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Frontal 21 und Correctiv - Benedikt XVI.: Kein Treffen mit Täter

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Nach einem Bericht über den pädophilen Pfarrer H. meldet sich der Privatsekretär des emeritierten Papstes bei Frontal 21. Dieser habe den Pfarrer nie getroffen, heißt es. 

Benedikt XVI. (Archiv 2015)
Benedikt XVI. (Archiv 2015)
Quelle: AP

Frontal21 und Correctiv hatten berichtet, dass der damalige Kardinal Ratzinger im Jahr 2000 nach Garching an der Alz gereist ist, um den kranken Weihbischof Heinrich von Soden-Fraunhofen zu besuchen, der dort im Ruhestand lebte. Ratzinger und von Soden-Fraunhofen kannten sich seit der gemeinsamen Priesterweihe 1951. Diesen Besuch bestätigte der Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI., Georg Gänswein, jetzt am Telefon: "Es trifft zu, dass er von Soden-Fraunhofen besucht hat. Der gesundheitliche Zustand des Weihbischofs war ernst."

Privatsekretär am Telefon

Die Gemeinde, in der von Soden-Fraunhofen lebte, leitete damals Pfarrer Peter H. - ein wegen sexuellen Missbrauchs verurteilter Geistlicher. H. hatte in der Gemeinde erzählt, dass Ratzinger im Jahr 2000 plötzlich vor seiner Tür gestanden habe. Klaus Mittermeier, der damalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, erinnert sich im Interview mit Frontal 21 und Correctiv: "Ich war wegen einer Besprechung bei Pfarrer H. Er hat mir ganz stolz erzählt: 'Stell Dir vor, wer gestern Abend bei mir vor der Tür gestanden ist. Es war der Ratzinger. Er wollte zum Weihbischof.'“ Auch H. selbst erwähnt das angebliche Treffen mit Ratzinger, als er 2010 mit Kirchenvertretern über den Kindesmissbrauch sprach. Das Gespräch ist in Kirchenakten dokumentiert.

Screenshot aus Video: Eine Andacht im Freien, ein Pfarrer in der Bildmitte (Gesicht verpixelt), Messdiener im Vordergrund

Frontal 21 und Correctiv -
Verschwiegen und vertuscht: Missbrauch in der Kirche
 

Wegen sexuellen Missbrauchs von zehn minderjährigen Jungen wurde ein Priester verurteilt. Die Konsequenz der katholischen Kirche: Versetzung des Pfarrers in eine andere Gemeinde.

von Michael Haselrieder, Anne Herzlieb und Marcus Bensmann (Correctiv)

Frontal21 und Correctiv konfrontierten den emeritierten Papst Benedikt XVI. zehn Tage vor der Veröffentlichung mit den Vorwürfen. Der Vatikan aber reagierte bis Redaktionsschluss nicht. Am Tag nach der Berichterstattung meldet sich dann der Privatsekretär Benedikts XVI. und teilt am Telefon mit: Kardinal Ratzinger habe Pfarrer H. nie persönlich getroffen. Während des Besuches bei Weihbischof von Soden-Fraunhofen sei nicht über Pfarrer H. gesprochen worden.

Erstkommunionkinder auf Stirn geküsst

Nach den Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal 21" und des Recherchezentrums Correctiv haben mindestens drei Jungen aus Garching an der Alz Pfarrer H. beschuldigt, sie sexuell missbraucht zu haben. "Aus den Akten ergibt sich, dass im Jahr 1993 bekannt wird, dass H. Erstkommunionkinder auf die Stirn geküsst haben soll und ein älterer Jugendlicher im Pfarrhof verkehre", teilte das zuständige Erzbistum München und Freising auf Nachfrage mit. Die Kirche habe die Opfer finanziell entschädigt.

Doch die Geschichte von Peter H. beginnt lange vor seiner Zeit in Garching. Ende der 70er soll er als Kaplan in Bottrop und Essen mindestens 13 Jungen sexuell missbraucht haben. Doch statt Peter H. zu entlassen, versetzt ihn die Kirche 1980 nach München. Erzbischof ist dort damals Kardinal Joseph Ratzinger. Der soll damals mitentschieden haben, dass H. eine Therapie wegen seiner pädophilen Neigungen in München macht.

Psychotherapeut hat gewarnt

Sein Psychotherapeut Dr. Werner Huth erinnert sich: "Ich habe damals gesagt, er darf nie wieder mit Jugendlichen arbeiten. Da gibt es in der Kirche genug Felder: In einem Altenheim zum Beispiel oder in der Verwaltung."

Trotz dieser Warnungen wurde H. jedoch noch im selben Jahr in einer Münchner Gemeinde zur Seelsorge eingesetzt und kam dort auch mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt. Dazu teilte das Erzbistum München und Freising auf Nachfrage mit: "Aus der Aktenlage geht nicht hervor, wie intensiv sich der damalige Erzbischof Joseph Ratzinger mit dem Fall H. beschäftigt hat."

28 Jungen missbraucht

Insgesamt soll Peter H. mindestens 28 minderjährige Jungen sexuell missbraucht haben, teilten das Bistum Essen und das Erzbistum München/Freising auf Anfrage mit. Es ist somit einer der größten Missbrauchsfälle der katholischen Kirche.

Jetzt könnte der Fall strafrechtlich neu aufgerollt werden. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II sagte Frontal 21: "Wir prüfen, ob es weitere Taten gibt und ob Ermittlungen aufzunehmen sind."

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