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Papst belässt Erzbischof im Amt - Köln: Kardinal Woelki nimmt Auszeit

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Der Papst belässt den umstrittenen Erzbischof Woelki im Amt - trotz Kritik am Umgang mit einem Missbrauchsgutachten und am Führungsstil. Eine längere Auszeit soll Ruhe bringen.

Der Papst gab nun bekannt: Der umstrittene Kölner Kardinal Woelki darf im Amt bleiben. Franziskus gewährte Woelki aber eine Auszeit, um die der Kardinal ihn gebeten hatte.

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Rainer Maria Kardinal Woelki darf im Amt bleiben, doch er wird pausieren. Die Unruhe im Erzbistum Köln ist zu groß, als dass es dort ohne eine Zäsur weitergehen kann. Aus vatikanischer Sicht soll die Auszeit beiden Seiten die Möglichkeit für einen Neuanfang geben: Erzbischof und Gläubigen.

Längst geht es für viele Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum Köln allerdings nicht mehr nur um die Missbrauchsaufarbeitung, sondern sie stellen die gesamte Amtsführung des 65-jährigen Kirchenmannes Woelki infrage. Kritik gibt es daran, wie er Strukturveränderungen im Erzbistum anpackt, aber auch an seiner Ablehnung von Reformen im Bereich der Sexualmoral oder dem Zölibat.

Woelki und der Missbrauchsskandal

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Visitatoren untersuchten Situation in Köln

Für den Vatikan ging es bei der aktuellen Entscheidung aber nicht um diese theologischen und pastoralen Fragen, sondern allein um die Klärung, ob Kardinal Woelki im Bereich der Missbrauchsaufarbeitung Fehler gemacht hat. Dazu hatte der Papst im Juni eigens zwei Visitatoren nach Köln geschickt, um die Situation vor Ort zu untersuchen.

Auf Grundlage des Berichts der beiden erfolgte nun die Entscheidung. Demnach habe sich "kein Hinweis ergeben, dass er im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs rechtswidrig gehandelt hat". Auch könne ihm bei der Entscheidung, ein erstes Missbrauchsgutachten im März 2019 nicht zu veröffentlichen, nicht vorgeworfen werden, er habe vertuschen wollen.

Kampf gegen Missbrauch - Kirche will bessere Personalakten einführen 

Die Deutsche Bischofskonferenz hat zur Dokumentation von sexuellem Missbrauch in der Kirche eine Standardisierung der Personalakten beschlossen. Das Gesetz gilt ab 2022.

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Neben Woelki bleiben auch die beiden Weihbischöfe Ansgar Puff und Dominikus Schwaderlapp im Amt. Sie hatten nach der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens im März 2021 ihre Ämter ruhen lassen. Beiden seien zwar - in früheren Verantwortlichkeiten - "vereinzelt Mängel" bei Missbrauchsverfahren nachzuweisen, "nicht aber die Intention, Missbrauch zu vertuschen oder Betroffene zu ignorieren".

Puff wird sofort wieder als Weihbischof im Erzbistum arbeiten, Schwaderlapp nimmt ein Jahr Auszeit, um als Seelsorger nach Kenia zu gehen.

Auszeit soll Entspannung herbeiführen

Mit Blick auf Woelki liest sich die Erklärung des Vatikans wie eine Rehabilitierung. Es wird die "Entschlossenheit des Erzbischofs [betont], die Verbrechen des Missbrauchs in der Kirche aufzuarbeiten, sich den Betroffenen zuzuwenden und Prävention zu fördern".

Lediglich mit Blick auf die Kommunikation werden ihm "große Fehler" attestiert. Weiter heißt es:

Der Heilige Vater zählt auf Kardinal Woelki, er anerkennt seine Treue zum Heiligen Stuhl und seine Sorge um die Einheit der Kirche.
Erklärung des Vatikans

Es sei allerdings aufgrund der Kommunikationsfehler zu einer Vertrauenskrise gekommen, "die viele Gläubige verstört". Hier soll durch die Auszeit des Kardinals eine Entspannung herbeigeführt werden.

Woelki bedauere heute, dass er Fehler gemacht habe und es dadurch zu einer Vertrauenskrise im Erzbistum gekommen sei: "Das tut mir leid." Dies gelte besonders mit Blick auf die Betroffenen, die dadurch retraumatisiert worden seien.

Papst Franziskus hat entschieden, dass der in Kritik geratene Kardinal Woelki sein Amt behalten darf. ZDF-Korrespondentin Dorthe Ferber mit weiteren Einzelheiten.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, zeigte sich skeptisch, ob es im Erzbistum Köln innerhalb weniger Monate "zu einer grundlegend veränderten Situation" kommen könne. Es brauche auch von Seiten Woelkis "Gesprächs- und Mediationsangebote, um Chancen und Perspektiven zu finden".

Aktueller Beschluss als Chance für Neuanfang

Was passiert, wenn eine Erneuerung und Versöhnung im Erzbistum Köln nicht gelingt, ist offen. Dann wird sich Papst Franziskus im Frühjahr 2022 erneut mit der Causa befassen müssen. Daher eröffnet die aktuelle Entscheidung eine Chance für einen Neuanfang. Sie kann aber auch schlicht die Vertagung eines endgültigen Votums bedeuten. Trotz aller Rückendeckung für den Kardinal, ist der Ausgang noch immer unklar.

Jürgen Erbacher leitet die ZDF-Redaktion Kirche und Leben, katholisch.

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