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Pilze: Der nachwachsende Rohstoff der Zukunft

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Antibiotika, Lebensmittel, Leder - Pilze: Der nachwachsende Rohstoff der Zukunft

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Pilze sind weder Pflanze noch Tier, leben unabhängig von Sonne und Sauerstoff. Sie sind weitgehend unerforscht, dabei könnten sie der Rohstoff der Zukunft sein.

Korb mit gesammelten Speisepilzen
Pilze können nicht nur als Lebensmittel verwendet werden.
Quelle: colourbox.de

Lange bevor die ersten Wälder entstanden, beherrschten Pilze die Erde. 50 Millionen Jahre lang ragten riesige Strukturen, die Prototaxites, bis zu acht Meter aus der Erde.

Seither haben die Pilze sich immer wieder neu an die Natur angepasst. In ihnen steckt eine Milliarde Jahre Erfahrung im Überleben.

Sechs Millionen Pilzarten: ein Zauberkasten von Rohstoffen

Doch nicht einmal ein Prozent der geschätzten sechs Millionen Pilzarten sind der Menschheit bekannt.

Wir sind diesen Organismen gegenüber sehr ignorant.
Rob Dunn, Mikrobiologe

"Mit jedem Atemzug inhalieren wir hunderte Pilzsporen und wissen nicht mal Grundlegendes über die vielen Arten", konstatiert Mikrobiologe Rob Dunn. Er sieht in Pilzen einen Zauberkasten mit Stoffen, auf die die Menschheit angewiesen ist.

Alleskönner Pilz

An der Oberfläche sichtbar ist nur ein Bruchteil des Organismus. Der Hauptteil des Pilzes ist ein Geflecht feiner Fäden, das sogenannte Myzel.

Damit verbreitet sich der Pilz im Wald und ernährt sich von allem, was ihm unterirdisch begegnet. Er verdaut tote Pflanzen und wandelt mit seinen Enzymen sogar Felsen in Erde um – ein Alleskönner.

Dachziegel oder gar Fahrradhelme aus Pilzen? Der Fruchtkörper und das Myzel von Pilzen könnte zum Werkstoff der Zukunft werden. Ein Wundermittel für eine nachhaltige Zukunft?

Beitragslänge:
3 min
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Myzel - geheimnisvolles Pilzgeflecht

Die Berliner Biotechnologin Vera Meyer erforscht  mit Hilfe der Röntgen-Computertomographie das Myzel, das geheimnisvolle Pilzgeflecht.

Pilze haben unglaubliche Stoffwechselfähigkeiten.
Vera Meyer, Biotechnologin

"Sie können fast alles zersetzen. Sie sind aber auch Meister der Biosynthese, das heißt, sie können ein großes Spektrum an organischen Säuren, an Enzymen, an Medikamenten bilden. Deshalb können sie fast alles biologische Material, was sie vorfinden, transformieren in etwas Neues", sagt Meyer.

Medikamente und Lebensmittel – ohne Pilze nicht denkbar

Die Fähigkeiten der Pilze bringen der Menschheit schon heute gewaltige Vorteile. Etwa die Hälfte der 20 wertvollsten Medikamente leitet sich von Pilzen ab, darunter solche zur Unterdrückung des Immunsystems oder Cholesterinsenker. Auch Antibiotika wie das Penicillin wurden Pilzen abgeschaut.

Meyers Team an der TU Berlin erforscht die künftigen Einsatzmöglichkeiten der Pilz-Enzyme. Die Industrie nutzt diese Fähigkeiten der Pilze schon lange, vor allem in der Lebensmittelindustrie.

"Pilze produzieren für uns eine Vielzahl an Lebensmitteln, Käse, Salami, Mycoprotein, Zitronensäure, Enzyme für die Getränkeherstellung oder für die Brotherstellung", so Meyer. Unsere Lebensmittel, wie wir sie aus dem Supermarkt kennen, würden alle nicht dort stehen ohne die Fähigkeiten der Pilze", ergänzt die Biotechnologin.

Pilze als Ressource zur Regeneration der Erde

Meyer glaubt, in Pilzen die nachwachsende Ressource der Zukunft gefunden zu haben. "Schnell nachwachsende Zuchtpilze könnten der Erde helfen, sich zu regenerieren, indem sie andere Ressourcen schonen.“

Das größte Potenzial der Pilz-Biotechnologie liegt tatsächlich darin, die UN-Nachhaltigkeitsziele mit zu erfüllen.
Vera Meyer, Biotechnologin

Erste Objekte aus veganem Pilz-Leder gibt es schon. Im Gegensatz zum echten Leder ist es ganz ohne toxische Substanzen herstellbar - und genauso reißfest.

Nachhaltige Häuser aus "Pilzbeton"?

Auch die Bauwirtschaft könnte von Pilzen profitieren: Pilzkulturen des Zunderschwamms durchwachsen in wenigen Tagen ihr Nährsubstrat, machen es leicht und sehr stabil.

Ein perfektes Dämmmaterial, findet Biotechnologin Vera Meyer: "Sie sind sehr leicht und werden sehr kostengünstig hergestellt. Im Vergleich zu Beton, zu dessen Herstellung man 1.400 Grad braucht, werden hier nur 70 - 100 Grad benötigt. Die Kulturen verbrauchen viel weniger Energie und Wasser. Komposite Verbundstoffe aus Pilzen mit Pflanzen sind sehr schlecht brennbar, isolieren auch Schall und Temperatur sehr gut. Das sind alles wichtige Eigenschaften, um vom Beton wegzukommen und hin zu einer Leichtbauweise, die trotzdem stabile Häuser ergibt." - Das Potential der Pilze ist noch lange nicht erforscht.

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