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"Kleine Heideinsel" in Norwegen - Plastikmüll so weit das Auge reicht

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Auf der "Kleinen Heideinsel" in Norwegen sammelt sich seit 50 Jahren Plastikmüll an - für Forschende ein spannendes Objekt, um die Folgen von Plastikvermüllung zu untersuchen.

Plastikmüll auf der "Kleinen Heideinsel" in Norwegen
Die "Kleine Heideinsel" in Norwegen ist übersät mit Plastikmüll. Welche Auswirkungen hat das für die Umwelt?
Quelle: ZDF/Hebestreit

Rune Gaasø stehen die Tränen in den Augen: Seit jenem Tag im Frühjahr 2018, an dem er das ungeheure Ausmaß der Plastikvermüllung auf der "Kleinen Heideinsel" in den Schären vor Bergen zum ersten Mal erblickte, hat er diesen Moment herbei gesehnt: 20 junge Leute aus unterschiedlichen Staaten Europas mit Müllsäcken in der Hand schwärmen auf sein Zeichen hin aus.

Die Idylle täuscht auf dieser Schäreninsel: Hier hat sich über 50 Jahre hinweg Plastik angesammelt und steckt teilweise tief im Boden. Jetzt wird aufgeräumt und geforscht.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Sie sammeln Plastik ein, das der Nordatlantik in den letzten 50 Jahren hier angeschwemmt hat, das vom Wind über das ganze Eiland verteilt wurde.

Damals saß ich hier an dem kleinen Tümpel und musste weinen: Ich habe Otter gesehen und Adler, die hier nisten und war unglaublich traurig, weil die Natur rundherum so schrecklich aussah.
Rune Gaasø
Rune Gassø auf der "Kleinen Heideinsel" in Norwegen
Der Zustand der "Kleinen Heideinsel" macht Rune Gassø traurig. 50 Jahre lang hat sich hier angeschwemmtes Plastik gesammelt.
Quelle: ZDF/Hebestreit

Plastikmüll so weit das Auge reicht

Der Anblick hat sich auch im August 2021 nicht geändert. Plastikmüll so weit das Auge reicht: Deutsche Joghurtbecher, russische Saftverpackungen, Behälter der unterschiedlichsten Flüssigkeiten, Badelatschen, Gummihandschuhe, Futterschläuche aus der Lachszucht, Netzfragmente aus der Fischerei, Helme, eine Kühlschranktür sogar – alles hier gestrandet, weil die "Kleine Heideinsel" mit ihrer nach Südwesten geöffneten Bucht zum Nordatlantik wirkt, wie ein Trichter für Treibgut aller Art.

Jahrzehntelang hat niemand diese Vermüllung gestoppt und so hat das Heidekraut viele Fremdkörper überwuchert, sind Plastik und Natur eine Verbindung eingegangen, die die Landschaft verformt. Dämme waren entstanden, künstliche Tümpel – zwischen Seerosen dümpelten Verpackungen.

Wir erkannten damals, dass die Insel eine Art Freiluftlabor sein könnte, das man abriegeln und in einen kontrollierten Forschungsbereich verwandeln konnte.
Rune Gaasø

Erst in diesem August hatten Gaasø und ein Team des Forschungsinstituts NORCE der Uni Bergen genügend Mittel aufgetrieben, um wenige Tage lang auf dem Eiland Feldforschung zu betreiben.

Plastikmüll auf der "Kleinen Heideinsel" in Norwegen
Jahrzehntelang wurde Müll auf der Insel angeschwemmt. Inzwischen sind Plastik und Natur eine Verbindung eingegangen.
Quelle: ZDF/Hebestreit

Auswirkungen von Mikroplastik untersuchen

Mikrobiologin Prof. Gunhild Bødtker leitet das Team aus Naturwissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen.

Wir wollen die Auswirkungen des Plastiks auf Insekten und Mikroorganismen untersuchen und sehen, wie sich Mikroplastik hier ausbreitet.
Prof. Gunhild Bødtker

Die Forschenden vermuten, dass Plastik über Kleinstlebewesen in die Nahrungskette gelangt, dass Kunststoff auch Einfluss auf das Verhalten dieser winzigen Tiere hat.

Proben werden entnommen

Und so kratzen sie sich durch den Inselboden auf der Suche nach den ältesten Plastikfragmenten, nehmen Gas- und Bodenproben und katalogisieren größere Fundstücke, die sie zum Teil erst ausgraben müssen.

"Wir erleben topographische Veränderungen, die möglicherweise die ganze Ökologie, die Pflanzen und die Mikroorganismen betrifft. Das ist menschengemacht binnen weniger Jahrzehnte", sagt Toxikologin Prof. Marte Haave.

Umweltschützer sammeln Plastikmülll auf der "Kleinen Heideinsel" in Norwegen
Müllsammler*innen von "In the same Boat" bei der Arbeit.
Quelle: ZDF/Hebestreit

Plastik auf der Insel eingesammelt

Spätestens in zwei Jahren wollen die norwegischen Wissenschaftler*innen Ergebnisse ihrer Arbeit präsentieren – bis dahin wollen sie immer wieder nachschauen, wie sich das Ökosystem der Insel vom Plastikmüll erholt – und wie viel neuen Müll der Nordatlantik an der "Kleinen Heideinsel" anspült, nachdem die jungen Müllsammler*innen die Insel nach Abschluss der Forschungstage vom gröbsten Dreck befreit haben.

Sie gehören der Umweltschutzorganisation "In the same Boat" an und segeln den Sommer über die norwegischen Küste entlang um Plastik einzusammeln.

Das Mikroplastik-Problem bleibt und wird erforscht

Eine von ihnen ist die 19-jährige Lea Lindner aus Kitzingen. Zusammen mit ihren internationalen Mitstreitenden hat sie über eine Tonnen Plastik auf der "Kleinen Heideinsel" aufgelesen.

Aber vieles, was man anfasst, zerfällt in kleine Fetzen, das kann man nicht mehr aufsammeln, man kann nie alles einsammeln.
Lea Lindner

Seit fünf Wochen segelt sie mit der Umweltschutzorganisation und will weitermachen, solange das Wetter es noch zulässt. Es ist ihre Auszeit zwischen Schule und Studium. Wie allen Beteiligten ist ihr klar: Von den großen Plastikstücken können sie die Natur befreien, das Mikroplastik aber bleibt – mit welchen Folgen wollen die Forscher*innen jetzt herausfinden.

Henner Hebestreit ist Reporter im ZDF-Landesstudio Schleswig-Holstein und Korrespondent für Skandinavien.

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2 min
von M. Hugo, A. Hottmann (Grafiken)
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