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Tschüss zum Navi : Wie wir unseren Orientierungssinn zurückholen

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Zivilisation macht müde und lahm - unsere Körper und Gehirne sind eigentlich noch auf das Leben als Jäger und Sammler programmiert. Welche Fähigkeiten schlummern noch in uns?

Wer mit Heike Tharun in den Wald geht, der kann was erleben. Die 59-Jährige ist Sportmentalcoach und bringt Gehirne von Frauen und Männern regelrecht in Schwingung. Kurz gesagt, belebt Tharun das, was für unsere Vorfahren selbstverständlich war: Das Orientieren ohne Smartphone und Navi, einfach nur mit dem Kopf und allen Sinnen.

Regelmäßig veranstaltet sie Wander-Orientierungskurse, bei denen beide Geschlechter lernen, die Natur zu lesen und ihren Weg ohne elektronische Hilfsmittel zu finden. Besonders wichtig dabei, aktiv auf die Umgebung zu achten, auf die Himmelsrichtung, den Stand der Sonne oder die Wuchsrichtung der Bäume. Tricks, die nicht nur Stadtmenschen verlernt haben.

Unser Gehirn ist "tendenziell sehr faul"

Der Geschichtsmedizinier Prof. Dr. Heiner Fangerau erklärt das folgendermaßen:

Es ist natürlich so, dass unser Gehirn wie auch unsere Muskeln tendenziell sehr faul sind oder Wege des geringeren Widerstands suchen
Prof. Dr. Heiner Fangerau

Das heißt, so Fangera: "Hilfe durch ein Navigationssystem führt dazu, dass Menschen keine Karten mehr benutzen oder individuell ihre Orientierungsfähigkeit nicht mehr trainieren." Das Problem dabei: Wer sich also passiv von einem Navi leiten lässt, findet sich künftig ohne schlechter zurecht.

Frauen und Männer orientieren sich unterschiedlich

Heike Tharun hat bei ihren Kursen festgestellt, dass sich Frauen genauso gut orientieren können wie Männer. Nur wie sie das tun, unterscheidet sich. Frauen merken sich eher markante Punkte in der Umgebung. Männer beziehen auch Himmelsrichtungen und Entfernungen mit ein. Aber wie macht das Gehirn das eigentlich? Gibt es so etwas wie eine interaktive Karte im Kopf?

Ja, es gibt ein "Hirn-Navi", erforscht schon in den 1970er Jahren vom Neurobiologen und Nobelpreisträger John O’Keefe. Er entdeckte bei Ratten im "Hippocampus", einer für das Gedächtnis und das Lernen zuständigen Region im Gehirn, sogenannte Ortszellen. Die waren immer aktiv, wenn sich das Versuchstier an einem bestimmten Platz befand. Wechselte es den Ort, wurde eine andere Ortszelle aktiviert. Die Schlussfolgerung: Das Gehirn kann so gedankliche Karten erzeugen, abspeichern und sich daran orientieren.

Das Gradnetz der Erde spielt eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung des Standorts.

Beitragslänge:
4 min
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"Google Maps" und Co. ersetzen den natürlichen Orientierungssinn

Mehr als 30 Jahre später, entdeckte das norwegische Forscherpaar Edvard und May-Britt Moser einen weiteren Teil des GPS-Systems im Gehirn: Die Gitterzellen, eine Art Koordinatensystem, das das Gefühl für Entfernungen zwischen den Orten vermittelt. Beim Menschen wurden die Zellen ebenfalls entdeckt. So können wir dank Orts- und Gitterzellen also präzise manövrieren und Wege wiederfinden, mit unserem eigenen natürlichen Navi.

Unsere Vorfahren hatten das perfektioniert, trainierten sie ihre innere Karte doch täglich. Auf der Suche nach Nahrung legten sie weite Strecken zurück, merkten sich besonders ergiebige Jagdgebiete, sichere Schlafstätten oder seichte Flussstellen. Heute gibt es Nahrung um die Ecke im Supermarkt, erreichbar über sichere Wege, geleitet von "Google Maps" oder ähnlichen Systemen. Das ist zwar gut gegen Hunger, aber schlecht für die Orientierung.

Heike Tharun empfiehlt daher Ausflüge in die Natur, ohne Navi und technische Hilfsmittel. Ihre Teilnehmer entdecken schon nach einem Tag ihre alten Fähigkeiten wieder, auch wenn dabei auch schon mal ganz neue Wege beschritten werden.

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