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Wie Deutschlands Gärten versteinern

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Schotter auf dem Vormarsch - Wie Deutschlands Gärten versteinern

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Kies- und Schottergärten beherrschen immer mehr Wohnviertel. Ihre Besitzer schätzen sie als pflegeleicht - aber für Natur- und Umweltschützer tragen sie zum Artensterben bei.

Gärten des Grauens - so nennt der Biologe Ulf Soltau die zugeschotterten Vorgärten. Ein großer Trend in deutschen Wohnsiedlungen: Granit und Kalkstein statt Büsche und blühende Stauden.

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Vier von zehn Deutschen besitzen einen Vorgarten. Mindestens 15 Prozent der Vorgärten sind laut Schätzungen nicht mit Pflanzen, sondern mit Kies und Schotter gestaltet. Kritiker bemängeln, dass durch das Anlegen von Schottergärten Tieren der Lebensraum genommen wird. Insekten und Vögel finden keine Nahrung, zudem fehlen Brutplätze. Bodenlebewesen können sich aufgrund der Bodenverdichtung kaum einen Weg durch das Erdreich bahnen.

Insektenfeindlicher Raum

Der Insektenkundler Thomas Schmitt vom Senckenberg-Institut in Müncheberg warnt:

Wenn alle Gärten so aussehen würden, dann wären unsere Siedlungen ein völlig insektenfeindlicher Raum.

Er vergleicht die Bedeutung der Vorgärten mit der unserer Naturschutzgebiete für den Erhalt der Artenvielfalt.

Umweltschützer weisen auch darauf hin, dass Schotter- und Kiesgärten nur die ersten zwei, drei Jahre unkrautfrei sind. Danach sammeln sich Samen, Staub und Blätter zwischen den Steinen, so dass sich dort doch wieder Wildkräuter ansiedeln. Viele Gartenbesitzer greifen deshalb zu Bioziden, um die Steine wieder "sauber" zu bekommen.

Politik reagiert

Viele Kommunen haben auf die Kritik reagiert und die Anlage von Schotter- und Kiesgärten verboten. Allerdings beziehen sich diese Verbote nur auf Neubaugebiete. Andere Gemeinden scheuen sich, Verbote auszusprechen. Denn sie müssten diese kontrollieren und durchsetzen. Und dafür fehlen oft die Kapazitäten.

Auch die Bundespolitik hat auf den Trend zum Schottergarten reagiert. In ihrem „Aktionsprogramm Insektenschutz“ hat sie für die Finanzierung einer Kampagne gesorgt, die über die Nachteile der versteinerten Gärten aufklärt.

Streit wegen Herkunft der Steine

Kies und Schotter kommen zum überwiegenden Teil aus heimischen Abbaustätten. Aber wenn es um die Neugenehmigung von Abbaugebieten geht, gibt es oft heftige Proteste seitens der Bevölkerung.

Zwar gelten Kiesgruben und Steinbrüche als verhältnismäßig umweltfreundlich. Sie bedeuten aber auch weiteren Flächenverbrauch, für die Anwohner Lärm und die Öffnung des Grundwassers für den Eintrag von Schadstoffen.

Kritiker wie Dr. Frank Messner vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung bemängeln, dass es in Deutschland keine Gesamtplanung für die insgesamt rund 2800 Abbaustätten gibt: "Gerade unter dem Aspekt Klimawandel, wo wir eigentlich auf die Grundwasservorräte angewiesen sind, ist das eigentlich nicht hinnehmbar."

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