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Papst Franziskus - Gefangen im Vatikan mit großen Visionen

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Corona hat auch den Papst gebremst. Reisen und Kongresse fielen aus, die Diskussionen um Reformen und den Missbrauch aber sind geblieben. Franziskus will Mahner und Mutmacher sein.

Über Monate kann der Papst nur durch Videoschalten zu den Gläubigen sprechen, Auslandsreisen fallen aus. Trotzdem sucht er Nähe, will Verbindung schaffen in der Krise.

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Franziskus liebt das Bad in der Menge. Die wöchentlichen Generalaudienzen mit den Papamobil-Fahrten über den Petersplatz durch die Reihen der Zehntausenden wirken wie eine Kraftspritze für den mittlerweile 84-Jährigen. Doch darauf musste der Papst 2020 verzichten.

Seit März gab es keine Großveranstaltungen mehr im Vatikan. Im Sommer konnten für einige Wochen Generalaudienzen mit wenigen Tausend Besuchern abgehalten werden. Doch seit November sitzt Franziskus mittwochs wieder in der Bibliothek seines Palasts und sendet Videobotschaften an die Gläubigen.

Erstmals seit über 40 Jahren keine Auslandsreise für den Papst

Corona wirbelte auch seine Jahresplanungen durcheinander. Erstmals seit 1979 gab es keine Auslandsreise des Papstes. Besuche auf Malta, in Ungarn und Süd-Ostasien mussten abgesagt werden. Auch ein möglicher Kurztrip nach Deutschland fiel der Pandemie zum Opfer.

Ein Treffen mit Nachwuchskräften aus der Wirtschaft in Assisi musste ebenso wie ein globaler Bildungsgipfel virtuell stattfinden - mit weit weniger Durchschlagskraft mangels wirkmächtiger Bilder.

Solche Aktivitäten dienen sonst dazu, die Positionen des Papstes bekannt zu machen, Mitstreiter zu gewinnen und, bei den Reisen, die Beziehungen zu den Regierungen und Kirchen vor Ort zu stärken.

Viele Änderungen im Finanzwesen des Vatikans

Franziskus nutzte die Zeit für interne Veränderungen. Vor allem bei der Reform des Finanzwesens im Vatikan ging es 2020 voran. Er zentralisierte das Anlagenmanagement und verstärkte den Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft.

Skandale und Intrigen überschatteten das Pontifikat Benedikts XVI. Auch sein Nachfolger Papst Franziskus, der Korruption und Amtsmissbrauch öffentlich anprangert, wird zur Zielscheibe.

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Die Finanzaufsicht bekam neue Statuten, weil internationale Behörden drohten, sonst den Informationsaustausch mit dem Vatikan etwa bei Geldwäsche einzustellen. Der Papst musste heftige Widerstände überwinden [Papstgeflüster - Das Vatikan-Blog: Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan lesen Sie hier].

Diskussionsbedarf beim "Synodalen Weg"

In seiner Weihnachtsansprache an Bischöfe und Kardinäle der Römischen Kurie mahnte Franziskus am Montag daher, sie müssten "Waffen ablegen und demütig sein". Sie sollten die aktuelle Krise der Kirche als Chance begreifen und sich nicht in Konflikten verbeißen.

Konflikte gibt es im Verhältnis zu Deutschland. Der "Synodale Weg", ein Reformprozess, soll das Vertrauen der Deutschen in die Kirche zurückbringen; doch aus Rom kommen Querschüsse. Wie soll die Mitbestimmung der Laien aussehen? Was ist in der Ökumene möglich? Bisher gibt es mehr Fragen als Antworten.

Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche

Die aktuell größte Krise der katholischen Kirche bestimmte auch 2020 die Agenda des Papstes: der Missbrauchsskandal. Weltweit mussten mehrere Bischöfe zurücktreten, weil sie Täter waren oder sich mangelnder Aufklärung schuldig machten.

In Deutschland sehen sich die Erzbischöfe von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, und Hamburg, Stefan Heße, mit Vertuschungsvorwürfen konfrontiert. Rücktrittsforderungen stehen im Raum. Beide baten den Vatikan, die Vorgänge zu überprüfen.

Der interne Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch ist oft in der Kritik. Neue Vorwürfe belasten jetzt den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

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Papst Franziskus als Mahner

Im Sommer gab der Vatikan ein Handbuch heraus, um die Verfahren transparenter und weltweit einheitlich zu regeln. Gleich in zwei Grundsatzwerken entwirft Franziskus seine Vision von einer geschwisterlichen Welt, die von nachhaltigem und sozialem Wirtschaften geprägt ist.

Anfang Oktober veröffentlicht er unter dem Titel "Fratelli tutti" seine dritte Enzyklika. Im Dezember legte er mit einem Buch nach. Sein Fazit: "Wir können nicht einfach zu den falschen Sicherheiten der politischen und ökonomischen Systeme von vor der Krise zurückkehren." Es brauche ein Wirtschaftssystem, das allen Zugang zu Land, Arbeit und Wohnraum verschaffe.

Kritiker sehen im Papst einen marxistischen Utopisten. Franziskus sieht sich hingegen als Mahner, der mit provokanten Thesen aufrüttelt. Eine friedliche Zukunft setzt für ihn Gerechtigkeit voraus und eine Kultur des Dialogs zwischen Staaten, Religionen und sozialen Klassen. Für die globale Krise kann es nur gemeinsame Lösungen geben, ist er überzeugt.

Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch".

Weihnachtsbotschaft - Live: Papst spendet Segen "Urbi et Orbi" 

Am Freitagmittag wird Franziskus den Papstsegen "Urbi et Orbi" aussprechen. Verfolgen Sie die traditionelle Friedensbotschaft live ab 12 Uhr.

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