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Interview

Prüfer für Woelki entsandt : "Es ist ein Misstrauensbeweis des Papstes"

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Im Streit um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln schaltet sich der Papst ein. Was das für Kardinal Woelki bedeutet, erklärt Kirchenrechtler Thomas Schüller.

Seit vielen Monaten steckt das Erzbistum Köln in einer tiefen Krise - wegen des Umgangs mit Missbrauchsfällen. Jetzt hat Papst Franziskus reagiert und schickt zwei Bischöfe als Prüfer, was sehr ungewöhnlich ist. Konkret geht es um die Frage, ob Erzbischof Woelki und andere Geistliche Missbrauchfälle vertuscht und Täter geschützt haben.

Woelki hatte ein erstes Gutachten zu dieser Frage wegen angeblicher Verfahrensfehler zurückgehalten und stattdessen ein zweites erstellen lassen, das ihn juristisch entlastete. Kritiker werfen Woelki vor, sich zu sehr auf rechtliche Fragen zurückzuziehen und zu wenig moralische Verantwortung zu übernehmen.

Thomas Schüller, Theologe und Professor für Kirchenrecht an der Universität Münster, erklärt im Interview mit dem ZDF heute journal update, was hinter der Reaktion des Papstes auf den Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln steckt.

ZDF: Der Vatikan hat – nach langem Zuwarten – reagiert und eine sogenannte apostolische Visitation, also den Besuch zweier auswärtiger Prüfer, ins Erzbistum Köln angekündigt. War das die richtige Entscheidung?

Thomas Schüller: Es war eine notwendige Entscheidung, weil der Kardinal selbst in Köln nicht mehr in der Lage ist, ein Auseinanderdriften des Bistums in den Griff zu bekommen. Und zwar bei den Themen Missbrauch, aber auch bei der Frage, ob die Gläubigen ihm noch folgen.

ZDF: Welche Chance bietet sich durch diese Maßnahme, zum einen für Aufklärung zu sorgen, und zum anderen, die stark strapazierte Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche zurückzugewinnen, zumindest in Köln?

Schüller: Das könnte ein positiver Effekt sein, weil ja beide Bischöfe klar mandatiert sind durch den Papst und Arbeitsaufträge haben. Und jetzt, ohne dass der Kardinal von Köln ihnen da etwas sagen könnte, unabhängig ermitteln. Das betrifft den Bereich des sexuellen Missbrauchs, aber auch eben andere Vorgänge. Und ihnen sind alle Akten und alle Personen zum Gegenstand zu machen. Das heißt, mit ihnen dürfen sie reden, um jetzt objektiv den Sachverhalt aufzuklären. Das könnte ein Stück für Glaubwürdigkeit sorgen, die ja stark in Gefahr geraten ist.

ZDF: Von der Kirchenbasis wird jetzt die Hoffnung, aber auch die Erwartung geäußert, dass die Verfehlungen nicht nur juristisch, sondern auch moralisch aufgearbeitet werden. Was genau ist damit gemeint?

Schüller: Der Kardinal hat ja die letzten Wochen nur überlegt, indem er durch ein Gutachten gemeint hat, reingewaschen zu werden, was die juristische Verantwortung angeht. Aber gerade bei der Frage sexueller Straftaten gegen Kinder und Jugendliche geht es ja um die ethische Dimension.

Der Dom in Köln spiegelt sich in einem Fenster.

Katholische Kirche - Papst lässt Vorgänge im Erzbistum Köln prüfen 

Papst Franziskus schickt zwei externe Prüfer ins Erzbistum Köln. Es geht auch um die Frage, ob Kardinal Rainer Maria Woelki Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen begangen hat.

von Jürgen Erbacher

Das heißt: Wenn zum Beispiel ein Priester mit einem jungen Mann eben gegen Geld Sex kauft, dann ist das nicht nur juristisch zu bewerten, sondern auch moralisch. Und hier hat der Kardinal komplett versagt, auch sein Generalvikar. Sie haben es heruntergespielt, und das hat die Leute sehr empört.

ZDF: Was bedeutet nun dieser Vorgang, der ja nicht häufig vorkommt, für Kardinal Woelki? Ist er noch im Amt zu halten?

Schüller: Es ist erstmal ein Misstrauensbeweis des Papstes. Er traut ihm augenscheinlich nicht mehr zu, die Krise eigenständig zu bewältigen. Es ist sehr ungewöhnlich, weil der Erzbischof von Köln, der zugleich Kardinal ist, einer der wichtigsten Kirchenmänner der römisch-katholischen Kirche ist.

Also wird sich der Papst das zwei Mal gut überlegt haben, ob er hier interveniert. Und er möchte jetzt - nicht überzeugt von den Erklärungen des Kardinals - selbst die Sache aufklären. Und am Ende könnte wie im Fall Limburg dann der Rücktritt des Kardinals stehen.

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