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Papst veröffentlicht Enzyklika - Der Traum von einer geschwisterlichen Welt

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Mit "Fratelli tutti" legt Papst Franziskus eine kritische Zeitansage vor. Egoismus, das Diktat des Profits und neue Nationalismen hätten die Menschheit in eine Sackgasse geführt.

Papst Franziskus bei einer Privataudienz Ende September bei Mitgliedern der italienischen Polizei
Wendet sich an "alle Menschen guten Willens": Papst Franziskus
Quelle: Domenico Stinellis/dpa

"Es ist die Stunde der Wahrheit", so Papst Franziskus. Die Pandemie habe "unsere falschen Sicherheiten offengelegt". Es sei "die Unfähigkeit hinsichtlich eines gemeinsamen Handelns zum Vorschein" gekommen, stellt der Papst zu Beginn des 287 Artikel umfassenden Schreibens fest.

Nach der Gesundheitskrise dürfe es kein "Weiter so" geben. Die Enzyklika "Fratelli tutti - über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft" ist ein Gegenentwurf zur aktuellen Weltordnung. Im Zentrum stehen die Würde jedes einzelnen Menschen sowie das Gemeinwohl. Das Lehrschreiben ist eine Sozialenzyklika, doch im Kern geht es um den Frieden. Dieser sei dauerhaft nur möglich "im Anschluss an eine globale Ethik der Solidarität und Zusammenarbeit".

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Solidarität wird zur zentralen Handlungsmaxime

Solidarität sei gelegentlich zum Schimpfwort geworden, erklärt Franziskus. Doch für seine Idee einer geeinten Menschheit wird sie zur zentralen Handlungsmaxime. Solidarität bedeute, im Sinne der Gemeinschaft denken und handeln, "dass man dem Leben den Vorrang einräumt - und nicht der Aneignung der Güter durch einige wenige". Solidarität bedeute auch, "dass man gegen die strukturellen Ursachen der Armut kämpft". So begründet der Papst den Einsatz der Kirche für politische Veränderung.

Der Text steht in der Tradition der kirchlichen Soziallehre. Papst Paul VI. wurde 1967 für seine Forderung, das Privateigentum müsse sich dem Gemeinwohl unterordnen, als Marxist bezeichnet. Franziskus erklärt:

Das Recht auf Privateigentum kann nur als ein sekundäres Naturrecht betrachtet werden.
Papst Franziskus

Vorrangiges Ziel müsse es zudem sein, allen Menschen "mittels Arbeit ein würdiges Leben zu ermöglichen". Der Dominanz der Wirtschaft und der Finanzen will er mit einer neuen Weltordnung begegnen, die auf die "solidarische Entwicklung aller Völker" ausgerichtet sei. Dazu brauche es eine Reform der UNO, um diese zu stärken.

Für Franziskus gibt es keinen "gerechten Krieg"

Der Papst warnt vor neuen Formen des Kolonialismus. Die Globalisierung, die er positiv sieht, dürfe nicht zu einer Homogenisierung der Welt und der Unterdrückung der kulturellen Vielfalt führen. Vielfalt sei Bereicherung. Krieg als Konfliktlösung schließt er aus. Die Idee des "Gerechten Kriegs", der eine lange Tradition in der Lehre der Kirche hat, sieht Franziskus als nicht mehr vertretbar.

Einmal mehr fordert er die vollkommene Abschaffung der Atomwaffen. Die Rüstungsgelder sollten in einen Weltfonds gegen Hunger umgewidmet werden.

Dass Franziskus den Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmad Al-Tayyeb, als hochrangigen islamischen Geistlichen mehrfach erwähnt, ist ein Novum für eine Enzyklika. Die beiden hatten 2019 in Abu Dhabi gemeinsam das "Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen" unterzeichnet. Der Papst will mit der Enzyklika die Bande zwischen den Religionen stärken, sich gemeinsam gegen Gewalt und Hass im Namen Gottes einzusetzen und für ein geschwisterliches Miteinander einzustehen.

Wachsoldat der Schweizer Garde am Petersdom im Vatikan

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Der Papst wird Kritik ernten

Franziskus wendet sich "an alle Menschen guten Willens". Er zeigt detailreich auf, wie er sich eine Kultur des Dialogs und der Begegnung vorstellt, die er als Grundlage einer geschwisterlichen Welt sieht. Er baut darauf, dass die Veränderungen von unten kommen.

Er wird Kritik ernten von vielen Seiten. Als Marxist wird er bezeichnet werden von den Anhängern einer liberalen Wirtschaftstheorie, als Häretiker von konservativen Christen, weil er betont, dass Gott alle Menschen liebt unabhängig von der Religion, ja selbst den Atheisten. Utopist werden ihn die nennen, die von der aktuellen Wirtschaftsordnung profitieren auf Kosten der Armen und Ausgegrenzten. Der Papst wird weiter träumen, weil er überzeugt ist, wer Träume hat, der jagt ihnen nach, sie zu erfüllen.

Er baut darauf, Mitträumer zu finden.

Jürgen Erbacher leitetet die ZDF-Redaktion Kirche und Leben katholisch.

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