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Sinkendes Interesse und Corona - Haben die Oscars noch eine Zukunft?

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Die Oscar-Verleihung lockt immer weniger Zuschauer vor die Fernseher. Schuld daran ist nicht nur die Pandemie. Warum die Tage der Preisverleihung vielleicht gezählt sind.

Die Oscar-Verleihung findet am 25. April statt.
Schon vor der Pandemie angezählt: die Oscars.
Quelle: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa/Archivbild

Die Macher der diesjährigen Oscar-Verleihung versuchen zu retten, was zu retten ist. Die Show soll mehr wie ein Spielfilm anmuten, weniger wie die gewohnte TV-Gala-Show. Als Location haben sich die Produzenten mehrere Orte ausgesucht, unter anderem einen Bahnhof in Downtown Los Angeles.

Und auch den inzwischen gewohnten Pandemie-Look wollen sie weitgehend vermeiden. Masken wird es ebensowenig geben wie Zoom-Videos aus den Wohnzimmern der Stars. Wer wegen der Reisebeschränkungen nicht persönlich erscheinen kann, wird per Satellit aus Paris oder London zugeschaltet. 

Oscars schon vor Corona-Pandemie angezählt

Helfen wird es wohl alles nicht. Zwischen zwölf und fünfzehn Millionen Zuschauer werden in den USA voraussichtlich einschalten, so wenige wie nie zuvor. Schon vergleichbare Gala-Events wie die Grammys und die Golden Globes mussten Schlappen hinnehmen. Die Golden Globes büßten gegenüber dem Vorjahr fast zwei Drittel der Zuschauer ein. 

Aber die Oscars waren schon vor der Pandemie angezählt. Seit Jahren geht die Einschaltquote stark zurück (mit Ausnahme eines Ausreißers im Jahr 2019). Schon 2020 war mit 23,6 Millionen Zuschauern das schwächste Jahr in der Oscar-Geschichte. Gründe dafür gibt es viele.

Diese Preisverleihungen haben eine Patina wie eine 100 Jahre alte Kerze. Keine Politur der Welt bringt die wieder zum glänzen.
Ted Harbert, Ex-Direktor der US-Fernsehsender ABC und NBC

Das Zuschauerinteresse war in der Vergangenheit oft dann am größten, wenn Filme nominiert waren, die ein breites Publikum in die Kinos gelockt hatten, wie 2004 mit "Der Herr der Ringe". Aber davon gab es im Zeitalter von Streaming-Diensten wie Netflix oder Amazon Prime schon vor der Pandemie immer weniger.

Viele der in diesem Jahr nominierten Bewerber wie "Nomadland" oder "Minari" erschienen fast unbemerkt auf den Online-Plattformen inmitten einer Flut von anderen Serien, Filmen und Reality-Shows. 

Die Regisseurin Chloe Zhao steht mit der Schauspielerin Frances McDormand am Set von '"Nomadland".

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Ein Roadmovie hat bei den britischen Filmpreisen abgeräumt - "Nomadland" von Regisseurin Chloé Zhao holte vier Baftas. Anthony Hopkins wurde als bester Hauptdarsteller geehrt.

Kritik wegen mangelnder Diversität

Außerdem können die Oscars spätestens seit der Hashtag-Kampagne #OscarsSoWhite im Jahr 2015 den Ruf der mangelnden Diversität nicht so richtig abschütteln. Zumindest diesem Vorwurf versucht die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (Ampas), die die Oscars vergibt, entgegenzuwirken.

Mit Steven Yeun ("Minari") ist der erste asiatisch-stämmige Amerikaner und mit Riz Ahmed ("Sound of Metal") der erste Muslim als bester Hauptdarsteller nominiert. Youn Yuh-jung ("Minari") geht als erste Koreanerin ins Rennen um die beste weibliche Nebenrolle und Chloe Zhao ("Nomadland") ist die erste Asiatin mit Aussichten auf den Oscar für die beste Regie.

Mit Chadwick Boseman ("Ma Rainy’s Black Bottom"), Daniel Kaluuya ("Judas and the Black Messiah"), Leslie Odom, Jr. ("One Night in Miami…"), LaKeith Stanfield ("Judas and the Black Messiah") und Viola Davis ("Ma Rainy’s Black Bottom"), haben auch fünf Schwarze Schauspieler*innen Chancen auf die begehrte Trophäe. 

Die Oscar-Verleihung lockt immer weniger Zuschauer vor die Fernseher. Schuld daran ist nicht nur die Pandemie. Warum die Tage der Preisverleihung vielleicht gezählt sind.

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Noch lohnt sich die Fernsehübertragung - wie lange noch?

Ob das allerdings die Zuschauer zurückbringt, ist fraglich. Falls nicht, steht die Zukunft des weltweit wichtigsten Filmpreises auf der Kippe. Denn die Fernsehübertragung des Gala-Events ist die wichtigste Einnahmequelle der Academy. Rund eine Milliarde US-Dollar bezahlt der US-Fernsehsender ABC für die Übertragungsrechte von 2016 bis 2028.

Noch rechnet sich der Deal für ABC. Trotz schwindender Zuschauerzahlen sind die Oscars für ABC der ertragreichste Tag des Jahres. 2020 hat die Verleihung 129 Millionen Dollar an Werbeeinnahmen in die Kassen des Senders gespült. Dieses Jahr werden es wohl bis zu 20 Millionen Dollar weniger sein.

Sinkendes Interesse bei Jüngeren

Ein Grund: Die wichtigste Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen hat immer weniger Interesse am linearen Fernsehprogramm. Während 2015 noch knapp 30 Prozent regelmäßig zur Fernbedienung griffen, waren es im vergangenen Jahr nur noch gut die Hälfte.

Die Verantwortlichen hoffen, dass sich dieser Trend nach der Pandemie wieder umkehrt und dann wieder mehr Menschen die Oscar-Nacht live mitverfolgen. Aber sicher ist das nicht.

Wenn man die Gewohnheit erst einmal gebrochen hat, gewinnt man die Zuschauer nur schwer wieder zurück.
Preston Beckman, Medienberater
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