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Abenteuer um "Planet X" - Vor 90 Jahren wurde Pluto entdeckt

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Mythen gibt es über Pluto nicht. Erst 1930 wurde der Planet entdeckt, vor wenigen Jahren dann zum "Zwergplaneten" herabgestuft. 2015 bekam er sogar Besuch von einer Nasa-Sonde.

Der Amerikaner Percival Lowell (1855-1916) hatte zwei fixe Ideen: Er wollte die "Mars-Kanäle" erforschen und jenseits des Planeten Neptun einen unbekannten "Planeten X" finden. Weil er Geld genug hatte, gründete er 1894 das Lowell-Observatorium in Flagstaff/Arizona, gut 330 Kilometer südöstlich von Las Vegas. Doch Lowell scheiterte: Die als Spuren von Leben gedeuteten Mars-Kanäle existieren nicht und den "Planeten X" fand er nicht, obwohl er ihn 1915 fotografiert hatte. Er übersah ihn auf seiner Fotografie - und starb dann 14 Jahre vor der Entdeckung.

Nach langer Suche wurde Pluto im Februar 1930 erstmals gesichtet

Die Suche wurde ab 1929 von dem jungen Astronomen Clyde Tombaugh (1906-1997) fortgesetzt. Er fotografierte die Himmelsregionen, in denen "Planet X" vermutet wurde. Am 18. Februar 1930 hatte er Erfolg: Der Himmelskörper war gefunden. Benannt wurde er nach Pluto, dem römischen Gott der Unterwelt. Das passte auch darum, weil die ersten beiden Buchstaben von Pluto die Initialen des Pechvogels Percival Lowell waren.

Pluto war kleiner als gedacht. Er ließ sich damals kaum direkt beobachten - mit bloßem Auge sowieso nicht. Seine Entdeckung gelang durch einen "Blink-Komparator" aus den Carl Zeiss-Werken in Jena. Dabei werden zwei zeitversetzte Fotos derselben Himmelsgegend kurz hintereinander betrachtet. Vor dem Hintergrund der unbewegten Sterne fallen bewegliche Himmelskörper - zum Beispiel Planeten - dadurch auf, dass sie als Lichtpunkte hin und her zu hüpfen scheinen.

Umgeben von fünf Monden

Anfangs vermuteten die Experten, dass Pluto so groß sein könnte wie die Erde - aber die Angaben wurden im Lauf der Zeit auf einen Durchmesser von 2.370 Kilometer korrigiert. Damit war er sogar kleiner als der Erdmond mit 3.476 Kilometern. Pluto hat selbst fünf Monde - einen großen namens Charon (1.212 Kilometer Durchmesser) und vier kleine, die maximal 50 Kilometer groß sind.

In etwa sechseinhalb Tagen dreht Pluto sich einmal um sich selbst, für einen Umlauf um die Sonne braucht er fast 248 Jahre. Seine Bahn ist um über 17 Grad zu der Ebene geneigt, in der sich die anderen Planeten bewegen. Und sie ist exzentrisch: zwischen 4,4 und 7,3 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt.

2006: Zum "Zwergplaneten" degradiert

Grund genug, sich den merkwürdigen Himmelskörper genauer anzusehen: Am 19. Januar 2006 startete die US-Raumfahrtbehörde Nasa die Sonde "New Horizons". Damals galt Pluto noch als neunter Planet. Doch am 24. August 2006 wurde er von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) zum "Zwergplaneten" degradiert.

Anlass war, eine begriffliche Ordnung in das Sammelsurium der Himmelskörper des Sonnensystems zu bringen. Wochenlang wurde sogar der Vorschlag diskutiert, die Zahl der Planeten von neun auf zwölf aufzustocken. Denn bereits im 19. Jahrhundert waren im Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter etliche Objekte entdeckt worden, die als Kleinplaneten in Frage kamen. "Ceres", zum Beispiel, ist mit fast 1.000 Kilometern Durchmesser so ein stattlicher Klotz.

In den 1990er Jahren wurden immer neue Objekte sogar jenseits von Neptun und Pluto entdeckt. Einige von ihnen, wie "Eris", "Sedna" und "Xena", erwiesen sich als ähnlich groß wie Pluto. Eine neue Planeten-Definition schien nötig. Die Astronomen einigten sich darauf, dass ein Planet ein Körper ist, der seine Sonne umkreist, genügend Masse für eine Kugelgestalt besitzt sowie seine Umgebung von kleineren Objekten freigeräumt hat. Dies sollte im Sonnensystem nur noch auf acht Himmelskörper zutreffen: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Pluto war raus.

2015: "New Horizons" kommt bei Pluto an

Im Juli 2015 kam die Nasa-Sonde "New Horizons" bei dem Zwergplaneten an. Fast zehn Jahre lang war sie unterwegs und flog in nur 12.500 Kilometern Abstand am Pluto vorbei. Die hochauflösenden Fotos zeigten eine bizarre Welt mit einer dünnen Stickstoffatmosphäre über Eiswüsten und bis zu 3.500 Meter hohen Bergen. Besonders auffällig war eine helle, herzförmige Region nördlich des Äquators - das Bild ging um die Welt und bescherte dem Pluto neue, ungeahnte Sympathien.

Spätestens zum Jahrestag seiner Entdeckung gibt es weltweit Forderungen, Pluto wieder zum Planeten zu machen - bislang allerdings vergeblich. Zu den Befürwortern gehören der Nasa-Chef Jim Bridenstine und Alan Stern, Leiter der "New Horizons"-Mission. Das Hamburger Planetarium hat jetzt sogar die Aktion "#plutoforplanet" gestartet und bietet diverse Veranstaltungen zum Pluto an.

"Die Planeten-Definition von 2006 ist weder sinnvoll noch wissenschaftlich weiterführend", sagt Direktor Thomas Kraupe. "Wir setzen uns dafür ein, dem Forschergeist junger Menschen keinen willkürlichen Riegel vorzuschieben." Unzählige weitere Planeten jenseits des Pluto würden auf ihre Entdeckung warten.

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