Sie sind hier:

Umrüsten auf Atomenergie - Polens AKW-Pläne - Folgen für Deutschland?

Datum:

In der Nähe der Ostsee will Polen Atomkraftwerke bauen - und so beim Kohleausstieg vorankommen. Was bedeuten Polens Atomkraft-Pläne für Nachbarländer wie Deutschland?

Die Bauruine von Polens einzigem Atomkraftwerk am 10.07.2021
Abkehr von Kohle, dafür hin zur Atomkraft. Polen will in Sachen Energiegewinnung umsatteln.
Quelle: dpa

Nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 wuchs auch in Polen der Widerstand gegen die Atomkraft. Das hat sich jetzt geändert: Polens nationalkonservative Regierung plant den massiven Einstieg in die Atomenergie. In Deutschland wird das mit Sorge verfolgt. Die beiden favorisierten Standorte liegen in der Nähe der Ostsee: Zarnowiec und Lubiatowo-Kopalino, beide gut 70 Kilometer von Danzig - und 450 Kilometer von Berlin entfernt.

2033 soll erster Reaktor in Polen ans Netz gehen, weitere sollen folgen

Spätestens 2026 soll mit dem Bau des ersten Reaktorblocks begonnen werden, der 2033 ans Netz gehen soll, heißt es in einem im Februar vorgelegten Strategiepapier. Bis zum Jahr 2043 sollen fünf weitere Reaktorblöcke folgen.

Die Atomkraftwerke sollen Polen bei Ausstieg aus der Kohle helfen - gegenwärtig gewinnt das Land fast 80 Prozent seiner Energie aus Steinkohle und Braunkohle. Die Regierung wirbt für ihre Atompolitik:

Die Beispiele von hoch industrialisierten und hoch entwickelten Ländern und Regionen wie Frankreich, Schweden und der kanadischen Provinz Ontario beweisen, dass die Atomenergie zur effizienten, schnellen und tiefgreifenden Dekarbonisierung der Elektroenergetik beiträgt.
Strategiepapier der polnischen Regierung

Man sehe Atomkraftwerke zudem als "billigste Energiequelle", heißt es weiter. Im Oktober 2020 schloss Polen bereits ein Abkommen mit den USA über nukleare Zusammenarbeit. Der US-Konzern Westinghouse soll an den Modellstudien beteiligt werden.

Eigentlich liegen Polen und Tschechien bei der Energiepolitik auf einer Linie: Atomkraft ist gut und Kohle auch nicht schlecht. Nun aber spüren die Nachbarn die Auswirkungen der Kohlepolitik in Polen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Gutachten: Bei AKW-Unfall in Polen auch Deutschland betroffen

Laut einer aktuellen Umfrage lehnen 45 Prozent der Polinnen und Polen den Bau von Atomkraftwerken ab, 39 Prozent sind dafür. Trotzdem gebe es in der Region um Danzig bislang keine Organisation, die gegen die AKW-Pläne mobil mache, sagt der grüne polnische Abgeordnete Tomasz Anisko.

Das Unbehagen in Deutschland wächst dafür umso mehr: Polens Pläne seien "rückwärtsgewandt", sagt etwa Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.

Über 2,4 Milliarden Euro Entschädigung bekommen die deutschen AKW-Betreiber für den vorzeitigen Atomausstieg.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Ein Anfang des Jahres erstelltes Gutachten, das ihre Frakion bei fünf renommierten Umwelt- und Nuklearexperten - unter anderem von der Universität Genf - in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Schluss: Bei einem Unfall in einem polnischen AKW wäre Deutschland bei Betrachtung aller Wind- und Wettermöglichkeiten mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent betroffen.

Im schlimmsten Fall wären 1,8 Millionen Deutsche einer Strahlung ausgesetzt, bei der evakuiert wird.
Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion

Berlin kritisiert AKW-Pläne der polnischen Regierung

Auch die Bundesregierung hat reagiert. Ende März schickte sie der Regierung in Warschau eine Stellungnahme mit vielen offenen Fragen zum polnischen Energieprogramm 2040. Berlin fordert die Einbindung in die AKW-Planung, weil potenziell erhebliche negative grenzüberschreitende Umweltauswirkungen auf Deutschland nicht ausgeschlossen werden könnten, heißt es darin. Auch stamme die Umweltverträglichkeitsprüfung für die AKW-Standorte von 2010 und sei demnach veraltet.

Zum weiteren Verlauf des Dialogs mit dem Nachbarland gibt sich das Bundeswirtschaftsministerium zugeknöpft. "Mit Rücksicht auf die bilaterale Zusammenarbeit" wolle man keine Einzelheiten zur Kommunikation mit der polnischen Regierung nennen, teilte eine Sprecherin mit.

Dampf steigt aus den Kühltürmen des Atomkraftwerks Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont auf.

Lehren aus Fukushima - Atomkraft als Brückentechnologie? Nein danke 

So sehr wir die Energiewende wollen: Atomenergie darf keine Zwischenlösung sein, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert. Denn eigentlich ist ja alles da.

von Claudia Kemfert
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.