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Das wirkliche Leben der Pompejaner

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Jahrhundert-Grabung in Italien - Das wirkliche Leben der Pompejaner

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Über Pompeji weiß man schon alles? Falsch gedacht! Die jüngste Grabung zeigt: Es gibt noch viel zu entdecken. Nicht einmal die bisherige Datierung des Vulkanausbruchs stimmt.

Die Ruinen der antiken Stadt Pompeji in Italien
Ausgrabungen haben neue Erkenntnisse über die italienische Ruinenstadt Pompeji am Fuße des Vesuvs zutage gefördert.
Quelle: imago

Wer in Italien am Fuße des Vesuvs die faszinierenden Ausgrabungen von Pompeji besucht, taucht ein in die Alltagswelt der römischen Antike. Neue Erkenntnisse machen diese jetzt noch anschaulicher. So haben der Direktor des Archäologischen Parks, Massimo Osanna, und seine Mitstreiter etwa gefunden, was andere lange gesucht hatten: einen Beweis, dass Pompeji nicht am 24. August 79 nach Christus untergegangen ist, sondern erst im Herbst desselben Jahres.

Holzkohle liefert Beweis für Datum

Das alte Datum geht auf die Beobachtungen eines Zeitzeugen zurück, dessen Angaben aber offenbar durch spätere Abschriften verfälscht worden sind. Osannas Team entdeckte eine Inschrift, die sich auf einen Tag vor den "Kalenden des Novembers", also Mitte Oktober, bezieht.

Massimo Osanna vor einem gemalten Medaillon
Ausgrabungsleiter Massimo Osanna im "Haus mit Garten".
Quelle: ZDF/Gedeon Programmes

Im Unterschied zu früher gefundenen Einritzungen wurde diese Inschrift mit Holzkohle aufgetragen. Das bedeutet, sie kann nur etwa sieben Tage vor dem Vulkanausbruch verfasst worden sein, sonst wäre die Kohleschrift zur Zeit der Katastrophe bereits verschwunden gewesen und nicht im Vulkangestein konserviert worden.

Ringen um weitere Ausgrabungen

Lange Zeit rangen die Experten darum, ob weiter gegraben werden soll oder nicht. Und nicht wenige hielten eine weitere archäologische Ausgrabung in Pompeji für eine Vergeudung von Ressourcen. Keine andere Fundstätte der Welt wurde so intensiv erforscht wie Pompeji. Nirgendwo sonst kann man so intensiv dem Leben in der Antike nachspüren.

Der Archäologiepark ist ein Touristenmagnet, vier Millionen Interessierte drängen sich jedes Jahr durch die Straßen und Gassen der weitläufigen Anlage. Warum sollte man Geld für weitere Ausgrabungen investieren, wenn allein die Erhaltung der bereits ausgegrabenen Ruinen gewaltige Summen verschlingt? Ein Umdenken begann im Jahr 2010, als der Einsturz der Gladiatorenkaserne den schlechten Zustand Pompejis offenkundig machte.

Karte von Italien mit der Stadt Pompeji
Karte von Italien mit der Stadt Pompeji
Quelle: ZDF

Mit Mitteln der Europäischen Union startete das Großprojekt Pompeji, um die Stadt vor der Zerstörung zu bewahren. Ein großes dreieckiges Gelände, das für diverse Wasserschäden an den Ruinen verantwortlich war, wurde nicht nur entwässert, sondern komplett ausgegraben. Massimo Osanna und sein Team konzentrierten sich vor allem auf eine kleine Straße, die sie "Gasse der Balkone" tauften. Und förderten Erstaunliches zutage.

Freske eines Thermopoliums zeigt eine halbnackte Reiterin mit kleiner Harfe in der Hand.
Die Theke des Thermopoliums in der "Gasse der Balkone" ist besonders schön bemalt.
Quelle: ZDF/Gedeon Programmes

Kleine Gasse zeigt Alltag in Pompeji

Die damaligen Anwohner des kleinen Sträßchens hatten nicht zur Oberschicht gehört, sondern stammten aus der Mitte der Gesellschaft. Besonders reizvoll an den Ergebnissen dieser Grabung ist die besondere Nähe, die die Forscher zum heutigen Alltag herstellen konnten: Straßenarbeiten legten damals den Verkehr in der ohnehin engen Gasse komplett lahm. Politiker ließen die gesamte Gasse mit ihrem Namenszug bemalen und warben so um Wählerstimmen. Viele Pompejaner verehrten Gladiatoren wie heute Fußball-Fans ihre Idole.

Zwei Legionäre flanieren durch die Straßen Pompejis.
An vielen Hauswänden hat man in der "Gasse der Balkone" Wahlwerbung gefunden. (Nachgestellte Szene aus "Terra X")
Quelle: ZDF/Gedeon Programmes

Darstellungen von blutigen Kampfszenen auf Kneipenwänden lassen vermuten, dass man dort bei reichlich "cervisia" (Bier) heftig über die Leistungen der Champions diskutierte. Kinder übten das ABC zum Entsetzen der Eltern an einer Hauswand. In kleinen Garküchen - den Vorläufern moderner Fastfood-Restaurants - aßen diejenigen, deren Wohnung nicht über eine Kochstelle verfügte. 

Massimo Osanna unterscheidet sich in seiner Beschreibung Pompejis deutlich von seinen Vorgängern. Er hat in der "Gasse der Balkone" ganz und gar nicht die idealisierte römische Stadt gefunden, in der alles perfekt war. Im Gegenteil

Hier sehen wir wirklich die Szenerie des hektischen Lebens einer chaotischen Stadt im Süden Italiens.
Massimo Osanna, Pompeji-Direktor

"Knapp 40.000 Einwohner, alles bewegt sich ständig, überall wird gearbeitet, Wasserleitungen werden repariert, Häuser werden renoviert, Straßen instandgesetzt - alles wie heute ..."

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