Corona auch gute Nachrichten. Das Infektionsgeschehen hat nicht zu den befürchteten Personalausfällen geführt. Nur so ganz vorbei, wie die Pandemie in 17 Tagen Oktoberfest scheint, ist sie eben doch noch nicht. Denn: Die Corona-Fallzahlen steigen seit rund einer Woche in München wieder deutlich. Die Situation sei aber eine andere als in den Vorjahren:
    "Seit wir die Menschen, die besonders gefährdet sind, dreifach geimpft haben, hat die Fatalitätsrate, also die Rate derer, die schwer erkrankt und derer, die sterben, deutlich abgenommen", sagt die Virologin Ulrike Protzer.

    Das ist ein dramatischer Unterschied zu dem was wir vor zwei Jahren hatten.

    Ulrike Protzer, Virologin TU München & Helmholtz Zentrum München

    Weniger Menschen also landen wegen Corona im Krankenhaus. Und diese Zahl sei entscheidend.

    Polizei zieht positive Bilanz

    Friedlich war sie, die erste Wiesn nach der Corona-Zwangspause. Die Polizei musste zu weniger Einsätzen ausrücken. Einen Anstieg aber gibt es beim Taschendiebstahl. Fast 54 Prozent mehr Delikte wurden hier registriert und das bei weniger Besuchern als 2019.
    Zum zweiten Oktoberfest-Wochenende ist es soweit: Die Italiener erobern die Festzelte. Aus ganz Italien kommen sie angereist, um bei Brezn, Haxn und Maß die Wiesn zu feiern. 26.09.2022 | 1:30 min

    Glühwein wenig nachgefragt

    Wegen des nasskalten Wetters durften die Eisverkäufer in der letzten Wiesn-Woche auch Glühwein verkaufen. So wollte man Verluste abfedern. Gut nachgefragt wurde dieser aber nicht.
    Kernbotschaft: "Die Wiesn ist wieder da!" Stadt, Wirte und Schausteller ziehen insgesamt ein positives Fazit. Das Credo: Sie sind froh, dass die Wiesn dieses Jahr wieder stattgefunden hat.

    Die Menschen wollen aller schlechten Nachrichten zum Trotz ihre Freiheit und ihren Spaß zurückhaben. Dafür war die Wiesn eine machtvolle Demonstration.

    Clemens Baumgärtner, Wiesn-Chef