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Erzbischof Gänswein : Ehemaliger Papstsekretär sorgt für Wirbel

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"Nichts als die Wahrheit" verspricht Erzbischof Gänswein im Buch über Benedikt XVI. Im Vatikan könnte er damit in Ungnade fallen. Nicht wegen des Inhalts, sondern des Wirbels.

Erzbischof Georg Gänswein kommt im Vatikan an.
Kurz nach der Beerdigung von Papst Benedikt XVI. kündigte sein ehemaliger Privatsekretär ein Enthüllungsbuch an.
Quelle: Reuters

20 Jahre war Georg Gänswein der Privatsekretär von Joseph Ratzinger, später Benedikt XVI. Während er aufgrund seines Aussehens früher oft als "George Clooney des Vatikans" bezeichnet wurde, war diese Woche in den Sozialen Medien vom "Prinz Harry des Vatikans" zu lesen.

Grund dafür: Erzbischof Gänswein gab nur wenige Tage nach dem Tod Benedikts XVI. und noch vor dessen Beerdigung eine Reihe von langen TV- und Radio-Interviews, in denen er auch über Kritik des verstorbenen Papstes an seinem Nachfolger Franziskus berichtete. Zudem kündigte ein italienischer Verlag ein Enthüllungsbuch an mit dem reißerischen Titel "Nichts als die Wahrheit".

Generalabrechnung mit Franziskus bleibt aus

Vorab veröffentlichte Auszüge ließen eine Generalabrechnung mit dem amtierenden Papst erwarten sowie einen Beleg dafür, dass es erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Benedikt XVI. und Franziskus gegeben habe. Liest man die 336 Seiten, die bisher nur auf Italienisch vorliegen, wird deutlich, das Buch taugt nicht dazu, einen großen Keil zwischen die beiden Päpste zu treiben.

Zehntausende nahmen Anfang Januar auf dem Petersplatz in Rom Abschied von Joseph Ratzinger. Das ehemalige Kirchenoberhaupt war im Alter von 95 Jahren verstorben.

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Gänswein verteidigt Benedikt XVI. gegen Kritik etwa mit Blick auf die Krisen während des Pontifikats oder den Umgang mit dem Missbrauchsskandal. Er versucht dessen zentrale theologischen Anliegen herauszuarbeiten und gibt Einblicke in das Alltagsleben des verstorbenen Papstes.

Gänswein verteidigt Benedikts Rücktritt

Ziel des langjährigen Papstsekretärs ist es, Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Rücktritts 2013 zu widerlegen, und er betont, Benedikt XVI. habe sich von Kritikern des amtierenden Papstes nicht instrumentalisieren lassen.

Nur an wenigen Stellen lässt er durchblicken, dass es einen offenen Dissens zwischen Ratzinger und seinem Nachfolger gegeben habe. Dazu gehört etwa die Einschränkung der Feier der Messe nach dem alten tridentinischen Ritus durch Franziskus, nachdem Benedikt XVI. hier Lockerungen verfügt hatte.

Was am 11. Februar 2013 passierte, kam für die katholische Welt überraschend.

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Auch wenn das Buch keine großen Enthüllungen enthält, sind viele Verantwortliche im Vatikan verstimmt über das Vorgehen Gänsweins. Dass sich der Privatsekretär überhaupt zu Internas äußert und dazu so unmittelbar nach dem Tod des Emeritus, wird nicht goutiert.

Kein herzliches Verhältnis zu Franziskus

Unklar ist, wie Papst Franziskus darauf reagiert. Am Montag hatte er den deutschen Erzbischof in Audienz empfangen. Das Verhältnis der beiden war immer von gegenseitigem Respekt, nicht aber von großer Herzlichkeit geprägt. Gänswein tat sich von Anfang an schwer mit der Art und Weise, wie Franziskus als Papst agiert.

Daraus machte er nie einen Hehl und auch in dem neuen Buch berichtet er, wie so manche Aktion von Franziskus ihn verletzt habe. Etwa die Beurlaubung vom Amt des Präfekten des Päpstlichen Hauses im Februar 2020 nach Querelen um die Veröffentlichung eines Textes von Benedikt XVI. zum Zölibat.

Groß war der Jubel in Deutschland, als Joseph Ratzinger 2005 zum Papst gewählt wurde. Andreas Klinner und Jürgen Erbacher mit einem Blick auf seine Besuche in der Heimat.

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Muss Gänswein jetzt gehen?

Gänswein sieht sich und den emeritierten Papst missverstanden. Er versucht, die Deutungshoheit über das Erbe Benedikts XVI. zu bekommen. Dazu gehört auch, das Projekt "Rücktritt" als Erfolg zu werten. Denn in Rom ist in diesen Tagen eine Debatte darüber entbrannt, wie die letzten zehn Jahre zu bewerten sind, ob der Rücktritt besser eine einmalige Aktion in der Geschichte des Papsttums bleibt oder ein Amtsverzicht gelingen kann. Die Antwort hängt auch davon ab, wie das Umfeld Benedikts XVI. jetzt agiert.

Was die Zukunft von Erzbischof Gänswein anbetrifft, muss das aktuelle Handeln nicht das Ende seiner kirchlichen Karriere bedeuten. Papst Franziskus ist mit Kritikern in der Vergangenheit unterschiedlich verfahren. Manche mussten gehen, andere hat er im Amt belassen, ihnen aber klar signalisiert, dass er das Heft des Handelns in der Hand hält. Selten handelte der Papst in dem Moment, in dem der Sturm am größten war.

Abschied auf dem Petersplatz - Benedikt XVI. im Vatikan beigesetzt 

Die sterblichen Überreste des emeritierten Papstes Benedikt XVI. sind im Vatikan beigesetzt worden. Zuvor fand auf dem Petersplatz die Totenmesse statt.

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