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Paris - der ewige Kampf ums bezahlbare Wohnen

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Horrende Wohnkosten - Paris - der ewige Kampf ums bezahlbare Wohnen

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Der Immobilienmarkt in Paris ist hart umkämpft, Mieter zahlen im Durchschnitt 35 Euro pro Quadratmeter. Otto-Normalmieter werden längst an den Stadtrand gedrängt.

Wegen des Brexit sind Wohnungen in Paris sehr gefragt. Finanzangestellte wechseln von London nach Paris und treiben die Preise in die Höhe.

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Dass Paris ein teures Pflaster ist, weiß man. Doch selbst dieses Wissen kann den Schock nicht abfedern, der sich bei denen einstellt, die hier eine Wohnung suchen. In der französischen Hauptstadt werden Mondpreise verlangt.

Im Durchschnitt 10.000 Euro pro Quadratmeter für Käufer, 32 Euro pro Quadratmeter für Mieter. Kann man sich als Durchschnittsverdiener das Leben in Paris noch leisten?

"Wenn man kaufen will, braucht man auf jeden Fall Rücklagen", sagt Francois Turquety. Er ist Drehbuchautor, mit seiner Partnerin Clémentine Decraene und ihrem zweijährigen Sohn sind sie gerade in ein größeres Apartment gezogen.

In Paris Wohnungen kaufen geht nur mit eigenem Kapital

Die alte Wohnung wurde zu klein, weil nochmal Nachwuchs unterwegs ist. Jetzt haben sie 64 statt 41 Quadratmeter. In einem Viertel, das noch vor kurzer Zeit alles andere als chic war. 500.000 Euro hat der Kauf gekostet. Das wäre nicht gegangen ohne eigenes Kapital.

Clémentine Decraene und Francois Turquety
Clémentine Decraene und Francois Turquety in ihrem neuen Appartement in Paris.
Quelle: ZDF

Weil das Wohnen so teuer ist, leben die Pariser oft auf sehr kleinem Raum. Francois Turquety und Clémentine Decraene waren da bislang keine Ausnahme. "In unserer alten Wohnung hatten wir zwei Hybrid-Zimmer", erzählt Clémentine.

"Unser Schlafzimmer war gleichzeitig auch Esszimmer und das Kinderzimmer gleichzeitig Wohnzimmer." Jetzt haben sie immerhin zwei Schlafzimmer plus Wohnzimmer - ein Luxus.

Ein Luxus auch deshalb, weil sie in Paris bleiben können - intra muros, innerhalb der alten Stadtmauern, wie man hier sagt. Viele andere Normalverdiener können sich Paris nicht mehr leisten und ziehen weg, in die Vororte. 12.000 Pariser, meist Familien mit Kindern, verlassen jedes Jahr die Stadt.

Pariser Bürgermeisterin will mehr Sozialwohnungen

Twitter-Profilbild der Bürgermeistern von Paris, Anne Hidalgo
Wohnen in Paris ist teuer: Bürgermeisterin Hidalgo fordert daher mehr Sozialwohnungen.
Quelle: Twitter

Die Stadt ist sich des Problems bewusst und investiert in den sozialen Wohnungsbau. "Es ist uns gelungen, die Mittelklasse und auch ärmere Haushalte in der Stadt zu halten", sagt die  Bürgermeisterin Anne Hidalgo. "Aber wir müssen noch weiter gehen, wir wollen, dass der Anteil der Sozialwohnungen bis 2025 bei 25 Prozent liegt."

Das ist ein anspruchsvoller Plan und auch das wird wohl nicht reichen, um die Pariser in Paris zu halten. Denn die Stadt ist zu attraktiv, die Preise explodieren. Und so wird Paris zunehmend zum Hort der reichen Franzosen und der wohlhabenden Ausländer.

Luxuswohnungen weit weg vom Durchschnittsfranzosen

Susie Hollands ist Maklerin. Ihr Bereich sind die Luxuswohnungen. Sie zeigt dem ZDF eines ihrer Schmuckstücke - Riesensalon, ausgestattet mit teuren Möbeln, Marmor im Bad, Ausblick auf die Seine. Ein Traum für fünf Millionen Euro.

"Diese Wohnung ist das Richtige für Leute, die hart gearbeitet haben, deren Kinder groß sind und die jetzt sagen 'Wir lieben Paris, jetzt kaufen wir", sagt Susie Hollands. Das ist nichts für den Durchschnittsfranzosen.

Und besser wird’s wohl so schnell auch nicht, denn viele wohlhabende Briten haben - nicht erst nach dem Brexit - die Stadt für sich entdeckt und drängen auf den Immobilienmarkt. Auf dem wiederum drängeln sich schon internationale Investoren.

Wohnungen in Paris werden oft als Geldanlage gekauft

Das Paradoxe dabei: Viele teuer erworbene Immobilien werden oft gar nicht bewohnt. Sie sind reine Geldanlageprojekte. Dadurch werden auch die klassisch schicken Wohngegenden leerer, viele Läden verschwinden, die Stadt wird gentrifiziert. Selbst frühere Dienstbotenzimmer unterm Dach ohne Bad gehen weg wie warme Semmeln

"Heutzutage kann in Paris echt alles vermietet werden, sogar die kleinsten Kammern. Manche Wohnungen sind im Keller, manche mieten Gartenhäuschen," sagt Eric Constantin von der Wohltätigkeitsorganisation Abbé Pierre. "Leider findet alles Abnehmer, weil es seit Jahren einen Wohnungsmangel gibt.

Paris ist die Stadt der Liebe, aber hier zu leben ist für die meisten ein ewiger Kampf.

Christel Haas ist Korrespondentin im ZDF-Studio Paris.

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