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Deutscher "Playboy" : 50 Jahre nackte Tatsachen

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1972 erschien die erste Ausgabe des deutschen "Playboy"-Magazins. Obwohl mittlerweile online viel nackte Haut zu finden ist, hat das Heft noch immer Hunderttausende treue Leser.

Florian Boitin, Chefredakteur des "Playboy", steht während eines Fototermins zum 50. Jubiläum der deutschen Ausgabe des Magazins - in der Hand hält er das Cover des ersten "Playboys" vom 1. August 1972.
"Playboy"-Chefredakteur Florian Boitin mit dem Cover der ersten deutschen Ausgabe (r.).
Quelle: dpa

Es ist die wohl älteste Ausrede beim Zeitschriftenkauf. "Ich lese den 'Playboy' doch nur wegen der tollen Interviews", sagten einst die Jungen und Männer, die sich beim Kauf des Hochglanzmagazins ertappt fühlten. Der Satz ist nicht nur alt, er wirkt in Zeiten von überall im Internet kostenlos verfügbarer nackter Haut inzwischen auch aus der Zeit gefallen.

Dass der "Playboy" dennoch auch nach 50 Jahren in Deutschland existiert, dürfte daran liegen, dass er mit prominenten Covergirls bis heute für Aufsehen sorgt.

Empörung pusht Absatz der Erstausgabe

Wäre es bei der "Playboy"-Lektüre nur nach den Interviews gegangen, hätten sich die Männer nach der am 1. August 1972 erschienenen deutschen Erstausgabe womöglich verstört und verängstigt abgewandt. Esther Vilar, Autorin des Bestsellers "Der dressierte Mann" sprach darin Sätze, die einem zart besaiteten Mann bis heute wehtun dürften.

Der Mann sei der Frau überhaupt nicht wichtig genug, damit sie ihn absichtlich schlecht behandle, sagte Vilar:

Es ist nur so, dass die Frau überhaupt nicht gelernt hat, den Mann als ein menschliches Wesen zu sehen.
Autorin Esther Vilar in der deutschen "Playboy"-Erstausgabe

Sie denke von ihm in einer ganz anderen Art. "Wie von einer Maschine, die materielle Werte produziert. Sie sieht ihn nicht als Mensch." Eine Welle der Empörung brach los - was den Verkaufszahlen des Männermagazins aber nutzte.

"Playboy" macht mit Coverstars Auflage

Wer heute über den "Playboy" spricht, spricht allerdings vor allem über die Coverstars. 1983 wurde Nastasja Kinski die erste bekannte Schauspielerin auf der Titelseite. Die damalige Idee, mit Prominenz Auflage zu machen, funktioniert seitdem ungebrochen.

Die Cover mit den Schauspielerinnen Simone Thomalla oder Nathalie Wörner verkauften sich gut, das Heft mit Eiskunstlauflegende Kati Witt war in ganz Deutschland ausverkauft. Und zuletzt brachte Laura Müller, die Lebensgefährtin des umstrittenen Sängers Michael Wendler, einen Auflagensprung.

Anfangs auch Aufklärungsheft für die Jugend

In seinen Anfängen war der "Playboy" hingegen auch ein Aufklärungsheft, wie vor einigen Jahren Schauspieler Moritz Bleibtreu - selbst 50 Jahre alt - in einem Interview offenbarte. Mit zarten zehn Jahren habe er sich Anfang der 80er Jahre das Magazin angeschaut, berichtete Bleibtreu.

"Damals waren die Damen in den deutschen 'Playboys' zwischen den Beinen einfach nur schwarz, die Vagina war kaum zu sehen." Er habe gedacht, das sieht halt so aus.

Bis ich irgendwann einen amerikanischen 'Playboy' oder irgendwas anderes in die Hände bekommen habe und dementsprechend geflasht war. Ich dachte ja, da ist einfach nur Schwarz.
Moritz Bleibtreu, Schauspieler

"Playboy"-Auflage: Mehr als 100.000 Hefte

Als der Heinrich-Bauer-Verlag den "Playboy" hierzulande auf den Markt brachte, war er durch das 1953 erstmals veröffentlichte Original aus den USA schon längst eine Weltmarke. Die erste deutsche Ausgabe hatte verschiedene Besonderheiten. So war Covergirl Gaby Heier reichlich bekleidet, dabei hätte sie gar nichts gegen Nacktheit gehabt - aber es "habe keiner gefragt, ob ich mich ausziehen will". 2003 holte Heier das nach.

Nach dem Bauer-Verlag brachte ab 2003 der Burda-Verlag den "Playboy" raus. Mittlerweile zog sich auch Burda zurück, Anfang 2020 übernahmen Chefredakteur Florian Boitin und Myriam Karsch die Lizenz. Der Abobestand ist auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2000, die Auflage mit 106.000 Exemplaren ebenso wie die Leserzahl mit 870.000 ordentlich.

Geschäftsführerin: Der Playboy ist feministisch

Obwohl 90 Prozent der Leser männlich sind, überraschte Geschäftsführerin Karsch vor gut zwei Jahren in der "Süddeutschen Zeitung" mit einer Charakterisierung des Magazins, die wohl nicht jedem auf Anhieb einfallen würde. "Für mich ist der 'Playboy' sehr feministisch", sagte sie damals.

Wir stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit - wir zeigen Frauen, die über ihren Körper selbst entscheiden.
Myriam Karsch, Burda
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