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Post-it-Jubiläum - Helfer im Alltag und Stoff für Kunstwerke

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Post-it sind zum Begriff für kleine Haftnotizen geworden, die Vielen den Alltag erleichtern. Die Klebezettel sind auch Material für Kunst. Andreas Kopp über deren Vergänglichkeit.

Post-it Art - Andreas Kopp
Auch eine Weltkarte lässt sich mit Post-it kleben. Für Künstler Andreas Kopp ist der Prozess des Schaffens wichtig und nicht "das bleibende Werk".
Quelle: Andreas Kopp

heute.de: Was fasziniert Sie an den bunten Klebezetteln?

Andreas Kopp: Ich mag Mosaikkunst, Pointillismus oder auch Pixelkunst, da dabei aus vielen kleinen Farbflächen ein Gesamtbild entsteht.

heute.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Bilder aus Post-it-Zetteln zu gestalten?

Kopp: 2011 gab es in Paris an Bürofassaden Wettbewerbe um die tollsten Post-it-Kreationen. Diese Darstellungen haben mich inspiriert und so ist nach dem Tod von Steve Jobs im gleichen Jahr die Idee entstanden, sein Porträt als Hommage aus Post-it-Zetteln nachzubilden. Mit einer Gruppe von Leuten haben wir zwei Tage lang 4.001 Post-it auf drei mal sechs Metern an das Schaufenster des Münchner Apple Stores geklebt. Das hat großes Aufsehen erregt und viele Leute haben ihre Kondolenznachrichten auf die Zettel geschrieben.

heute.de: Wie lange hält so ein Bild im Schaufenster?

Kopp: Nicht sehr lange, ein bis zwei Wochen höchstens. Die Klebezettel fallen ab, verlieren ihre Farbe und rollen sich auf. Von der Aktion ist aber damals ein Stop-Motion-Video entstanden, das noch immer auf YouTube zu sehen ist. Einige meiner Bilder habe ich, zum Beispiel ein Porträt von Marylin Monroe, mit einer Folie konserviert, das jetzt in der Firmenzentrale von 3M Deutschland in Neuss hängt. Mich interessiert der Prozess mehr als das bleibende Werk.

Post-it Art @Pioneers Festival 2012
Post-it-Kunst beim @Pioneers Festival 2012
Quelle: Andreas Kopp

heute.de: Wie entsteht ein Pixelbild?

Kopp: Die Vorlage zeichne ich vorher detail- und maßstabsgetreu am Computer. Beim Kleben wird das digitale Bild kopiert, entweder von mir allein, in Zusammenarbeit mit Helfern oder als interaktiver Prozess im Rahmen von Workshops. Für das "Museum für konkrete Kunst" in Ingolstadt habe ich 2017 zum Beispiel einen Workshop für Kinder angeboten und wir haben dann zusammen Pixel-Kunstwerke erstellt.

heute.de: Welches sind Ihre Hauptmotive?

Kopp: Ich erhalte immer wieder Aufträge für Porträts, Themenlogos von Veranstaltungen oder Bilder für Marketingkampagnen, wie zum Beispiel 2014 von "Plan International" in Kanada. Für die Organisation habe ich zum "International day of the girl" ein Bild eines Mädchen aus 1.200 Zetteln geklebt, auf die Besucher des "Toronto Eaton Centers" ihre Ideen für eine bessere Zukunft für Mädchen geschrieben haben. Porträts sind nur ein Teil meiner Kunst. Persönlich geht es mir um die Gestaltung von Raum und um Konzepte interaktiver Kunst mit modernster Technik.

Andreas Kopp steht vor seiner Post-It-Weltkarte.
Andreas Kopp steht vor seiner Post-it-Weltkarte.
Quelle: Andreas Kopp

Heute: Wie passen bunte Klebezettel aus Papier und modernste Technik zusammen?

Kopp: Aktuell plane ich eine Schaufenster-Installation für einen Münchner Schreibwarenhändler und 3M mit einer Kombination aus einer großen Post-it-Collage mit einer Kinect Kamera, die die Passanten aufnimmt und dabei Tiefendaten misst, und einem Kurzdistanz-Beamer, mit dem die Kamerabilder auf die rund 1.000 Post-it-Zettel übertragen werden. Bei einem anderen Projekt, dem sogenannten Pixomat, dienten die unterschiedlichen Farben der Zettel als Auslöser einer Kamera. Ein zentrales Thema für mich ist immer das Interaktive und die Veränderung.

heute.de: Sehen Sie sich als Konzeptkünstler?

Kopp: Nein, ich sehe mich eher als Kunst-Handwerker. Für mich ist der kreative Schaffensprozess sehr wichtig. Über die Post it-Kunst habe ich Zugang zur Maker-Welt bekommen und betreibe mittlerweile selbst ein Fab Lab, in dem ich mit neuesten Techniken und selbst gebauten Konstruktionen experimentiere. Zudem biete ich Workshops für technikaffine Kinder und Jugendliche an. Ich habe BWL und Maschinenbau studiert und mein Ziel ist es, jeden Tag dazuzulernen. Mir ist es wichtig, dass immer wieder etwas Neues entsteht. Die Post-it sind dabei für mich ein günstiges und vielfältiges Material.

Das Interview führte Tatjana Kimmel-Fichtner.

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