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Kommentar

Papst Franziskus - Auf Friedensmission im Irak

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Um den Dialog der Religionen und die Lage der Christen ging es beim Papstbesuch im Irak. Emotionalster Moment: das Gedenken an die Opfer der Terrormiliz IS am Sonntag in Mossul.

Am dritten Tag seiner Irakreise feiert Papst Franziskus eine Messe in Erbil mit zehntausend Gläubigen.

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20 Jahre musste der Irak auf einen Papstbesuch warten. Saddam Hussein verwehrte Johannes Paul II. 2000 die Einreise, als dieser eine Pilgerfahrt nach Ur machen wollte, der "Wiege der Menschheit" und der Ort, der durch Abraham die drei monotheistischen Religionen der Juden, Christen und Muslime verbindet.

Sein Nachfolger Franziskus sandte jetzt von diesem Ort eine klare Botschaft aus: Hass, Gewalt und Extremismus sind "Verrat an der Religion". Die wahre Religiosität sei "Gott anbeten und den Nächsten lieben". Den interreligiösen Dialog zu stärken, war eines der Ziele der 33. Auslandsreise des katholischen Kirchenoberhaupts.

Historische Begegnung mit Großajatollah Al-Sistani

Im Februar 2019 unterzeichnete er mit einem der bedeutendsten Sunniten-Geistlichen eine "Gemeinsame Erklärung über die Brüderlichkeit aller Menschen". Jetzt will er die Schiiten, die zweite große Strömung im Islam, mit ins Boot holen für einen Dialog, der das Miteinander der Religionen stärkt.

Deshalb traf er sich am Samstagmorgen in der für Schiiten heiligen Stadt Nadschaf mit Großajatollah Al-Sistani. Er ist einer der einflussreichsten Schiiten weltweit. Zwar kam es nicht zu einem gemeinsamen Statement, doch mit der historischen Begegnung ist ein wichtiger Schritt getan, um die Beziehungen zu vertiefen.

Dass im Dialog allerdings noch ein weiter Weg zu gehen ist, zeigte sich beim Friedensgebet anschließend in Ur. Die Juden, die älteste der drei abrahamitischen Religionen, waren nicht vertreten.

Wachsoldat der Schweizer Garde am Petersdom im Vatikan

Nachrichten - Papstgeflüster - Das Vatikan-Blog 

Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog: Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Papst fordert "geschwisterliche Einheit, Solidarität und Eintracht"

Der Irak ist, wie die gesamte Region, nach Jahrzehnten des Krieges und des Terrors ein Land, das innerlich zerrissen und gespalten ist. Die Konflikte haben tiefe Wunden und Misstrauen bei den Menschen hinterlassen. In dieser Situation versuchte Franziskus Trost zu spenden und Mut zu machen.

Er kritisierte Korruption und Machtmissbrauch sowie den Einfluss ausländischer Kräfte im Land. Die religiöse, kulturelle und ethnische Vielfalt sei "eine wertvolle Ressource, die genutzt werden muss, und kein Hindernis, das es zu beseitigen gilt".

Entsprechend forderte Franziskus einerseits "allen religiösen Gemeinschaften Anerkennung, Achtung, Rechte und Schutz zu gewähren". Andererseits mahnte er die unterschiedlichen Gruppierungen zu einer "geschwisterlichen Einheit, Solidarität und Eintracht".

Jürgen Erbacher aus dem Irak

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Papst Franziskus gedenkt Terroropfern des IS

Am Sonntag gedachte Franziskus in Mossul der Opfer von Krieg und Terror. Für drei Jahre war die Stadt die Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat. Bei der Befreiung 2017 wurde sie schwer beschädigt. Einen Großteil der Christen hat der IS aus der Region vertrieben.

Noch einmal bekräftigte Franziskus seine Position, dass Gewalt, Krieg und Hass im Namen Gottes nicht möglich sei, denn Gott sei ein Gott des Lebens, der Liebe und des Friedens. Mehrfach würdigte Franziskus die Christen, die trotz Krieg, Terror und den schwierigen sozialen Verhältnissen im Land ausharrten. Sie zu stärken war ein Grund für die Reise des Kirchenoberhaupts.

Viele Christen leben im Nordirak. So fand der einzige große Gottesdienst mit rund 10.000 Gläubigen zum Abschluss der Reise am Sonntagnachmittag in Erbil statt.

Riskante Mission inmitten der Corona-Pandemie

Für den Papst ist es ein Erfolg, dass die Reise trotz Pandemie und der schwierigen Sicherheitslage realisiert werden konnte. Er wollte einem "gemarterten Land" und den Menschen hier durch seinen Besuch Respekt zollen und Mut machen. Die wichtigste Botschaft zielt aber über das Land hinaus: die Absage an jegliche Form von Gewalt, Ressentiments und Abschottung im Namen der Religion.

Die Reise zeigt, Franziskus entwickelt sich immer mehr vom "Papst der Armen", so das Bild zu Beginn des Pontifikats, zu einem "Papst der Geschwisterlichkeit aller", mit besonderem Fokus auf dem Dialog der Religionen.

Jürgen Erbacher ist Leiter der Redaktion Kirche und Leben katholisch.

Papstbesuch im Irak - Franziskus auf riskanter Mission 

Mit dem Besuch im Irak schreibt Franziskus Geschichte. Er will den Dialog der Religionen fördern, die Christen stärken, neue Friedensimpulse setzen. Doch die Reise ist umstritten.

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von Jürgen Erbacher
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