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Stirbt der Beruf der Kinderkrankenschwester?

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Neue Ausbildung - Stirbt der Beruf der Kinderkrankenschwester?

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Kinderärzte fürchten, dass es bald keine Kinderkrankenschwestern mehr gibt. Der Grund: Die neue Ausbildung. Wie berechtigt ist diese Sorge? Fragen und Antworten zum Thema.

Kinderkrankenschwester mit jungem Patienten.
Wird es das Berufsbild der Kinderkrankenschwester künftig noch geben?
Quelle: Henning Kaiser/dpa

Wird es den traditionsreichen Beruf der Kinderkrankenschwester bald nicht mehr geben? Das befürchten zumindest Kinder- und Jugendärzte, weil die Ausbildung in der Pflege seit diesem Jahr neu geregelt wird. Woher kommt diese Sorge? Wie berechtigt sind die Befürchtungen? Und stirbt der Beruf wirklich?

Was ändert sich in der Pflegeausbildung?

Die Ausbildungen in der Pflege waren bisher getrennt. Wer Kinderkrankenschwester werden wollte, machte eine eigene Ausbildung. Das Pflegeberufegesetz legt die verschiedenen Ausbildungen seit diesem Jahr zusammen. Wer Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger werden möchte, absolviert nun eine allgemeine Ausbildung.

Diese Fachkräfte sollen laut Gesundheitsministerium in der Lage sein, in allen Bereichen der Pflege arbeiten zu können - und nicht mehr nur in einem. "Die neue, generalistische Ausbildung befähigt die Auszubildenden zur Pflege von Menschen aller Altersstufen in allen Versorgungsbereichen", so der Plan des Bundesgesundheitsministeriums.

Zwei Jahre lang werden die Auszubildenden gemeinsam ausgebildet.  Im dritten Jahr können sie sich dann entscheiden: Setze ich die generalistische Ausbildung fort und werde Pflegefachkraft oder spezialisiere ich mich als Altenpfleger oder Kinderkrankenpfleger?

Welche Probleme soll die neue Ausbildung in der Pflege lösen?

Das Bundesgesundheitsministerium erhofft sich, dass der Pflegeberuf durch die Reform attraktiver wird und der Pflegemangel bekämpft wird. Im ganzen System fehlen Pflegekräfte. Bis 2035 fehlen laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaft mindestens 130.000 zusätzliche Fachkräfte.

Und in den kommenden beiden Jahrzehnten könnte die Zahl der Menschen, die Pflege brauchen, auf 5,4 Millionen steigen - knapp zwei Millionen mehr als noch 2017. Durch die generalistische Ausbildung soll der Beruf flexibler werden - Pflegekräfte sollen einfacher in andere Bereiche wechseln können. So sollen Personalengpässe und Versorgungslücken verhindert werden.

Zudem werde damit nun die Pflegeausbildung wie schon in anderen Ländern auch in Deutschland vereinheitlicht, sagt Christine Vogler, Vizepräsidentin des Deutschen Pflegerats. Dadurch könne man "europäisch endlich mithalten". In Europa sei eine generalistische Ausbildung längst normal. Womöglich werde sogar die unterschiedliche Bezahlung der verschiedenen Pflegekräfte ein Ende haben.

Stirbt deshalb der Beruf der Kinderkrankenschwester?

Kritiker des Gesetzes fürchten, dass die Ausbildung von Pflegekräften verwässert wird. "Die Expertise dieser Spezialistinnen für die Gesundheit von Kindern ist unverzichtbar für die Qualität der Versorgung unserer jungen Patienten", so Wolfgang Kölfen, Vizechef des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Zu glauben, dass Schwestern überall im Krankenhaus einsetzbar seien, sei der Traum von praxisfernen Politikern und Lobbyisten.

Die Kinderkrankenpflege wird aber nicht aussterben.
Christine Vogler, Vizepräsidentin Deutscher Pflegerat

Dass die Pflegekräfte nach ihrer Ausbildung nicht mehr so spezialisiert sind wie vorher - diese Sorge sei natürlich berechtigt, meint Christine Vogler vom Deutschen Pflegerat.

Die Kernkompetenzen von Pflegekräften seien im Endeffekt aber dieselben. Das Wissen werde weiterhin vermittelt, nur in neuen Strukturen, wofür drei Jahre Ausbildung eigentlich auch zu wenig sind, so Vogler. Man werde andere Bildungsprogramme einsetzen müssen. Zudem solle sich jede Pflegekraft auch selbst weiterbilden - je nachdem, was die konkrete Stelle erfordert. "Die Kinderkrankenpflege wird aber nicht aussterben."

Mit Material von der dpa.

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