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Interview

Rückkehr der "Polarstern" - "Das Eis wird dünner"

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Drei Wochen hat der Forschungseisbrecher "Polarstern" zwischen Grönland und Spitzbergen verbracht. Crewmitglied Wenzhöfer schildert seine Eindrücke aus der Arktis.

Forschungseisbrecher Polarstern
Der Forschungseisbrecher Polarstern ist aus dem "Hausgarten" des Alfred-Wegener-Instituts in der Arktis zurück.
Quelle: Alfred-Wegener-Institut

Im Mittelpunkt der Forschungsreise stand die ökologische Langzeitforschung: Wie wirken sich Umweltveränderungen auf das arktische Tiefseeökosystem aus?

Insgesamt war die "Polarstern" seit Mai rund 3.800 nautische Meilen unterwegs. Die Auswertung der Proben, die die rund 50 Wissenschaftler aus dem Nordpolarmeer mitbringen, wird Monate dauern. Dr. Frank Wenzhöfer, Mikrobiologe am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, berichtet über seine Eindrücke. Bereits elf Mal hat er die Arktis bereist.

ZDFheute: Was haben Sie auf der Expedition erforscht? Und warum ist es so wichtig?

Frank Wenzhöfer: Wir fahren seit über 20 Jahren zum sogenannten "Hausgarten" (ein Langzeit-Observatorienum, Anm d. Red.) die Langzeiteffekte des Klimawandels auf das Ökosystem, die polaren Ozeane und den Meeresboden zu erforschen. Wir bedienen mittlerweile 21 Messstationen, auf verschiedenen Wassertiefen von 250 bis 5.500 Meter.

Wenzhöfer
Frank Wenzhöfer ist bereits zum elften Mal in der Artkis.
Quelle: Alfred-Wegener-Institut

Hier soll der atlantische Einfluss bis hoch zum arktischen Einfluss an der Eisgrenze, beobachtet werden. Wir besuchen den "Hausgarten" jedes Jahr, um diese Veränderungen zu erforschen. Wie verändert sich das arktische Ökosystem, wenn sich durch den Klimawandel Prozesse verändern?

Schmelzwasser sammelt sich am Helheim Gletscher in Grönland.

Studie - Eisschmelze in Grönland kaum noch zu stoppen 

Das Eis der Arktis schmilzt, zahlreiche Gletscher drohen zu verschwinden. Das Abschmelzen des Grönland-Eisschildes wird einer Studie zufolge kaum mehr zu stoppen sein.

ZDFheute: Was macht die Forschungen am "Hausgarten" einzigartig?

Wenzhöfer: Der "Hausgarten" ist weltweit eines der wenigen Langzeit-Observatorien, in dem sehr interdisziplinär zusammengearbeitet wird. Es gibt viele andere Forschungen, die nur Teilkomponenten untersuchen und wir betrachten hier wirklich das gesamte System: Von der Wasseroberfläche, den Wassersäulen bis hin zum Meeresboden.

So können wir verstehen, wie einzelne Kompartimente zusammenhängen und welche Veränderungen wie und wann auftreten. Ein weiterer Vorteil sind innovative Technologien wie der "Benthic Crawler", mit denen wir eben auch die Saisonalität messen können. Auch wenn wir nur einmal im Jahr hinfahren, haben wir es geschafft Geräte auszubringen, die das ganze Jahr über Messungen vornehmen.

Arbeiten auf dem Forschungseisbrecher Polarstern
Mit OFOS untersucht das Alfred-Wegener-Institut den Meeresboden.
Quelle: Alfred-Wegener-Institut

Von der Oberfläche bis zum Meeresboden können wir jetzt den Jahresgang nachvollziehen. Es ist sehr spannend zu sehen, wie sich die Tonalität auch über Jahre hinweg verändert.

ZDFheute: Wie hat sich die Arktis in den letzten Jahren verändert?

Wenzhöfer: Also generell merken wir, dass das Eis immer weiter zurückgeht. Wir fahren immer weiter hoch in den Norden, um wirklich an den Eisrand zu kommen. Außerdem merken wir, dass das Eis dünner wird. Man sieht die Veränderungen ebenso an der Oberflächentemperatur, die jetzt in den letzten 20 Jahren um fast ein Grad gestiegen ist. Auch die Wasserbodentemperatur ist über die Jahre um circa 0,1 Grad angestiegen.

Die Temperaturen in der Arktis steigen. Das führt zu Veränderungen der Windströmungen, die unser Wetter beeinflussen.

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Viele Prozesse verändern sich, wodurch sich auch die Zusammensetzung der Organismen verändert. Wir versuchen diese Effekte im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu verstehen, um die langfristigen Folgen absehen zu können.

ZDFheute: Sie erwähnten bereits, dass sich die Eisgrenze nach Norden verschiebt, warum ist sie so wichtig?

Wenzhöfer: Die Eisgrenze ist die spannendste Zone, da in der Eisschmelze eine Stratifizierung der Wassersäule zu beobachten ist. Durch die Eisschmelze kommen Nährstoffe ins Wasser, wodurch die Blüte beginnt, sprich die Biomasse gebildet wird. Außerdem ist es die Zone mit der höchsten Aktivität, wovon der ganze Lebenskreislauf letztendlich abhängt.

Das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" hat in der Arktis Daten gesammelt. Ein Ergebnis: Meeresströmungen aus dem Atlantik werden immer wärmer und reduzieren das Polareis.

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Somit können wir in dieser Zone am besten die Prozesse und Veränderungen wahrnehmen. In den letzten Jahren mussten wir immer weiter in den Norden fahren, um unsere Stationen an der Eisgrenze anbringen zu können.

ZDFheute: Wie lautet Ihre Prognose zur Zukunft der Arktis?

Wenzhöfer: Ich denke durch unsere Langzeituntersuchung kriegen wir zumindest Ideen für die Zukunft, hinsichtlich des Klimawandels.

Es sind auf jeden Fall schon große, dauerhafte Veränderungen ersichtlich vor allem in Bezug auf die Temperatur und die Eisdecke.

Bis wir wissen was für Auswirkungen diese Veränderungen haben, wird es jedoch noch ein bisschen dauern. Diese großen Verschiebungen zeigen, dass die Arktis sehr stark vom Klimawandel betroffen ist.

Genau deswegen ist die Langzeitforschung im Hausgarten so essenziell, um die Auswirkungen des Klimawandels überhaupt wahrnehmen zu können. Nur weil wir seit 20 Jahren die Arktis erforschen, können diese Veränderungen überhaupt wahrgenommen werden. So können wir auch zukünftige Folgen abschätzen.

Das Interview führte Sarah Werner.

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