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Löst CO2-Speicherung im Boden das Problem?

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Ein Tresor für Kohlendioxid - Löst CO2-Speicherung im Boden das Problem?

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Norwegen macht den Europäern ein verlockendes Angebot: Es will die unvermeidbaren CO2-Emissionen aus der europäischen Industrie aufnehmen und unter der Nordsee deponieren.

Norwegen macht ein verlockendes Angebot: Das Land will die gesamten CO2-Emissionen der europäischen Industrie aufnehmen und in Gesteinsschichten unter der Nordsee pumpen.

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28 min
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Norwegens neues Geschäftsmodell

Norwegen hat jahrzehntelang Milliarden mit den Öl- und Gaslieferungen nach Resteuropa verdient. Jetzt ist die Hälfte der Förderstätten erschöpft. Das reichste Land der Erde sucht nach einem neuen Geschäftsmodell. Und so hat das norwegische Parlament beschlossen, ein technisches Konzept für die Speicherung von CO2 unter der Nordsee zu entwickeln.

Es heißt "Northern Lights", also Polarlicht. Die Technik dahinter nennt sich Carbon Capture and Storage, kurz CCS. Dabei soll das Treibhausgas CO2, das zum Beispiel bei Prozessen in der Zement-, Chemie- oder Metallindustrie unvermeidlich anfällt, aufgefangen werden.

Hoffnung für das Deutsche CO2-Problem

Nordstream 2

Dieser Anteil macht 7 Prozent der deutschen CO2-Gesamtemissionen aus und kann z.B. auch durch eine Umstellung auf erneuerbare Energieträger nicht vermieden werden. Das Gas soll mit Schiffen von den Anrainerstaaten der Nordsee nach Norwegen transportiert werden. Von dort aus sollen die Klimagase per Pipeline in Nordseesedimenten verpresst und auf Dauer gespeichert werden. Technisch ist das Verfahren längst erprobt.

Bleibt das CO2 im Boden?

Meeresboden mit aufsteigenden Gasblasen
Meeresboden mit aufsteigenden Gasblasen
Quelle: ZED

Der Sandstein der Johansson Formation rund 110 Kilometer vor der norwegischen Küste ist als CO2-Endlager gut geeignet. Das Gestein in 2.500 Metern Tiefe besitzt große Poren, die momentan mit Wasser gefüllt sind. Wenn das CO2 dorthin verpresst wird, löst sich ein Teil des Kohlendioxids im Wasser. Es wird also zu Sprudel. Der Rest bleibt als Gasbläschen in den Poren. Langfristig kann das CO2 mit dem Gestein reagieren und so mineralisieren, also zu Stein werden.

Dass Gas prinzipiell in solchen Gesteinsschichten dauerhaft bleiben kann, zeigt die Tatsache, dass auch Erdgas aus solchen Sedimenten nicht entweicht. Größte Herausforderung für die Speicherung von CO2 unter der Nordsee sind die mehr als 10.000 Bohrlöcher, die im Laufe der Jahrzehntelangen Erdöl- und Erdgasförderung gebohrt worden sind. Sie müssen sicher verschlossen werden.

Kann CCS das Klima retten?

Das Speicher Potenzial unter der Nordsee ist gigantisch. Die Norweger gehen davon aus, dass man dort die Treibhausgase der europäischen Länder für 300 bis 400 Jahre speichern kann. Der Weltklimarat erwartet, dass wir solche Speicher auf jeden Fall brauchen werden, um die Klimaerwärmung zu begrenzen.

Denn wir haben, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen, weltweit nur noch ein CO2 Budget von ca. 330 Milliarden Tonnen. Da kaum damit zu rechnen ist, dass die Klimaschutzmaßnahmen ab jetzt so streng ausfallen werden, dass das verbliebenen CO2 Budget ausreicht, müssen spätestens ab den 2030er Jahren große Mengen CO2 aus der Atmosphäre wieder entnommen werden. Die Sedimente unter der Nordsee könnten zur Deponie für diese Treibhausgase werden. 

CO2-Besteuerung ebnet den Weg

Bisher kostet es die Unternehmen nichts, CO2 in die Luft abzugeben. Wenn CO2 einen Preis bekommt und die Unternehmen für die Freisetzung von CO2 bezahlen müssen, wird CCS voraussichtlich wirtschaftlich attraktiv werden. Norwegen besteuert jede Tonne CO2, die in die Atmosphäre abgegeben wird, bereits mit über 50 Euro. Das hat die dortigen CCS-Projekte rentabel gemacht.

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