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Vermüllung der Ozeane : Geisternetze: Tödlicher Abfall im Meer

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Netzreste machen einen erheblichen Teil des Plastikmülls in den Ozeanen aus. Für Tiere sind Geisternetze tödliche Fallen. Lösungen für das Problem gibt es jedoch kaum.

In den Ozeanen bleiben jährlich bis zu eine Million Tonnen Fischernetze zurück. Als Geisternetze töten sie unkontrolliert weiter: Jährlich sterben qualvoll Millionen Meerestiere.

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Müll im Meer - das sind nicht nur Plastikflaschen oder Verpackungen. Laut der Naturschutzorganisation WWF besteht mindestens ein Drittel des weltweiten Plastikmülls in den Ozeanen aus Fischereigeräten, vor allem Netzen.

Die sogenannten Geisternetze, meist hergestellt aus synthetischen Stoffen wie Polypropylen oder Nylon, vergiften als Kunststoffabfall über Jahrhunderte die Meere. Der WWF schätzt, dass jährlich bis zu eine Million Tonnen neu hinzukommen. Die Netze gehen bei Stürmen oder Unfällen verloren oder bleiben an Hindernissen hängen. Auch werden immer häufiger ausgediente oder illegal genutzte Netze im Meer entsorgt.

Netze sind Gefahr für mehr als 800 Tierarten

Die Geisternetze sind für Meerestiere tödliche Fallen. In den Schnüren verfangen sich Fische, Schildkröten und Vögel. Aber auch große Tiere wie Schweinswale oder Delfine verenden oft qualvoll in den Netzresten. Dazu kommen unzählige kleinere Organismen wie Meerespflanzen, die für das Ökosystem notwendig sind. Insgesamt sind etwa 800 Arten von den Geisternetzen betroffen, so die Gesellschaft zur Rettung der Delfine.

Bis sich ein Netz im Wasser auflöst kann es 600 Jahre dauern. Danach verbleiben die Teile als Mikroplastik im Ozean. Und landen dann über die Nahrungskette auch wieder auf dem Teller der Menschen.

Besonders problematisch sind die sogenannten Dolly Ropes – bunte Kunststoffseile, die als Scheuerschutz dienen und somit durch ihren Abnutzungseffekt meist im Meer landen. Nicht nur der WWF, auch der Natuschutzbund Deutschland (NABU) schlägt Alarm.

Das ist eine programmierte, vorsätzliche Vermüllung der Meere.
Dr. Kim Detloff, Leiter des Bereichs Meeresschutz beim NABU

In Deutschland verzichten viele Fischer bereits auf dieses Zusatzmaterial. In anderen europäischen Ländern sind sie jedoch nach wie vor weit verbreitet.

Europäische Fischer müssen verlorene Netze eigentlich bergen

Eine staatliche Regelung zur Bergung von Geisternetzen gibt es in Deutschland bisher nicht. Meist sind es private Umweltschutzorganisationen oder Nichtregierungsorganisationen, die Bergungsaktionen mithilfe von Spendengeldern durchführen – wie die Gesellschaft zur Rettung der Delfine.

Ihr Einsatz scheint unabdingbar: Geht ein Netz verloren, so sind europäische Fischer zwar gesetzlich verpflichtet, es selbst zu bergen oder den Verlust zu melden, damit sich die Behörden um die Bergung kümmern können. Allerdings fehle es auf internationaler Ebene an Mitteln und politischem Willen, dies auch zu kontrollieren, sagt Jochen Lamp, Leiter des Geisternetzprojektes beim WWF.

Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern hat nun ein zweijähriges Pilotprojekt gestartet. 200.000 Euro werden in die Bergung von Geisternetzen in der Ostsee investiert. Auf EU-Ebene sollen sich ab Juli 2021 die Hersteller von Fischernetzen an Aufräumarbeiten beteiligen. Zusätzlich soll Fischern ein finanzieller Anreiz geboten werden, alte Fischfanggeräte zurückzugeben und somit auch die Recyclingquote zu erhöhen.

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