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Flutkatastrophe im Sudan - "Fatale Häufung extremer Wetterereignisse"

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2,5 Millionen Menschen haben durch eine Jahrhundertflut in Ostafrika alles verloren. Im ZDF-Interview spricht Nora Nebelung von der Welthungerhilfe über die Notlage im Sudan.

Opfer der Überschwemmungen im Sudan erhalten Hilfsgüter am 230.09.2020
Durch die Fluten im Sudan sind Ernten in Gefahr und mehr als 140.000 Häuser und Hütten vernichtet worden.
Quelle: picture alliance / AA

ZDFheute: Dürre, Heuschrecken, die Corona-Pandemie und nun sintflutartige Regenfälle: Millionen Menschen in Ostafrika durchleiden in diesem Jahr eine Katastrophe nach der anderen. Wie erleben Sie, was im Sudan gerade vor sich geht?

Nora Nebelung: Überschwemmungen sind hier in dieser Jahreszeit normal, aber so schlimme Überflutungen hat es im Sudan seit mehr als 30 Jahren nicht gegeben. Der Nil hat die höchsten Wasserstände seit Beginn der Messungen überhaupt. Durch einen Dammbruch im Süden des Landes sind allein 100.000 Menschen obdachlos geworden.

Im bergigen Osten haben Sturzfluten viele Siedlungen komplett weggeschwemmt.

Das allein ist eine schlimme Krise, aber wirklich fatal ist die Häufung dieser Wetterextreme.

ZDFheute: Wie wirkt das auf die Menschen im Sudan?

Nebelung: Bereits die Corona-Pandemie hat unzählige Menschen hier in echte Existenznot gebracht: Während des Lockdowns haben sie zwischen 50 und 90 Prozent ihres Einkommens verloren. Am härtesten hat es die vielen Tagelöhner getroffen, die schon vor Corona von der Hand in den Mund lebten.

Wer daheimsitzen muss und nicht arbeiten kann, der hungert. Parallel zur Wirtschaftskrise erlebt das Land eine stark steigende Währungsinflation. Wir sehen für Grundnahrungsmittel stark steigende Preise - für die Ärmsten werden viele Dinge des täglichen Bedarfs unerschwinglich.

Der Sudan kämpft derzeit mit einer der schlimmsten Überflutungen seit Jahren. Besonders bedrohlich ist die Lage nahe der Hauptstadt Khartum, wo Blauer und Weißer Nil zusammentreffen.

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ZDFheute: Durch die Fluten sind Ernten in Gefahr und mehr als 140.000 Häuser und Hütten vernichtet worden; viele Tiere der Bauern sind ertrunken. Von was leben die Menschen, denen alles genommen wurde?

Nebelung: Mehr als 400.000 Menschen haben noch gar keine Hilfe erhalten - und auch die anderen Flutopfer müssen mit sehr wenig auskommen. Wer Glück hat, kann bei Verwandten oder in Notlagern unterkommen.

ZDFheute: Wie unterstützt die Welthungerhilfe Sudanesen in akuter Not?

Nebelung: Wir versorgen derzeit etwa 68.000 Menschen, verteilen Material für Notunterkünfte - Plastikplanen, Schlafmatten, Moskitonetze, Wassercontainer. Und ganz wichtig: Tabletten zur Wasserreinigung, um zu verhindern, dass sich Krankheiten ausbreiten.

Auf eine Flut folgt meist eine hygienische Krise, weil zum Beispiel auch Latrinen überschwemmt werden.

Wenn Frauen und Kinder, die ohnehin schon geschwächt sind, nun noch Durchfallerkrankungen bekommen, kann das für sie tödlich sein.

ZDFheute: Was ist mit den Menschen, die bislang keine Hilfe erhalten haben?

Nebelung: Das ist leider die große, offene Frage. Viele Gebiete sind schwer oder gar nicht erreichbar. Im Osten des Landes, wo wir gerade sind, gibt es nur wenige asphaltierte Straßen. Die Wege in viele Dörfer sind weggespült oder zu matschig, um etwas darauf transportieren zu können.

Wochenlanger Regen hat im Sudan zu heftigen Überschwemmungen geführt. Nun hat die Regierung einen dreimonatigen Notstand ausgerufen und das Land zum Katastrophengebiet erklärt.

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ZDFheute: Der Autokrat Omar al-Baschir hat den Sudan bis zu seinem Sturz im vorigen Jahr 30 Jahre lang mit brutalen Mitteln beherrscht. Seit 2019 gibt es eine Übergangsregierung - internationale Sanktionen sind aber noch in Kraft. Wie hilft die Internationale Gemeinschaft in der aktuellen Notlage?

Nebelung: Nach meinem Gefühl ist der Sudan nicht so stark auf dem Radar der Internationalen Gemeinschaft.

Schon vor dem Eintreffen der Fluten war der Bedarf an humanitärer Hilfe nur zu circa 40 Prozent gedeckt. Nun ist noch einmal sehr viel mehr Hilfe nötig.

Die Vereinten Nationen haben für solche außergewöhnlichen Krisen einige finanzielle Reserven. Aber es kommt hier viel zu wenig Hilfe an.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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